Ulrich Vogt zeigt das Messgerät für Ultrafeinstaub. Foto: Jacqueline Fritsch

Für Ulrich Vogt steht fest: „Es müssen insgesamt weniger Autos werden.“ Anders sind die Probleme mit der Luftbelastung nicht in den Griff zu bekommen. Warum, erklärt der Ultrafeinstaub-Experte aus Stuttgart-Vaihingen hier.

Vaihingen - Je kleiner Staubpartikel sind, desto tiefer können sie in den Körper eindringen – und desto gefährlicher sind sie. Einer, der das genau weiß, ist Ulrich Vogt, Experte für Ultrafeinstaub. Er leitet die Abteilung Reinhaltung der Luft am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Universität Stuttgart in Vaihingen.

Herr Vogt, Fahrverbote wegen verschmutzter Luft sind schon lange ein großes Thema. In Stuttgart werden viele Dieselfahrer bereits von den Straßen verbannt, andere Städte folgen womöglich bald. Steht es wirklich so schlecht um unsere Luft?

Nein, die Luft wird immer besser. Die gute Nachricht ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Werte von Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) deutlich zurückgegangen sind. Die gesetzlichen Grenzwerte für Feinstaub und der Stundengrenzwert für NO2 werden überall eingehalten. Nur die Jahresgrenze für NO2 wird an 20 Prozent der deutschen Messstationen noch überschritten. Das ist auch der Schadstoff, wegen dem die Fahrverbote eingeführt wurden.

Und was ist die schlechte Nachricht?

Neben den Grenzwerten aus der Bundesemissionsschutzverordnung gibt es Em­pfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die sind beim Feinstaub deutlich niedriger und werden an 300 von 400 Messstationen in Deutschland nicht eingehalten. Obwohl vor allem beim Feinstaub gilt: je weniger desto besser. Denn der wird bei Menschen und Tieren immer Schäden hinterlassen, egal wie niedrig die Werte sind.

Warum ist Feinstaub überhaupt so gefährlich?

Alles, was kleiner ist als zehn Mikrometer, kann in die Atemwege eindringen. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen PM10, das sind Partikel, die kleiner sind als zehn Mikrometer und PM2,5, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind. Je kleiner die Partikel, desto tiefer dringen sie in die Lunge ein. Die Größeren werden beim Husten wieder ausgeschieden. Besonders gefährlich wird es erst bei den ultrafeinen Partikeln. Die sind zwischen einem und 100 Nanometer groß und können bis in die Lungenbläschen eindringen. Wenn sie nicht wasserlöslich sind, bleiben sie dort und besetzen die Lungenoberfläche, oder sie gelangen von dort in den Blutkreislauf und werden so im ganzen Körper verteilt.

Was passiert dann?

Es werden verschiedene Krankheiten mit ultrafeinen Partikeln in Verbindung gebracht, zum Beispiel Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme. Mit Sicherheit kann man das aber noch nicht sagen, dazu stehen noch weitere medizinische und epidemiologische Untersuchungen aus.

Wie entsteht dieser Ultrafeinstaub?

Die Partikel entstehen generell bei Verbrennungsvorgängen, also auch beim Rauchen oder wenn man eine Kerze anzündet. Natürlich aber auch in Autos mit Verbrennungsmotor und vor allem bei Flugzeugen. Die haben keine Filter wie zum Beispiel Dieselautos, brauchen mehr Leistung, und es findet eine unvollständige Verbrennung im Triebwerk statt, bei der sehr viele dieser Partikel entstehen.

Der Flughafen liegt ja auf der Filderebene. Ist die Luft dort anders belastet als in der Stuttgarter Innenstadt?

Es wird wenig gemessen auf der Filderebene, aber die Luft müsste allein wegen der Lage schon besser sein. Im Stuttgarter Kessel gibt es in der Regel nur Windgeschwindigkeiten von weniger als zwei Meter pro Sekunde. Auf der Filderebene werden im Mittel größere Geschwindigkeiten erreicht, deshalb werden die Verschmutzungen besser verteilt und verdünnt.

Welche Rolle spielt der Ultrafeinstaub derzeit und in Zukunft?

Die ultrafeinen Partikel sind zurzeit ein großes Thema in der Forschung. Es gibt aber keinen Grenzwert für Ultrafeinstäube. Solange es diesen nicht gibt, werden sie in den Landesmessnetzen nicht gemessen. Ein weiteres Problem ist, dass die Messgeräte bis zu 100 000 Euro kosten und bei unterschiedlichen Größen der Partikel ansetzen. Somit lassen sich Ergebnisse, die mit unterschiedlichen Messgeräten durchgeführt wurden, nur schwer vergleichen. Außerdem haben ultrafeine Partikel fast keine Masse, weshalb man bei ihnen die Anzahl und nicht die Masse misst, wie es bei PM10, PM2,5 und NO2 üblich ist. Bei uns am Institut wollen wir künftig aber vermehrt Ultrafeinstaub messen und der Gesetzgeber sollte einen Grenzwert festlegen.

Sie haben gesagt, die Luft werde in Deutschland insgesamt immer besser. Wird das auch so weitergehen?

Es muss so weitergehen. Wir haben jetzt schon einiges erreicht, aber wir dürfen nicht nachlassen. Wenn es irgendwie geht, sollten wir die Verbrennungsmotoren aus den Städten verbannen. Die Leute sollten mehr laufen, mit dem Fahrrad fahren und den ÖPNV nutzen. Ich selbst fahre jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad ins Institut. Natürlich gibt es durchaus Leute, die auf ihr Auto angewiesen sind, und die werden es weiterhin auch nutzen. Aber es müssen insgesamt weniger Autos werden, damit der Verkehr gleichmäßig fließt. Brems- und Beschleunigungsvorgänge sind nämlich Gift für die Luftreinhaltung.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: