Der irische Billigflieger Ryanair sollte seine Forderungen nicht überziehen, Belegschaft und Kunden könnten sauer werden, warnt Klaus Dieter Oehler.
Frankfurt - Typisch Michael O‘Leary, könnte man sagen. Der ebenso unkonventionelle wie streitbare Chef des irischen Billigfliegers Ryanair hält nicht viel davon, wenn jemand seine Pläne nicht für richtig hält. Ryanair komme schon allein durch die Krise, sagt er und wettert gegen die Lufthansa, Air France oder die skandinavische SAS, die sich mit Staatshilfen gegen den drastischen Einbruch durch die Corona-Krise stemmen. Er sei für freien Wettbewerb, und der dürfe nicht durch staatliche Eingriffe verzerrt werden.
Bisher ist seine Strategie ja auch voll aufgegangen, der Aufstieg der Iren ist beachtlich, immer mehr Menschen drängten sich in die Ryanair-Flieger zu möglichst günstigen Preisen. Um die Kosten dabei im Griff behalten zu können, hat O’Leary nicht nur die Steuervorteile seines Heimatlandes genutzt, sondern auch alle anderen Möglichkeiten, um kostenträchtige Hürden zu umgehen. So sind beispielsweise die Piloten, die in Deutschland für Ryanair fliegen, bei Air Malta angestellt.
Die Krise wird noch lange dauern
Aber das war vor Corona. Das war in einer Zeit, als der weltweite Flugverkehr noch Jahr um Jahr zulegte, als der Preis eines der wichtigsten Argumente für die Auswahl des Anbieters war, als immer mehr Menschen rund um den Globus Urlaub machten oder auch nur zum Kurz-Shopping-Trip nach Bologna flogen. Dann standen plötzlich alle Flugzeuge für mehrere Wochen still. Und auch jetzt kommt erst langsam wieder Bewegung an den Himmel. Bis 2023 wird es nach Einschätzung der Experten noch dauern, bis das Vorkrisen-Niveau erreicht sein wird.
Diese Durststrecke will Michael O’Leary so überstehen, wie er es gewohnt ist – auf dem Rücken anderer. Am liebsten würde er vermutlich nach dem amerikanischen Vorbild die Belegschaft einfach nach Bedarf verkleinern, hire and fire. Das ist in Europa aber nicht so einfach, in Deutschland schon gar nicht. Hier halten die Gewerkschaften dagegen, versuchen das Beste für die Beschäftigten auszuhandeln.
Billig kann auch teuer werden
O’Leary droht also: wenn Ihr nicht macht, was ich mir vorstelle, dann ziehen wir uns eben aus Deutschland zurück. Feiner Stil ist das nicht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe bezeichnet das im Parteiorgan Vorwärts gar als „hässliche Fratze“. Man wird sehen, ob Ryanair mit dieser harten Verhandlungstaktik durchkommt – bei den Beschäftigten, aber auch bei den Kunden. Billig kann manchmal auch ganz schön teuer werden.