Ludwigsburger Stadträte probieren in Straßburg die Schnellbusse aus. Foto: Tim Höhn

Eine Delegation von Verwaltung und Stadträten aus Ludwigsburg reist nach Straßburg, um dort ein neuartiges Bussystem zu testen. Es könnte eine kostengünstige Alternative zur Stadtbahn sein.

Ludwigsburg - Seit Jahren wird in Ludwigsburg über eine Stadtbahn diskutiert, neuerdings sogar über den Bau einer Seilbahn. Man kann der Stadt nicht vorwerfen, dass sie bei der Lösung der Verkehrsprobleme nicht nach kreativen Lösungen sucht. Am Freitag ist eine Delegation mit Vertretern der Verwaltung und des Gemeinderats nach Straßburg gereist, um sich über ein neues System informieren zu lassen. Buses with High Level of Services (BHLS) heißt es und ist in Frankreich weit verbreitet.

Deutschland ist BHLS-Neuland, aber es könnte sein, dass Ludwigsburg die erste deutsche Stadt wird, die darauf setzt. „Für uns ist das sehr interessant“, sagte der Oberbürgermeister Werner Spec. „Es könnte eine Alternative zur Stadtbahn sein.“ Knapp 40 Mitglieder zählte die Delegation, die in Straßburg reichlich Bus fuhr. Nicht mit einem normalen Bus, sondern einer „Straßenbahn auf Reifen“ – so warb ein Vertreter der Straßburger Verwaltung für das BHLS-System.

Freie Fahrt für Schnellbusse

Das Charakteristische der Buses with High Level of Services: sie sind schnell. Sie fahren auf für sie reservierten Spuren, und wenn sie sich einer Ampel nähern, springt diese sofort auf Grün. Es gibt keine langen Standzeiten, Tickets müssen vor der Fahrt an Automaten gekauft werden.

Straßburg verfügt seit 20 Jahren über eine Straßenbahn, 2013 wurde das Netz erweitert, aber eben nicht auf Gleisen, sondern auf Beton. Denn eine neue Straßenbahn-Linie hätte 130 Millionen Euro gekostet, für die straßenbahnähnliche Buslinie wurden lediglich rund 30 Millionen fällig: für zehn Erdgasbusse, den Umbau von Straßen und Haltestellen. Auch die Wartung sei deutlich günstiger, versicherte ein Straßburger Verkehrsexperte.

Separate Spuren sind nötig

Nicht zuletzt die einfachere Umsetzung macht das System nun für Ludwigsburg interessant. Der Bau einer Stadtbahn, im Gespräch ist eine Durchbindung von Remseck über Ludwigsburg bis nach Markgröningen, erscheint zunehmend unrealistisch. Ein Teil des Stadtrats lehnt die in Stuttgart genutzte Hochflurvariante mit Hochbahnsteigen kategorisch ab, weil diese die Stadt verschandeln würde. Eine Insellösung mit Niederflurtechnik hält nicht nur die Verwaltungsspitze für nahezu undenkbar. Gut möglich, dass der Gordische Knoten mithilfe der Schnellbusse durchschlagen werden könnte. Die Mitglieder der Delegation zeigten sich überaus interessiert. Ein Haken der Busse ist indes, dass sie wesentlich weniger Passagiere befördern können als Stadtbahnen.

Das BHLS-System funktioniert zudem nur, wenn die Fahrzeuge zumindest auf weiten Teilen ihrer Strecke separate Spuren nutzen können. „Wo soll dafür der Platz in Ludwigsburg herkommen“, fragten folglich mehrere Stadträte. Der französische Experte hielt dagegen, dass sich die Situation auf den Straßen nicht verschlimmert habe. „Denn viele Leute, die vorher Auto gefahren sind, fahren heute Bus.“

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