So schlimm wie 2018 wird es nicht mehr werden, aber Verspätungen sind nicht auszuschließen. Foto: dpa

Auch wenn Politik und Industrie viel versprechen, ein erneutes Chaos am Himmel lässt sich nicht so leicht verhindern, meint unser Korrespondent Klaus Dieter Oehler.

Frankfurt - Verkehrsminister Andreas Scheuer kann nicht nur „Party“, wie er kürzlich bei einer Diskothekeröffnung zeigte, er kann offenbar auch Krise. So jedenfalls könnte man die Fortschritte sehen, die der CSU-Politiker gleich auf zwei für den Verbraucher durchaus wichtigen Gebieten in seinem Ressort in den letzten Tagen erreicht hat. Erst kam beim Dieselgipfel immerhin ein Kompromiss zwischen Politik und Industrie zustande, mit dem beide Seiten wohl leben können – bei dem aber auch Fragen offenbleiben. Ähnlich ist es bei den Ergebnissen des Luftfahrtgipfels, der am Freitag in Hamburg stattfand. 25 Maßnahmen haben die Bundes- und Landesverkehrsminister sowie die Chefs der Flughäfen, der Flugsicherung und der Fluggesellschaften vereinbart, damit es im kommenden Jahr nicht mehr zu einem Chaos am Himmel kommen soll.

Eine europäische Abstimmung kann dauern

Die Liste ist lang, aber sie kratzt, ähnlich wie beim Diesel, leider nur an der Oberfläche. Zum einen ist es relativ unwahrscheinlich, dass es im Sommer 2019 zu ähnlich vielen Verspätungen und Flugausfällen in Deutschland kommen wird, wie 2018, weil das Chaos in diesem Jahr zu einem großen Teil durch den Ausfall der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Air Berlin, verursacht wurde. Air Berlin ist Geschichte, die Lücken sind weitgehend geschlossen. Zum anderen wird die Umsetzung des Maßnahmenpakets viel Zeit brauchen. Mehr Personal bei den Sicherheitskontrollen, modernere Technik bei der Kontrolle, mehr Fluglotsen, die auch noch flexibler eingesetzt werden können, weil die Technik in ganz Europa abgestimmt wird, bessere Informationssysteme für die Passagiere. Das sind nur einige Punkte, bei denen deutlich wird, dass sie sich nicht von heute auf morgen verwirklichen lassen werden. Vor allem wird es gerade am Himmel auf eine europäische Abstimmung ankommen – und die kann dauern, wie die Erfahrung zeigt.

Der eigentliche Knackpunkt aber wurde bei diesem Gipfel, ganz bewusst, ausgespart: Die Kapazitäten der Infrastruktur haben nicht mit dem Wachstum der Passagiere und Flugbewegungen mithalten können. Lufthansa-Chef Carsten Spohr schlägt dabei eine vorübergehende Einschränkung der Kapazitäten vor, die Flughafenchefs fürchten solche Kürzungen wie der Teufel das Weihwasser, weil sie langfristig planen und sich auf den Flugverkehr des Jahres 2050 vorbereiten wollen. Es gibt also noch einiges zu besprechen, schnelle Abhilfe ist nicht sicher, und Verkehrsminister Scheuer muss erst noch beweisen, dass er Krisen wirklich lösen kann.

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