Die Kinder freuen sich an den bunten Luftballons beim gemeinsamen Ballonstart am Wochenende. Manche Eltern kritisierten die Aktion. Foto: factum/Simon Granville

Die Stadt Sindelfingen wird in sozialen Netzwerken für eine Luftballon-Aktion heftig kritisiert. Dies schade der Umwelt, heißt es. Die Stadt wehrt sich: Sie habe recycelbare Ballons verteilt.

Sindelfingen - Umweltsünde. Unsere Kinder sind so traurig über die unglaublich mutwillige Umweltverschmutzung.“ Dieser Kommentar der Userin Anna Corinne steht auf der Facebook-Seite der Stadt Sindelfingen. Anlass dazu war ein Post der Stadtverwaltung zum Internationalen Tag der Kinderrechte am Sonntag. Dafür hatte das Kinderbüro der Stadt alle Kinder eingeladen, einen Luftballon mit ihren Wünschen zu den Kinderrechten steigen zu lassen.

Die Facebook-Userin Anna Corinne ist nicht die einzige, die diese Aktion kritisiert. Auch Christin Otto kommentiert den Post und fragt: „Also ganz ehrlich. Muss man heutzutage wirklich noch Luftballons in den Himmel steigen lassen? Man kann diese Geste doch auch umweltfreundlicher umsetzen.“

Ein kleiner Ersatz für das ausgefallene Kinderfest

Christiane Mayer, die stellvertretende Chefin des Amts für soziale Dienste, ist gelinde gesagt fassungslos. „Mit solchen Reaktionen hatten wir nur nun wirklich nicht gerechnet.“ Lange hatte Mayer mit ihrem Team überlegt, wie man in diesem Jahr den Tag der Kinderrechte gestalten könnte. Seit 2008 richtet die Stadt dafür ein großes Familienfest im Sommerhofenpark aus, an dem sich viele Vereine und Organisationen aus ganz Sindelfingen beteiligen. Der Höhepunkt des Festes ist stets der gemeinsame Luftballonstart.

„Ein Fest unter Corona-Bedingungen, das konnten wir uns nicht vorstellen“, sagt Mayer. „Die Kinder erleben seit Monaten so viele Einschränkungen. Ein Fest mit Abstandsregeln und Teilnehmerbegrenzungen wäre eine weitere Restriktion gewesen.“ Deshalb ließ man das Fest, zu dem laut Mayer sonst „ganze Familien vom Baby bis zu den Großeltern kommen“, in diesem Jahr lieber ausfallen. Aber an die Kinderrechte erinnern, das wollte man schon – und auch den Kindern etwas bieten, gerade in dieser schwierigen Corona-Zeit.

„Der gemeinsame Luftballonstart war immer der Höhepunkt, und den kann man ja auch dezentral gestalten“, sagt Mayer. Und so organisierte das Kinderbüro der Stadt sechs Abholstationen im Stadtgebiet, an denen Luftballons und Postkarten ausgegeben wurden. Am Sonntag um 16 Uhr war dann der gemeinsame Start der Ballons – von vielen Punkten im Stadtgebiet aus.

Luftballons sind zu 100 Prozent recycelbar

Die Reaktionen seien überwiegend sehr positiv gewesen, berichtet Mayer, die selbst am Sonntag im Sommerhofenpark war. „Viele Familien waren dankbar, dass es diese Aktion gab.“ 650 Ballons seien abgeholt worden. „Im Sommerhofenpark hätten wir noch mehr gebraucht“, berichtet Christiane Mayer.

Die Kritik mancher Umweltschützer an dieser Aktion kann sie nicht nachvollziehen. „Wir hatten erstmals zu 100 Prozent recycelbare Ballons mit ebenso wiederverwertbaren Verschlüssen besorgt.“ Trotzdem kritisieren die User auf Facebook: „Wie kann man heutzutage noch Helium (weltweite Mangelware!) und Luftballons (Gefahr für Tiere und jahrhundertelanger Müll) mutwillig fliegen lassen. Was eine traurige Nachricht.“

Ob es im kommenden Jahr zum Tag der Kinderrechte wieder einen Luftballonstadt geben wird, das werde man sich nun sehr genau überlegen, sagt die Vize-Amtsleiterin Christiane Mayer.

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