Die Nachfrage nach Kinderbetreuung wächst – und damit die nach Erzieherinnen. Foto: dpa

Erst fehlten die Betreuungsplätze, jetzt die Erzieherinnen: Der Ludwigsburger Fachbereich Familie will neue Anreize bieten. Das wird teuer.

Ludwigsburg - Ludwigsburg sucht händeringend nach qualifizierten Erzieherinnen. „Momentan ist alles auf Kante genäht“, sagte Daniel Bauer vom Fachbereich Bildung und Familie, als er dem Sozialausschuss die aktuellen Zahlen präsentierte. Die Personalnot ist so groß, dass im Sommer sogar ein Aufnahmestopp für die Tagesstätte Hartenecker Höhe ausgesprochen werden musste. Allerdings gehe es der Barockstadt damit, wie den meisten anderen Kommunen in der Region auch.

„Wir haben jede Menge Bewerbungen laufen“, sagt Bauer, der neue Leiter der Abteilung Kinder und Familie im Rathaus. „Wir blocken uns dafür auch jede Woche zwei Termine.“ Doch das Ende vom Lied: „Viele Bewerberinnen kommen gar nicht, und die meisten sagen die Gespräche auch nicht einmal mehr ab.“ Erzieherinnen seien überall gefragt, sie könnten sich aussuchen, wo und zu welchen Bedingungen sie sich in einer Kita verpflichteten.

Beschäftigte die Stadt Ludwigsburg im Jahr 2012 noch 158 pädagogische Fachkräfte, so sind es 2017 bereits 226. Aber auch diese Zahl reicht nicht. Darum hat der Fachbereich jetzt eine Arbeitsgruppe Personal ins Leben gerufen. Deren Aufgabe werde es sein, Mittel und Wege zu finden, um aus dieser Misere herauszukommen.

„Haben andere Träger bessere Leistungen als wir zu bieten?“, wollte Andreas Rothacker (FW) wissen. Im Grunde gelte überall der gleiche Tarifvertrag, sagte Bauer. Andere Träger seien keine Konkurrenz. Allerdings werde in manchen Städten an Modellen gebastelt, die die Stellenangebote versüßen sollen. Auch in Ludwigsburg sei man einen Schritt auf die Erzieherinnen zugegangen, indem man den Auszubildenden eine Arbeitsplatzgarantie für ein Jahr in Aussicht gestellt habe – sofern sie bei der Abschlussprüfung gut abschneiden.

Übermäßig verlockend sei das aber nicht, meinten die Stadträte. Sozialbürgermeister Konrad Seigfried verwies auf den Personalplan: „Wir haben die Stellen nicht. Wenn wir diese Praxis ändern, produzieren wir neue Personalkosten.“ Eberhard Daferner (SPD) plädierte für entfristete Stellen. Elfriede Steinwand (Grüne) meinte, das Thema müsse bei den anstehenden Haushaltberatungen ganz oben auf der Liste stehen. „Wenn wir so an die Wand stoßen, wie jetzt, wird es nötig werden“, sagte Seigfried.

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