Die Flüchtlinge, die in dem neuen Heim untergebracht werden, leben schon seit zwei Jahren in Deutschland. Foto: dpa

Die Stimmung war angespannt, ein Zuhörer rief „Volksverräter“ in den Saal: Die Ludwigsburger Stadträte haben sich im Gemeinderat auf den Bau eines neuen Flüchtlingsheims geeinigt. Die Bedenken vor Ort seien unnötig, sagte der Bürgermeister.

Ludwigsburg - Es ist ein Novum, dass sich Ludwigsburger Stadträte als Volksverräter beschimpfen lassen müssen. Aber nachdem die Gemeinderats-Debatte am Mittwoch beendet war, rief ein junger Mann eben diesen Begriff in den Saal, und auch einige andere Zuhörer taten ihren Unmut kund, wenn auch leiser. „Gottseidank sind nächstes Jahr Wahlen“, moserte ein etwas älterer Mann. Die Debatte, das zeigen die Äußerungen recht anschaulich, ist nicht so verlaufen, wie es sich zumindest ein Teil der Leute gewünscht hätte.

Denn die Stadträte haben mit großer Mehrheit entschieden, dass in Hoheneck ein Flüchtlingswohnheim gebaut wird. Am nördlichen Ende der Hackstraße sollen auf einem 1750 Quadratmeter großen Grundstück maximal 60 Plätze entstehen. In einem Cube, also einem seriell hergestellten Gebäude, in dem später einmal Studenten untergebracht werden könnten.

Die Suche nach einem geeigneten Standort dauerte ungewöhnlich lange

Vor einem Jahr hatte die Verwaltung schon einmal einen Standort in Hoheneck ins Spiel gebracht. Ohne zuvor mit den Bürgern gesprochen zu haben, schlug das Rathaus vor, einen Bolzplatz zu bebauen. Angesichts der misslungen Informationspolitik waren damals nicht nur die Bürger empört, sondern auch die Fraktionen im Gemeinderat. Inzwischen aber hat die Stadt die erste Idee verworfen, in Infoveranstaltungen vor Ort Alternativvorschläge gesammelt und 30 davon geprüft. Manchmal passte die Größe nicht, manchmal waren die Eigentumsverhältnisse schwierig, oft lagen die Grundstücke in Schutzgebieten – übrig blieb: nur die Hackstraße.

Und so betonten alle Fraktionen am Mittwoch, dass sie zwar Verständnis für die Skepsis mancher Anwohner hätten, dass es aber eben keine Alternative zu diesem Standort gebe. In die Anschlussunterbringung kommen Asylbewerber, die schon rund zwei Jahre in Deutschland sind und auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung hoffen dürfen. „Diese Menschen sind schon auf dem Weg, sich hier zu integrieren“, sagte Reinhardt Weiss von den Freien Wählern. Der Sozialbürgermeister Konrad Seigfried betonte, dass „bislang jedes neue Flüchtlingsheim Sorgen ausgelöst“ habe, die Bedenken aber stets unbegründet gewesen seien. Flüchtlinge und Ludwigsburger würden friedlich zusammenleben.

Die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen bleibt eine Herausforderung

Gleichwohl steht die Stadt vor einer Herausforderung. Der Kreis muss nur für die vorläufige Flüchtlings-Unterbringung sorgen und benötigt dafür immer weniger Plätze. Die Anschlussunterbringung aber ist Aufgabe der Kommunen. 430 weitere Flüchtlinge bekam Ludwigsburg für das Jahr 2018 zugewiesen, 2019 werden wohl noch einmal 200 hinzu kommen. Ludwigsburg will diese Menschen dezentral verteilen, in Einheiten mit maximal 60 Personen. Dass nun ein Heim in Hoheneck hinzu kommt, ist auf dieser Basis nur folgerichtig. „Hoheneck ist bei der Unterbringung von geflüchteten Menschen bisher unterrepräsentiert“, erklärt das Rathaus.

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