Zurzeit ist der Ofen aus in Stuttgarts ältester Sauna auf der Waldau. Foto: Cedric Rehman

Die Sauna des Luftbad-Vereins auf der Waldau sucht schon seit geraumer Zeit nach einem neuen Pächter. Nun hat sich ein Interessent gefunden, er möchte die Sauna mit eigenen Mitteln modernisieren. Die Stadt lehnt diese Pläne aber ab.

Degerloch - Auch in einer Sauna kann es frostig sein. Jörg Englert, der erste Vorsitzende des Luftbad-Vereins, führt durch das Gebäude am Georgiiweg. Noch vor etwas mehr als einem Jahr schwitzten die Besucher hier auf Holzbänken. Doch der Ofen ist schon lange aus, und in die Saunaräume ist die Kälte von draußen in jede Ritze gekrochen. Der Duft nach Aufguss liegt zwar noch in der Luft. Er ist aber nicht viel mehr als eine Erinnerung daran, dass gerade die Gäste bei schweißtreibenden Temperaturen Entspannung fanden.

Jörg Englert tut es weh, dass in Stuttgarts ältester Sauna wohl auf längerer Zeit keine glühenden Kohlen vor sich hin zischen werden. Dabei liege eine Lösung auf der Hand, sagt Englert. „Wir haben einen Pächter gefunden, der Geld in die Hand nehmen will, um die Sauna zu modernisieren und sie für das Publikum attraktiver zu machen“, erklärt der erste Vorsitzende.

Das Sportamt lehnt ab

Doch die Stadt ist mit den Plänen nicht einverstanden. Es geht zum einen um einen Anbau, den der Pächter errichten möchte. „Da will er Massageräume unterbringen“, sagt Englert. Der Pächter will künftig Behandlungen für Kassenpatienten anbieten, dafür benötigt er solche Räume.

Das ist aus Jörg Englerts Sicht dringend nötig, um den Betrieb langfristig profitabel zu halten. Die Massageräume können aber nicht im oberen Geschoss untergebracht werden. „Da machen die Krankenkassen nicht mit, weil unsere Decken zehn Zentimeter niedriger sind als die vorgeschriebenen 2,50 Meter“, erklärt Englert. Also bliebe nur ein Anbau, um Platz für die Räume zu schaffen, sagt er. Den will der Pächter ohne Zuschüsse der Stadt realisieren. Die Stadt ist aber dagegen.

Pächter soll nicht auf der Waldau wohnen

Und sie lehnt es zudem ab, dass das Obergeschoss als Wohnung für den Pächter genutzt wird. Er bestehe darauf, in dem Gebäude am Georgiiweg auch leben zu können, sagt Jörg Englert. „Er meint, er könne nur Erfolg mit der Sauna haben, wenn er ständig vor Ort ist“, sagt er. Englert will wissen, dass das Sportamt einen Präzedenzfall verhindern will. „Die Stadt will sich keine Laus in den Pelz setzen, die wegen des Lärms vom Gazi-Stadion gegen die Stadt klagt“, meint Englert. Der Leiter des Sportamts, Günther Kuhnigk, verwendet eine andere Wortwahl. Aber er bestätigt, dass die Verwaltung keine Privatwohnung auf der Waldau will, weil sie Probleme wegen Lärms befürchtet.

Auch in einem dritten Punkt will die Stadt dem Pächter nicht entgegenkommen. Der Luftbadverein ist bereit, seinen Erbpachtvertrag an den Pächter abzutreten. Das sei für den Interessenten die Voraussetzung, die Sauna zu übernehmen, sagt Jörg Englert.

Stadt sieht gewerbliche Nutzung

Für das Sportamt kommt das nicht in Frage. „Auf der Waldau gibt es ein Sporterbpachtrecht. Es gilt nur für Vereine, die einem Sportzweck dienen“, sagt Günther Kuhnigk. Bei dem, was dem Interessenten vorschwebt, handele es sich um etwas anderes, sagt Kuhnigk. „Wir wollen keine privatgewerbliche Nutzung mit einer Privatwohnung auf der Waldau“, sagt er.

Englert kritisiert das klare Nein des Sportamts als einfallslose Reaktion. Bisher sei die Zusammenarbeit reibungslos gewesen. „Gerade deshalb hätte ich mir mehr Beweglichkeit vom Sportamt erhofft“, sagt er. Der Sportamtsleiter weist den Vorwurf zurück, er habe mit dem Verein nicht über Alternativen gesprochen. „Wir hatten ein Treffen mit Herrn Englert, um Lösungen zu erörtern“, sagt er.

Erwerb der Sauna angeboten

Eine Variante wäre für die Stadt wünschenswert, sagt Kuhnigk. Sollte der Luftbad-Verein weder einen Pächter finden noch die Sauna selbst weiterführen, wäre die Stadt bereit, das Gebäude am Georgiiweg zu erwerben. „Wir würden es dann abreißen, weil wir ohnehin einen besseren Zugang von der Stadtbahn-Haltstelle zum Gazi-Stadion anstreben“, sagt er.

Englert findet für die Prioritäten der Stadt keine Worte, sondern eine Geste: Er schüttelt den Kopf. Die Stadt könnte, ohne einen Cent zu zahlen, eine moderne Sauna auf der Waldau bekommen oder Geld in die Hand nehmen, um eine unbebaute Fläche zu produzieren. „Ich habe das Gefühl, dass die Stadt nicht mitdenkt“, sagt er.

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