Im Namen der Anwohner? Foto: factum/Bach

In Ludwigsburg gibt es noch immer Straßen, die nach Personen benannt sind, die in die Machenschaften der Nazis oder des wilhelminischen Kaiserreichs verstrickt waren. Doch die Stadt tut sich schwer mit diesem unseligen Erbe. Eine neue Expertenkommission soll das leidige Thema wieder aufrollen.

Ludwigsburg - In Ludwigsburg gibt es noch immer Straßen, die nach Personen benannt sind, die in die Machenschaften der Nazis oder des wilhelminischen Kaiserreichs verstrickt waren. Doch die Stadt tut sich schwer mit diesem unseligen Erbe. Der Versuch, Namen wie Hindenburg, Heinkel oder Carl Diem aus dem Stadtbild zu verbannen, scheiterte 2015nach jahrelanger Debatte am Einspruch der CDU und der Freien Wähler. Doch die Grünen gaben nicht auf: Sie forderten eine Expertenkommission, die nach weiteren Personen mit Nazi-Verstrickung forschen sollen. Diese hat jetzt ihre Arbeit aufgenommen.

Drei Ludwigsburger mit historischem Verständnis

„Die Stadtverwaltung hat dafür drei Historiker angesprochen, die nicht nur die fachlichen Anforderungen erfüllen, sondern auch im Ludwigsburger kommunalpolitischen Kontext als neutral gelten können“, teilt Stadtsprecherin Susanne Jenne mit. Wer sich dahinter verbirgt, solle jedoch erst bekannt gemacht werden, wenn erste Ergebnisse der Nachforschungen vorliegen. Klar sei, dass die drei eng mit dem Stadtarchiv zusammenarbeiten werden.

Während die meisten Stadträte die neue Kommission willkommen heißen, lehnt sie Klaus Herrmann strikt ab. „Die ist vollkommen überflüssig“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Denn nicht nur die Suche nach weiteren Gestalten mit unsauberer Vergangenheit mache keinen Sinn, auch die Umbenennung von Straßen, bei denen man bereits weiß, dass die Namensgeber Unrühmliches getan haben, sei unnötig. „Das ist wie eine zweite Entnazifizierung, und die brauchen wir nicht“, schimpft Herrmann.

Ob sich einer schuldig gemacht habe, sei meist eine Frage des Standpunkts, meint Herrmann. Da widersprächen sich in vielen Fällen auch die Historiker. „Und wenn man die Bürger befragt, wollen das die meisten nicht.“ Im Übrigen gehörten auch die Fehler der Vergangenheit zur Geschichte. Die Mehrheit der Räte aus den Reihen von CDU und Freien Wählern hält es für übertrieben, dass man deshalb Bürgern eine Adressänderung zumutet.

Karl-Peters-Straße noch immer nicht umbenannt

Nur von einem dieser schweren Erben wollten sich die Ludwigsburger befreien: Karl Peters, nach dem noch immer eine kleine Straße in Eglosheim benannt ist. Der Mann, der später den Schimpfnamen „Hängepeters“ erhielt, hatte in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts versucht, Ostafrika durch die private „Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft“ zu beherrschen. Was zu einem ersten Aufstand führte. Schließlich übernahm das Deutsche Reich dort die Kontrolle. 1891 wurde Peters zum Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet ernannt. Sein grausames Vorgehen gegen die Einheimischen – er ließ viele von ihnen öffentlich aufhängen – führte zu einem zweiten Aufstadt. Peters wurde unehrenhaft entlassen.

Der Ludwigsburger Gemeinderat hat im Juli 2015 beschlossen, die Karl-Peters-Straße umzubenennen. Passiert ist seither aber nichts.

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