Jens und Joanna Priebe, ihre Mitarbeiterin Eva Kadigiannopoulou und Vanessa Herdeg (von links) teilen sich seit September eine Ladenfläche. Foto: Andreas Essig

Seit mehr als einem halben Jahr teilen sich das Liebes von Priebes und Love Luma in Ludwigsburg eine Ladenfläche. So gut wie es heute funktioniert, hat es nicht von Anfang an.

Am Anfang lief es etwas holprig, dann gab es einen „Knall“ und mittlerweile hat es sich eingespielt. Die Geschäfte Liebes von Priebes und Love Luma teilen sich offiziell seit Oktober vergangenes Jahr eine Ladenfläche in der Ludwigsburger Seestraße. Wie bei jeder Partnerschaft hat es eine Weile gedauert, bis sich alles eingespielt hat. Heute sind sie überzeugt, dass die geteilte Miete ein Zukunftsmodell sein kann – für die Verkäufer und die Kunden.

 

Mit dem Glück, in zentraler Lage eine große Ladenfläche zu bekommen, geht auch ein Risiko einher: Viel Platz, viele Produkte. Also entschließen sich Joanna und Jens Priebe im Sommer 2025, eine Anzeige zu schalten. „Wir möchten, dass die Zusammenarbeit harmonisch und produktiv verläuft und beide Parteien davon profitieren können“, sagte Joanna Priebe damals. Die Vorteile in einem „Shared Space“, also geteilten Platzangebot: geringere Kosten, eine vielfältigere Angebotspalette für Kunden und eine lebendige, dynamische Atmosphäre.

Wechselnde Produkte im Concept Store

Auf die Anzeige aufmerksam geworden ist Vanessa Herdeg. Die 30-Jährige verkauft seit 2024 selbstgemachte Kerzen auf Märkten – hauptsächlich in der Weihnachtszeit. „Als ich die Ladenfläche gesehen habe, war das direkt ein Wow-Effekt“, erzählt sie. Mit ihrem ersten Geschäft wollte sie einen Schritt weitergehen, mehr verkaufen als nur ihre Kerzen. Auf Instagram startet sie einen Aufruf: Suche kleine Labels von Kunsthandwerkern. Über Nacht gehen mehr als 100 Anfragen ein. Papeterie, Schmuck, Socken, Deko, Taschen: Die Aussteller mieten für vier, sechs oder zwölf Monate ein Regalfach, einen Platz auf der Stange oder Tischfläche. So wechseln die Produkte regelmäßig, „und die Kunden finden immer etwas Neues“, sagt Joanna Priebe.

Sie und ihr Mann Jens Priebe verkaufen seit 15 Jahren unter anderem Damen- und Kinderkleidung, Babyschalen, Sitzauflagen und Sonnensegel. Ein Teil ihrer Produkte wird unter fairen Bedingungen in der familieneigenen Näherei in Polen produziert. Mit der kleineren Ladenfläche haben sie entschieden, wofür künftig kein Platz mehr ist. „Bei Spielzeug gibt es viel Konkurrenz“, erklärt Joanna Priebe und fast den Auswahlprozess zusammen: „Man muss sich auf das beschränken, was gut läuft.“

„Das ist wie in einer WG“

So einleuchtend heute die Vorteile der Partnerschaft sein mögen, so langwierig waren die Verhandlungen. Mit dem Messstock wurde die Ladenfläche ausgemessen, geprüft, inwiefern sich das Sortiment überschneidet, Regeln aufgestellt, damit wirklich beide Parteien Vorteile daraus ziehen. „Das ist wie in einer WG, allein schon bei der Entscheidung, wer putzt“, sagt Joanna Priebe. Am Anfang hätten sich die Vorstellungen erst annähern, die Arbeitsweisen anpassen müssen. Gerade in der Weihnachtszeit als Vanessa Herdeg viel auf Märkten verkauft habe, seien alle am Limit und noch Fremde füreinander gewesen.

Jens und Joanna Priebe verkaufen in ihrer Hälfte unter anderem Kleidung für Kinder und Erwachsene, Sitzauflagen, genähte Buchstaben-Kissen. Foto: Andreas Essig

Zwischen den Besitzern liegen 20 Jahre Altersunterschied. „Joanna ist bodenständig und erfahren und ich bin der Jungspund. Ich bin schnell Feuer und Flamme und will alles direkt umsetzen“, erzählt Herdeg lachend. „Vor 20 Jahren war ich wie sie, man wird gelassener“, erwidert Joanna Priebe.

Mittlerweile würde beide Seiten die Entlastung bemerken, finanziell und personell. So müsse man nicht mehr sechs Tage im Laden verbringen – „und hat auch wieder Zeit für anderes, was man als Soloselbstständiger häufig wenig hat“, sagt Herdeg. Auch aus der Kundschaft kämen positive Rückmeldungen. Während der Umbauarbeiten seien Joanna und Jens Priebe häufig gefragt worden, ob sie den Laden schließen und es damit vielen ehemaligen Nachbarn in der Seestraße gleichtun. Mittlerweile hat sich das Konzept mit Stammkunden jedoch etabliert.

Weitere geteilte Ladenmiete

Die Idee einer geteilten Ladenmiete ist nicht neu. Seit September 2024 teilen sich Brunhilde Schreijäg und Claudia Fuchs – die Betreiberinnen des Fair-Fashion-Geschäfts „Beyavista“ – und des Schuhgeschäfts „Bauer Schuhe“ eine Ladenfläche an der Ecke Körner/Asperger Straße. Brunhilde Schreijägs Mietvertrag lief aus, Claudia Fuchs Miete stieg, also fanden sie im Gespräch gemeinsam eine Lösung.

Bauerschuhe und Beyavista teilen sich schon seit September 2024 die Ladenfläche. Foto: Simon Granville

Wichtig, damit diese Art der beruflichen Partnerschaft funktioniert: Die Produkte müssen sich ergänzen und es muss menschlich passen. Für den Citymanager Markus Fischer vom Ludwigsburger Innenstadtverein Luis ist die geteilte Ladenmiete ein Konzept mit Zukunftspotential. „In Ludwigsburg sind die Mieten recht hoch, Vermieter können praktisch verlangen, was sie wollen“, berichtet er. Darüber hinaus könnten sich Einzelhändler Marketingkosten teilen – und würden bei schlechtem Wetter und wenig Kundschaft nicht allein im Laden sitzen. „Es ist trotzdem nicht für alle das Richtige“, sagt Fischer. „Eine geteilte Laden- und Lagerfläche ist auch mit Einschränkungen verbunden.“