Der Flughafen-Chef Walter Schoefer hofft, dass viele bisherige Air-Berlin-Verbindungen bestehen bleiben. Foto: dpa

Wegen der Wachstumspläne von Eurowings blickt das Management wieder optimistischer in die Zukunft.

Stuttgart - Das Ende der Fluggesellschaft Air Berlin steckt auch ein Flughafen wie Stuttgart nicht einfach weg. „Uns geht immerhin der ehemals zweitgrößte Kunde verloren“, sagte Walter Schoefer, Sprecher des Vorstands der Flughafengesellschaft, am Mittwoch – um dann bei der Pressekonferenz von Eurowings in Stuttgart umgehend anzumerken, er sei „froh und glücklich“ über die aktuellen Wachstumspläne des „Premiumpartners“. Das zeigt, dass sich der Flughafenbetreiber zwischen Hoffen und Bangen bewegte.

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Im Sommerflugplan 2016 flog Air Berlin noch 23 Ziele von Stuttgart aus an – von Alicante über Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Sylt und Hannover bis Thessaloniki. Bis zu sieben Flieger waren fest stationiert, wie der Flughafenpressesprecher Johannes Schumm dieser Zeitung sagte. Die Zeiten haben sich allerdings längst gewandelt, auch vor dem Schlusstermin bei Air Berlin. Nachdem das Unternehmen in Stuttgart zeitweise einen Marktanteil von 16 Prozent nach Passagierzahlen verzeichnet hatte, bewegte sich dieser Wert zuletzt bei fünf bis sechs Prozent. Kurz vor Schluss gab es von der insolventen Airline noch 77 Abflüge pro Woche zu fünf Zielen, allein 43-mal nach Berlin-Tegel und 30-mal nach Düsseldorf. Noch eine Maschine ist in Echterdingen stationiert. Die anderen Flieger sind laut Schumm – auf einer anderen geschäftlichen Basis – bereits für Eurowings eingesetzt worden. Am 27. Oktober ist für Air Berlin auch in der Landeshauptstadt alles vorbei. Der letzte Flug wird nach Düsseldorf gehen.

Ob Sylt weiter angeflogen wird, ist unklar

Für die Airportchefs in Stuttgart dürfte entscheidend sein, dass die Marktbereinigung keinen geschrumpften Flugplan und keinen Einbruch bei den Passagierzahlen hinterlässt. In dieser Beziehung glauben Schoefer und seine Kollegin Arina Freitag nun aufatmen zu können – weil sich abzeichnet, dass das Plus durch Eurowings größer sein wird als das Minus durch Air Berlin. Ob jedoch sämtliche gewohnten Air-Berlin-Ziele ab Stuttgart wieder ins Angebot kommen, ist unklar.

Man arbeite mit verschiedenen Airlines daran, „die bestehenden Flugverbindungen ab Stuttgart zu erhalten und weiterzuentwickeln“, sagte Schoefer. Der Markt ordne sich neu. Doch das Ziel bleibe, dass „das Flugangebot für Stuttgart nach wie vor stimmt“. Es geht um Destinationen wie Düsseldorf und Sylt, die man mit Air Berlin erreichen konnte. In der Wintersaison ist Sylt zwar ohnehin nicht durchgehend angeflogen worden, allerdings taucht der Name der Nordseeinsel bisher auch nicht in den Ankündigungen von Eurowings für die kommende Sommersaison auf. Das hat damit zu tun, dass Eurowings bis Jahresende noch eine Reihe von kartellrechtlichen Fragen und die Rechte an bisherigen Air-Berlin-Flügen zu klären hat.

Neue Langstreckenziele?

Vollends unabsehbar ist, ob dem Flughafen in der Lufthansa-Tochter noch eine Partnerin erwachsen könnte, die endlich die ersehnten Langstreckenziele anbietet. Bisher machte der Lufthansa-Konzern da wenig Hoffnung. Dabei wird es zumindest vorerst bleiben. Stuttgart sei ein wichtiger Markt, sagte Eurowings-Chef Oliver Wagner am Mittwoch. Doch neue Langstreckenziele – in Ergänzung zu Köln-Bonn – werde man vorerst nur in München und Düsseldorf einführen. Stuttgart werde in dem Zusammenhang 2018 „kein Thema“ sein. Man will aber auch künftig darüber reden. „Warum sollten wir es nicht zusammen versuchen?“, so Schoefer. Andere Airlines hätten früher Ziele in Kanada oder der Dominikanischen Republik angeflogen. Der Einzugsbereich des Flughafens Stuttgart sei ein hervorragender Quellmarkt auch für Langstreckenziele.

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