Vor allem Frauen und Kinder kommen – wie hier in Berlin – derzeit aus der Ukraine an. Im Kreis Ludwigsburg ist ihre Zahl derzeit überschaubar. Foto: dpa/Fabian Sommer

Durch Ludwigsburg und den Kreis rollt derzeit eine Welle der Solidarität. Das Angebot übersteigt die Nachfrage bei Weitem.

Ludwigsburg - Mit bis zu 225 000 Flüchtlingen aus der Ukraine rechnen die Behörden in Deutschland bislang – vielleicht werden es auch mehr. Wie sieht es mit deren Versorgung im Kreis Ludwigsburg aus?

 

Wie viele Flüchtlinge sind bislang im Kreis Ludwigsburg angekommen? Stand Freitagnachmittag können weder die Stadt noch das Landratsamt eine genaue Auskunft darüber geben, wie viele Flüchtlinge im Kreis angekommen sind. „Allerdings erreichten uns in den vergangenen Tagen bereits einige Hinweise, dass Geflüchtete bei ihren Familien und Freunden untergebracht wurden“, teilt ein Sprecher des Landkreises mit. In Ludwigsburg sind bislang 130 Menschen aus den Kriegsgebieten eingetroffen. In den nächsten Tagen will der Kreis bei den Kommunen nachfragen, um einen Überblick zu bekommen.

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Wie sieht es mit privaten Hilfsangeboten aus? Gut, um nicht zu sagen phänomenal. Die Spenden- und Aufnahmebereitschaft in und um Ludwigsburg ist riesig, wie die Pressestelle der Stadt mitteilt. Die Menschen wollen sowohl denjenigen helfen, die die Ukraine verlassen, als auch diejenigen unterstützen, die zurück in ihr Land gehen, um im Krieg zu kämpfen. Unzählige Menschen haben sich in den vergangenen Tagen beim Fachbereich gesellschaftliche Teilhabe, Soziales und Sport in Ludwigsburg, der die Angebote mit den Stadtwerken und der Feuerwehr bündelt, gemeldet. Am Freitag ist eine Aktion der jungen Liberalen auf dem Ludwigsburger Marktplatz beispielsweise völlig überrannt worden. Die Aktion musste vorzeitig beendet werden, nicht alle Spenden konnten angenommen werden.

Was brauchen die Menschen? In erster Linie brauchen die Geflüchteten einen Unterschlupf. Sachspenden sind erst einmal zweitrangig, sagt Raphael Dahler, der den Fachbereich gesellschaftliche Teilhabe, Soziales und Sport leitet. Darauf hätten auch die meisten Hilfsorganisationen hingewiesen. „Geld sollten die Leute am besten an das Aktionsbündnis Deutschland Hilft spenden“, sagt Dahler.

In Ludwigsburg übersteigt das Angebot an Wohnungen den Bedarf bei Weitem. Die Stadt weiß von 30 Personen aus der Ukraine, die in Gästezimmern, Einlieger- oder leer stehenden Wohnungen in der Barockstadt untergekommen sind. 120 weitere Personen könnten in weiteren 50 Unterkünften beherbergt werden. „Die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine ist überwältigend“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht. „Alle melden sich, um das Leid zu lindern, Trost zu spenden und zu helfen, wo immer es möglich ist. Das ist sehr berührend und macht Mut.“ Es gehe darum, die Flüchtenden „pragmatisch und unkompliziert zu unterstützen“, so Knecht. Dafür stimmt sich der Krisenstab im Rathaus, dem er vorsitzt, mit dem Landkreis, zivilgesellschaftlichen Initiativen, Kirchen und sozialen Trägern ab.

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Wer entscheidet, wo die Flüchtlinge unterkommen? Da das Angebot die Nachfrage momentan bei Weitem übersteigt, können sich Familien selbst aussuchen, wo sie erst einmal unterkommen möchten. Viele entscheiden sich für ihre Verwandten in Deutschland oder im europäischen Ausland. Bislang ist noch keine ukrainische Familie in einer Flüchtlingsunterkunft des Landkreises eingezogen. Dort stünden derzeit noch 150 Betten zur Verfügung, teilt die Pressestelle mit. Dort kommen zurzeit vor allem Menschen aus anderen Ländern unter. Die Kapazitäten könnten aber relativ schnell „angepasst werden“, heißt es weiter.

Wie werden die Unterkünfte von Privatpersonen kontrolliert? Gar nicht. Als Teil des Netzwerks „Sichere Häfen“ habe man sich mit dieser Frage natürlich auseinandergesetzt, sagt Dahler. Dass Schindluder getrieben werde, „dieses Risiko kann man nicht wegwischen“, sagt er. Allerdings habe man sich dafür entscheiden, um die Menschen, die nun Hilfe anböten, nicht zu kränken. Die Verwaltung will sich bei den Geflüchteten erkundigen, sobald die in ihrem neuen Heim angekommen sind, ob alles geklappt hat.

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Mit wie vielen Flüchtlingen ist noch zu rechnen? „Wegen der dynamischen Lage stehen uns derzeit keine Prognosen zur Verfügung, wie viele Geflüchtete aus der Ukraine im Kreis untergebracht werden“, teilt der Kreis dazu mit. „Weil wir auch Menschen haben, die in die Ukraine fahren und ihre Verwandten direkt von der Grenze abholen, können wir das überhaupt nicht abschätzen“, sagt Dahler.

Wie lang ist die Unterbringung geplant? Wenn das Land dem Kreis Flüchtlinge zuweisen sollte, muss er diese zunächst für ein halbes Jahr unterbringen.

Wo gibt es Informationen? Die Angebote aus der Bevölkerung bündelt das Rathaus auf der Homepage unter www.ludwigsburg.de/ukraine. Auskunft gibt es außerdem unter 07 141 / 910 45 14. Fragen und Anregungen können zudem per Mail an fluechtlingsarbeit@ludwigsburg.de gerichtet werden.