Ein Radfahrer fährt über einen sogenannten Radschnellweg im niedersächsischen Göttingen. Die Ludwigsburger Grünen wollen, dass auch zwischen Bietigheim-Bissingen und Stuttgart eine solche Radautobahn gebaut wird. Foto: dpa

Nordostring, Stadtbahn, Autobahn, Favoriteparktunnel – nach zähem Ringen gibt die Stadt Ludwigsburg ihre Stellungnahme zum neuen Regionalverkehrsplan ab. Manche Projekte sind steinalt, andere ganz neu, und fast alle sind umstritten.

Ludwigsburg - Der Ludwigsburger Bauausschuss hat am vergangenen Donnerstag eine gemeinsame Stellungnahme zum neuen Regionalverkehrsplan erarbeitet.Der Plan wird vom Verband Region Stuttgart gerade neu erstellt und erhebliche Bedeutung für die Weiterentwicklung der Verkehrspolitik haben, auch in Ludwigsburg. Stadtbahn, Autobahnausbau, Favoritetunnel, Nordostring, Lärmschutz – die Stadträte haben in den vergangenen Wochen intensiv um die einzelnen Positionen gerungen, und auch jetzt noch herrscht nicht in allen Punkten Einigkeit, im Gegenteil. Gleichwohl verdeutlicht das Papier, welche Verkehrsprojekte die Stadt und die Stadträte für besonders wichtig halten.

Seit einer gefühlten Ewigkeit wird in der Region Stuttgart über den Nordostring diskutiert, also eine Schnellstraße zwischen Kornwestheim und Fellbach. Der Regionalverband will das umstrittene Vorhaben in den neuen Regionalverkehrsplan aufnehmen, und zwar mit der höchsten Dringlichkeitsstufe. Die Ludwigsburger Grünen wollten das nicht hinnehmen und hatten einen Änderungswunsch eingereicht: verbunden mit der Forderung, dass die Stadt gegenüber dem Regionalverband deutlich machen soll, dass Ludwigsburg den Bau des Nordostrings ablehne.

Die Grünen befürchten, dass die Trasse ökologisch wertvolle Flächen durchschneidet und neuen Verkehr anzieht. Der Antrag allerdings hatte keinen Erfolg. CDU, Freie Wähler und SPD votierten für die „höchste Dringlichkeit“. Was das bedeutet? Erst einmal wenig. Die Entscheidung, ob der Ring gebaut wird, fällt nicht in Ludwigsburg und wohl auch nicht in Stuttgart, sondern in Berlin. Und momentan deutet alles daraufhin, dass erst einmal alles so weiter geht wie bisher: viel Gerede, wenig Aktion.

Die Autobahn soll breiter werden

Die A 81 zwischen Ludwigsburg-Nord und Zuffenhausen soll in beiden Richtungen auf vier Fahrspuren erweitert werden, um den Dauerstau in den Griff zu bekommen. Auch dieses Vorhaben erhält vom Regionalverband das Etikett: höchste Dringlichkeit. Anders als beim Nordostring gibt es in diesem Punkt keinerlei Widerspruch aus Ludwigsburg. Weil weiterhin unklar ist, wann das Land und der Bund mit den konkreten Planungen beginnen werden, sollen zuvor schon die beiden Standstreifen dahingehend ertüchtigt werden, dass sie von den Autofahrern genutzt werden können. Auch in diesem Punkt herrscht weitgehend Einigkeit. Sowohl der Regionalverband als auch die Stadt Ludwigsburg wollen das Projekt vorantreiben. Das Gleiche gilt für den Ausbau der A81 zwischen Ludwigsburg-Nord und Pleidelsheim.

Allerdings verbindet die Stadt ihre Stellungnahme mit einer Aufforderung: bei allen Ausbauplänen für die A81 sei „Lärmschutz dringend erforderlich“. Wo möglich, solle die Autobahn überdeckelt werden – auch diesen Wunsch wird die Stadt nun an den Regionalverband weiterleiten.

Comeback für den Favoritetunnel

Die CDU hat ein altes Projekt ausgegraben – und überraschend wiederbelebt: einen Tunnel unter dem Favoritepark. Die Röhre soll von der Karlstraße unter den Park und weiter bis zur Landstraße nach Freiberg geführt werden – und somit die Stadtteile Eglosheim und Hoheneck von Verkehr entlasten, außerdem Teile der B 27 obsolet machen und dafür sorgen, dass Schloss und Innenstadt wieder zusammenwachsen. Im Jahr 2001 war ein entsprechender Vorstoß der CDU im Sand verlaufen, und bis heute hat sich an den Positionen wenig geändert.

Grüne, SPD und die Stadtverwaltung lehnen das Vorhaben ab: wegen der unkalkulierbaren Kosten, der technischen Probleme, des fragwürdigen Nutzens. Die Abstimmung im Bauausschuss fiel dann auch denkbar knapp aus, aber mit den Stimmen der Freien Wähler sicherte sich die CDU eine hauchdünne Mehrheit. Und das bedeutet: Die Stadt muss jetzt beim Regionalverband beantragen, dass der Favoriteparktunnel in den Regionalverkehrsplan aufgenommen wird. Ob damit die Realisierungschancen tatsächlich steigen? Die CDU jedenfalls hat deutlich gemacht, dass sie den Tunnel wieder auf die Tagesordnung heben will.

Bus oder Stadtbahn?

Der Regionalverband will den schon lange geplanten Bau einer Stadtbahntrasse zwischen Remseck, Ludwigsburg und Markgröningen im neuen Regionalverkehrsplan verankern. Bekanntlich hat die Stadt Ludwigsburg aber unlängst beschlossen, auch andere Möglichkeiten zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs genauer prüfen zu lassen. Der Oberbürgermeister Werner Spec ist kein Anhänger der Stadtbahn, würde lieber Schnellbustrassen in und um Ludwigsburg bauen lassen. Angedacht ist auch eine Reaktivierung der Eisenbahntrasse zwischen Markgröningen und Ludwigsburg, eventuell auch eine neue Direktverbindung zwischen Ludwigsburg und Esslingen.

Angesichts der unübersichtlichen Gemengelage sind Grüne und SPD in Sorge, dass die Stadtbahn aus dem Fokus geraten könnte. Sie pochen darauf, dass alle Varianten parallel geplant und somit gleichrangig behandelt werden. Dieser Wunsch wurde nun schriftlich fixiert, und der darauf aufbauende Antrag fand im Bauausschuss eine breite Mehrheit. Das bedeutet: die Stadt Ludwigsburg übermittelt dem Regionalverband, dass der Bau der Stadtbahn höchste Dringlichkeit habe, erklärt aber, dass parallel dazu verschiedene Varianten vertieft untersucht werden.

Eine Autobahn für Radfahrer

Die Grünen haben dafür gesorgt, dass der Regionalverkehrsplan voraussichtlich um ein ganz neues Vorhaben ergänzt wird: um den Bau eines sogenannten Radschnellwegs von Bietigheim-Bissingen über Ludwigsburg nach Stuttgart. Ein entsprechender Antrag der Fraktion wurde im Bauausschuss mit großer Mehrheit angenommen, und deswegen wird die Stadt nun in Stuttgart vorschlagen, die Radautobahn als „regional bedeutsamen Verkehrsweg“ in den Regionalverkehrsplan aufzunehmen. Im Kern sollen Radschnellwege sicheres Radeln bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen, auch mit elektrisch angetriebenen Pedelecs. Dafür müssen die Trassen mindestens vier Meter breit und möglichst frei von Kreuzungen sein.

Die Grünen wollen, dass Ludwigsburg mit den Nachbarkommunen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gibt. In einer der nächsten Sitzungen wird sich der Bauausschuss noch einmal gesondert mit dem Projekt befassen. Auch über eine mögliche Strecke hat sich die Fraktion bereits Gedanken gemacht. Diese könnte, sagte der Stadtrat Markus Gericke, sich am Verlauf der B 27 orientieren, die ebenfalls von Bietigheim-Bissingen nach Stuttgart führt.

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