Die Liste mit 1400 Unterschriften wurde am Mittwochabend übergeben. Foto: Simon Granville

Die Stadt Ludwigsburg macht eigentlich schon viel für den Klimaschutz. Bei Weitem nicht genug, sagt nun eine Bürgerinitiative und will einen Antrag für mehr PV-Anlagen in den Gemeinderat einbringen.

Kann die Stadt Ludwigsburg ihr Ziel erreichen, bis 2035 klimaneutral zu werden? Nein, glaubt die Klimaschutzinitiative Ludwigsburg Zero. Zero, also Null, steht für die null CO2-Emissionen, die die Initiative fordert. Um die Forderung zu unterstreichen, wurden Unterschriften gesammelt – 1400 sind es geworden. Die Liste hat die Initiative am Mittwochnachmittag an Oberbürgermeister Matthias Knecht und Baubürgermeisterin Andrea Schwarz übergeben. Zuvor gab es auf dem Rathaushof eine Demonstration, um die Forderung nach mehr Photovoltaikanlagen zu unterstreichen.

 

Demokratischen Willen gezeigt

Als „ein klares Zeichen für das Engagement unserer Gemeinschaft für den Klimaschutz und die nachhaltige Zukunft unserer Stadt“ werteten Verantwortliche der Initiative die Vielzahl an Unterschriften. „Die Übergabe der Unterschriften markiert nicht nur unsere Entschlossenheit, sondern auch den demokratischen Willen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger für eine nachhaltige Energiezukunft“, betonten sie.

Stadt sieht sich als Vorreiter beim Klimaschutz

Nun sieht sich Ludwigsburg gern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Bereits im Herbst letzten Jahres hatte der Gemeinderat das Ziel beschlossen, bis 2035 klimaneutral zu sein. „Damit orientiert sich die Stadt Ludwigsburg am 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens und der Netto-Treibhausgasneutralität“, heißt es seitens der Stadt. Im Frühjahr wurde Ludwigsburg dafür vom Land Baden-Württemberg als einer der Gewinner des kommunalen Förderwettbewerbs „Auf dem Weg zur Klimaneutralität“ ausgezeichnet und erhielt als Modellkommune Fördergelder in Höhe von zwei Millionen Euro.

Sie sollen über drei Jahre hinweg möglichst effektiv für ausgewählte Projekte aus dem Klimaneutralitätskonzept eingesetzt werden. Dabei komme es auf den vollen Einsatz aller an, hatte der OB damals betont: „Politik, Verwaltung, Wirtschaft und nicht zuletzt der Bürgerschaft.“ Dementsprechend signalisierte Knecht bei der Listenübergabe vor dem Rathaus auch seine Bereitschaft zum Dialog: „Wir haben viel Wertschätzung für die Initiative und sind grundsätzlich im Ziel, die Photovoltaik zu stärken, vereint“, erklärte er. Allerdings: „Wir müssen sparen und schauen, was möglich ist.“

Eine der Maßnahmen der Stadt, um den Energieverbrauch im Gebäudesektor zu reduzieren, ist der sogenannte Klimabonus, ein städtisches Förderprogramm, das laut Schwarz „auch eine sehr interessante Förderung für einkommensschwache Haushalte beinhaltet.“ Doch auch die kommunale Wärmeplanung soll vorangetrieben werden.

Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft

Alles nicht genug, findet Farina Hasak, eine der Gründerinnen der Bürgerinitiative. Zugleich mit den Unterschriften wurde ein Einwohnerantrag übergeben – ein Novum in der Barockstadt. Nun wird geprüft, ob die Unterschriften alle gültig sind. Falls ja, wird der Antrag, in dem eine Verdreifachung der Photovoltaikanlagen auf dann 60 Prozent des Dachflächenpotenzials in der Stadt gefordert wird, dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt.

Photovoltaik soll attraktiver werden

„Wir wollen, dass vor allem private Haushalte mehr ermuntert werden“, sagte Hasak. „Da gibt es noch viel Skepsis. Photovoltaik soll für sie attraktiver sein.“ Dabei denkt sie auch an Mieter oder Wohnungseigentümergemeinschaften. „Da kann die Stadt neue Anreize schaffen.“ Allerdings hatte die Baubürgermeisterin bereits im Frühjahr deutlich gemacht, dass das ohne eine erhebliche Verbesserung der finanziellen Bedingungen für die Kommunen nicht möglich sei.

Hasak sieht aber auch Bedarf darin, die Beratung in Sachen Photovoltaik seitens der Stadt zu verbessern, bringt die Möglichkeit von Solar-Genossenschaften ins Gespräch und sagt, auch Industriedächer sollten mit einbezogen werden. „Man könnte die Stadtwerke dazu verpflichten, Dächer zu pachten, um darauf PV-Anlagen zu installieren.“