Die Aufenthaltsqualität am Bahnhof hält sich in Grenzen. Mit einer zweiten Gleis-Unterführung (1), der Umnutzung des Franck- (2) und Kepler-Areals (3), dem Umbau des Busbahnhofs (4) und der Errichtung eines Fahrrad-Parkhauses (5) soll sich das ändern. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Ob Busbahnhof, Schiller-Parkhaus, Franck- oder auch Kepler-Areal: Rund um den Verkehrsknotenpunkt in Ludwigsburg wird sich in den nächsten Jahren viel verändern.

Ludwigsburg - Das Gelände rund um den Bahnhof in Ludwigsburg steht vor einer Veränderung. Ob per Neubau, Umbau, Sanierung und Umnutzung – angedacht sind mehrere Projekte, die das Areal in den nächsten Jahren spürbar aufwerten sollen.

 

1 Zusätzliche Gleis-Unterführung Eine zweite Unterführung als Verbindung zwischen der West- und Ostseite des Bahnhofs und zur Entzerrung des Passagieraufkommens ist bereits länger im Gespräch. Im Haushalt 2021 ist eine Planungsrate verankert – noch müssen aber die wirkliche Bedeutung und die Zuständigkeit definiert werden. Erste Gespräche zwischen der Bahn und dem Stadtplanungsamt fanden statt, bislang ging es aber eher um eine Ertüchtigung der bestehenden Unterführung. Beim zusätzlichen Projekt ist Zögern angesagt.

Der Grund: Abgewartet wird eine Analyse der Bahn über künftig zu erwartende Fahrgastzahlen. Mit dem Ergebnis wird im Frühjahr gerechnet, und es dürfte eine große Rolle in der Frage spielen, wer zu welchen Teilen für die Kosten von 18  Millionen Euro für eine zweite Unterführung aufzukommen hat. Gerade wenn die Fahrgastzahl deutlich steigen sollte, sieht die Stadt die Bahn in der Pflicht. „Es geht für den Infrastrukturbetreiber darum, den Betrieb sicherzustellen. Auch unter dem Aspekt der Sicherheit. In der Rolle sehe ich die Bahn“, sagt Oberbürgermeister Matthias Knecht.

Da das Ergebnis aussteht, stellte die Stadt bislang keinen Fördermittelantrag. Auch ist aus diesem Grund keine Rate im neuen Haushalt verankert. „Das passiert frühestens 2023“, sagt Knecht. Erst werde es weitere Gespräche geben. Die dürften spannend werden. Denn die Bahn sieht bislang die Stadt als Kostenträger. Eine Sprecherin teilt mit: „Unterführungen werden im Gesetz über Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen behandelt. Und das sogenannte Eisenbahnkreuzungsgesetz sieht in diesem Fall keine Kostenbeteiligung der DB vor.“

Unklar ist auch noch die Art der technischen Umsetzung. Möglich ist ein Tunnelbau als Ersatz für den vom ZOB über die Gleise führenden Francksteg. „Denkbar ist es aber auch, den Steg zu ertüchtigen“, sagt Baubürgermeisterin Andrea Schwarz.

2 Franck-Areal Apropos Franck: Das Areal zwischen Bahnhof und MHP-Arena soll belebt werden. Im Rathaus, inzwischen Eigentümer eines Teils des Geländes, stellt man sich nicht nur mehr Aufenthaltsqualität, sondern einen Mix aus Arbeitsplätzen, Lagerfläche, Platz für Start-ups, Bildung, Kultur, Sport, Gastronomie und – falls machbar – Wohnen vor. „Mit dem Wohnen hätten wir auch Leben, wenn die Läden geschlossen sind. Das dient auch der sozialen Kontrolle, und das fehlt am Bahnhof bislang“, sagt Andrea Schwarz. Für den Bereich Wohnen wird derzeit ein Lärmgutachten erstellt.

Von fünf bis acht Jahren bis zum Übergang in die neue Nutzung spricht Knecht. Bis dahin sind Zwischennutzungen angedacht. Dann kann getestet werden: Was ist gefragt? Was kommt an? Parallel soll ein städtebaulicher Wettbewerb die langfristige Lösung bringen. Mit Vorschlägen hierzu will die Stadt im ersten Quartal 2022 auf den Gemeinderat zukommen. Der Umbau wird dann aufwendig. Die verwinkelten, teils denkmalgeschützten Gebäude müssen auf Vordermann gebracht werden. Nicht nur beim Brandschutz und bei der Elektrik. „Wir haben nur im Gebäude an der Pflugfelder Straße eine Heizung. Die anderen Gebäude wurden durch die Produktionswärme geheizt“, sagt Schwarz. Einzelne Gebäude sollen auch abgetragen und neu gebaut werden.

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3 Kepler-Areal Das Lärmgutachten fürs Franck-Areal wird auch fürs nahe, brach liegende Kepler-Areal erstellt. Hier soll ein Hochhaus vor allem Büros, aber womöglich auch Wohnungen Platz bieten. OB Knecht schwebt vor, dass das Gebäude der Standortsicherung von Ludwigsburger Unternehmen dient – als Firmensitz. Bei Gesprächen stieß er auf Interesse. „Es gibt hier ein hohes Bedürfnis. Auch die Corona-Lage und die Frage, wie viele Mitarbeiter künftig im Homeoffice arbeiten, ändern daran nichts.“ Welche Fläche auf dem Grundstück, das Matthias Knecht als „eines von fünf Filetstücken in der Stadt“ bezeichnet, genau nutzbar ist, wurde zuletzt in Gesprächen mit der Bahn und umliegenden Eigentümern erörtert. Eine Lösung soll nun ebenso per städtebaulichem Wettbewerb erarbeitet werden.

4 Zentraler Omnibusbahnhof Von 2023 an werden die Haltstellen – wie vorgeschrieben und in anderen Teilen der Stadt bereits umgesetzt – für mehr Barrierefreiheit umgebaut. Im nächsten Planungsschritt soll der Ablauf der bis 2026 bestehenden Baustelle skizziert werden. „Hier spielen neben den Bussen auch der Autoverkehr, die Taxen, die Radfahrer und die Fußgänger mit rein“, sagt Andrea Schwarz.

Autofahrer auch deshalb, weil zeitgleich der unter dem ZOB entlang führende Autotunnel saniert wird. „Die Wände müssen abgedichtet werden. Es bietet sich daher an, das in einem Zug mit dem Busbahnhof anzugehen.“ So gesehen sei die Dringlichkeit beider Projekte eine „gute Fügung“. Wenn auch nicht für die klamme Stadtkasse. 

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5 Fahrradparkhaus Schiller Da die Stellfläche für Fahrräder seitlich vom Bahnhofseingang gekündigt wurde, braucht es eine Alternative. Die stellt das nahe Schiller-Parkdeck der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim dar. Hier werden alle öffentlichen Auto-Parkplätze ersetzt, sodass 700 Räder Platz finden. Laut Stadtwerke-Sprecherin Astrid Schulte wird der Bauantrag für die Umnutzung im ersten Quartal 2022 eingereicht – die Bauzeit soll nach der Genehmigung 15 Monate betragen. „Das Untergeschoss mit den vermieteten und abgeschlossenen Stellplätzen bleibt erhalten. Die oben entfallenden Stellplätze werden durch die Parkhäuser Bahnhof und MHP-Arena aufgefangen“, teilt Schulte mit.

Geschaffen werden soll ein zweiter Zugang Richtung Bahnhof. Gesucht wird derweil eine Lösung, wie man per Rad besser von der einen auf die andere Gleisseite gelangt.