Das Wüstenrot-Hochaus liegt auf Ludwigsburger Markung, der neue Campus des Unternehmens entsteht auf Kornwestheimer Seite. Gestritten wird vor allem über den Verkehr. Kornwestheim würde gern den sogenannten GdF-Knoten umbauen lassen, aber Ludwigsburg hat Angst vor der Verkehrslawine, die künftig auf den Campus zurollen wird Foto: Kuhnle

Ludwigsburg und Kornwestheim ringen um die Verkehrsführung im Umfeld der riesigen neuen W&W-Zentrale. Doch die Zusammenarbeit wird schwieriger als erwartet, denn die Barockstadt misstraut dem kleineren Nachbarn.

Kornwestheim/Ludwigsburg - Gemeinschaft der Freunde – so lautete einst bei der Gründung im Jahr 1921 der offizielle Name der Wüstenrot-Bausparkasse. Das weiß heute fast niemand mehr, aber das Kürzel GdF hat in Ludwigsburg überlebt: als Bezeichnung für die Kreuzung vor dem Wüstenrot-Hochhaus am südlichen Stadtrand. An diesem sogenannten GdF-Knoten treffen mehrere Straßen aufeinander: Ludwigsburger Straße, Hohenzollernstraße, Salonallee. Von dort kommt man schnell zur B 27 oder nach Kornwestheim.

Als Symbol der Freundschaft taugt das Ganze allerdings zurzeit eher nicht, im Gegenteil: Der Knoten wird zum Zankapfel, und das liegt, Ironie der Geschichte, an Wüstenrot. Das Unternehmen baut sich ­gerade in Kornwestheim eine schicke neue Zentrale, bis 2023 entsteht ein Campus für mehr als 4000 Mitarbeiter. Es ist ein Megaprojekt, das in Ludwigsburg schon länger kritisch beäugt wird. Auch weil das Unternehmen seine Millionen nicht in der ­Barockstadt verbuddelt, sondern direkt hinter der Markungsgrenze.

Ludwigsburg hat Angst vor der Verkehrslawine

Vor allem aber, weil der Gemeinderat und viele Anwohner Angst vor der Verkehrslawine haben, die in Zukunft täglich auf den Campus zurollen wird. „Die 4000 Arbeitsplätze in Kornwestheim dürfen nicht über Ludwigsburg abgewickelt werden“, warnte jüngst der CDU-Stadtrat Reinhold Noz im Ludwigsburger Bauausschuss. „Wir haben hier genug Verkehr.“ Im Vergleich dazu befinde sich „Kornwestheim auf einer Insel der Seligen“.

Tatsächlich hat der kleine Nachbar ­große Pläne. In Kürze beginnen die Arbeiten zur Neugestaltung der verlängerten Hohenzollernstraße östlich des neuen Campus. Die Zufahrt zum Firmengelände wird über einen Kreisverkehr geregelt. Den GdF-Knoten weiter nördlich würde Kornwestheim ebenfalls gerne umbauen, aber der liegt auf der Ludwigsburger Gemarkung – und da beginnen die Probleme. Zwar ist auch der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk überzeugt, dass der Ortseingang eine Kur benötigt, denn: „Wenn auf der Kornwestheimer Seite alles neu und schön gemacht wird und auf unserer Seite nicht – das kann es ja nicht sein.“ Aber wie diese Kur aussehen soll, konnte Ilk im Bauausschuss nicht beantworten. Ein Ziel könnte sein, die Alleen im Umfeld „stärker herauszuarbeiten“, sagte er. Eventuell könnten auch einige Straßenabschnitte zurückgebaut werden. Mehr Grün – auch das sei eine Idee.

Kornwestheim versucht den Nachbarn zu beruhigen – mit mäßigem Erfolg

Konkret ist das alles nicht, und in Kornwestheim ist man da wesentlich weiter. Die Stadt will eine direkte Busverbindung vom Kornwestheimer Bahnhof zum W&W-Areal schaffen. Dafür müssen die Busse am GdF-Knoten eine Spitzkehre machen, was wegen der beengten Verhältnisse dort heute nicht möglich ist. Auch die Fußgänger- und Radwegeverbindungen an der Stelle sollen verbessert werden.

Denn ein Teil der Wüstenrot-Angestellten wird weiterhin in Ludwigsburg arbeiten, allein das Hochhaus dort bietet Platz für 700 Mitarbeiter. Viele dieser Leute werden mittags zur neuen Kantine auf dem Campus pendeln. Am besten zu Fuß oder mit dem Rad, aber noch sind die Wege rund um den GdF-Knoten wenig attraktiv. Es gehe also lediglich darum, den Knoten funktional umzugestalten, erklärt der Kornwestheimer Bürgermeister Daniel Güthler. „Unser Ziel ist nicht, dass darüber mehr Verkehr abgewickelt wird. Dazu besteht gar keine Notwendigkeit.“

Ein Gutachten soll Klarheit bringen

Das heißt: Der Knoten soll fit gemacht werden für Busse, nicht aber für Lastwagen. Und der Umbau soll außerdem nicht dazu führen, dass dort in Zukunft mehr Autos fahren. „Das geht doch alles gar nicht“, sagt Noz. Auch andere Fraktionen sind misstrauisch und weisen darauf hin, dass W&W zwei neue Parkhäuser gebaut hat. Die Sorge ist, dass die Mitarbeiter die Garagen über die Hohenzollernstraße und den GdF-Knoten ansteuern – mithin durch Ludwigsburg und durch ein Gebiet fahren werden, das sowieso unter viel Verkehr leidet. „Kornwestheim expandiert immer weiter nach Norden, das müssen wir beachten“, warnte Wilfried Link, ebenfalls CDU.

Die Christdemokraten haben jetzt einen Antrag im Rathaus eingereicht, in dem sie ein externes Gutachten fordern „zum Beurteilen der Verkehre, die durch W&W verursacht werden“. Bevor dieses Gutachten nicht vorliege, sollen „keinerlei Baumaßnahmen und Veränderungen am Kreuzungsbauwerk bei Wüstenrot vorgenommen werden“, heißt es darin. Angesichts der Skepsis in den Ludwigsburger Gremien gegenüber den Plänen in Kornwestheim ist es sehr wahrscheinlich, dass der Antrag eine Mehrheit finden wird.

Ein schneller Umbau des GdF-Knotens wäre dann vom Tisch – sehr zum Ärger der Nachbarstadt, die so schnell wie möglich loslegen will, dann aber erst einmal entscheiden müsste, ob sie sich an den Kosten für das Gutachten beteiligt. Denn auch das wird in dem Antrag gefordert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: