Der Airbus H145 – der neue Helikopter ist nicht in Pattonville gelandet. Foto: Airbus

Die pompöse Präsentation des modernen Hubschraubers H 145 auf dem Flutplatz in Patonville wird abgesagt – wegen der Vorschriften.

Pattonville - Eigentlich hatte sich die Polizeihubschrauberstaffel des Landes Baden-Württemberg für den 12. Juli etwas ganz Spezielles überlegt: Auf dem Pattonviller Flugplatz sollte am Vormittag das neueste fliegende Gerät präsentiert werden. Ein Helikopter des Typs Airbus H145, das Modernste des Modernen. Unter anderem hätte auch der Ludwigsburger Polizeipräsident Frank Rebholz zugegen sein sollen, um sich ein Bild der neuen Hi-Tech-Maschine zu machen.

Doch so einfach, wie sich die Polizeihubschrauberstaffel das vorgestellt hatte, war es eben nicht. Am Ende wurde die Veranstaltung in Gänze verlegt.

Denn die Starts und Landungen auf dem Pattonviller Flugplatz sind strikt begrenzt. „In der Flugplatzgenehmigung ist der Rettungshubschrauber als einziger hier fliegender Helikopter festgehalten“, sagt Frank Lehmann, Vorstandssprecher der Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville. Gehe die Polizei hoheitlichen Aufgaben nach, also etwa der Verfolgung von Verdächtigen, dürfe der Hubschrauber auch in Pattonville landen. „Sogar in jedem Vorgarten“, so der Fliegerei-Fachmann. Aber ansonsten sei auch ein Polizeihelikopter ein Luftfahrzeug wie jedes andere auch.

Die Flieger „legen der Polizei die Sachlage dar“

Und für die sind in Pattonville pro Tag 26 Starts für Mitglieder der Flugsbetriebsgemeinschaft sowie vier fremdvergebene vorgesehen. Die Jahresstartzahl liegt bei 2500. „Unser Flugplatz ist kein Verkehrs-, sondern ein Sonderlandeplatz“, betont Lehmann, Mitglied der Fliegergruppe Kornwestheim. Die Vorgaben sind eng gesteckt – es existiert sogar eine Höchststartzahl für den Rettungshelikopter. Diese Sachlage habe man der Polizei dargelegt.

Die Sensibilität hat ihren Grund: Nach dem Zweiten Weltkrieg stationierte die US-Army auf dem Flugplatz über die Jahre zahlreiche Helikopter, vor allem vom Typ Bell UH-1. Der „Huey“, bekannt aus seinen unzähligen Einsätzen im Vietnamkrieg, war und ist nicht gerade ein stiller Vertreter seiner Gattung – ganz im Gegenteil. „Da wurden große Platzrunden gedreht, auch nachts“, weiß Lehmann. Die Skepsis der Kornwestheimer, Remsecker und Stuttgart-Mühlhausener Bürger in Sachen Hubschrauber hat eine Vorgeschichte. Auch der neue Polizeihelikopter, der zu einer Stippvisite hätte landen sollen, gehört erwiesenermaßen nicht zu den leisesten.

„Bei der Genehmigung wurde uns auf den Weg gegeben, uns an die Vorgaben zu halten“, so Lehmann, „und wenn jetzt trotzdem ein werbewirksamer Auftritt der Polizei bei uns stattfindet. . .“ Das Polizeipräsidium Ludwigsburg hält in diesem Punkt allerdings per Pressemitteilung dagegen: „Die Vorstellung selbst und ein damit verbundener Flug hatten einsatztaktischen Hintergrund und dienten der Verdeutlichung der Einsatzmöglichkeiten sowie der neuen taktischen und technischen Komponenten dieses Einsatzmittels.“

Der Helikopter kommt nicht

Im Einsatzfall, etwa bei Fahndungs- oder Suchaktionen, müssten Führungskräfte schnell über die Anforderung eines Polizeihubschraubers entscheiden. Und weiter: „Für eine solche Entscheidung ist die Kenntnis der Einsatzmöglichkeiten unabdingbar.“ Zudem habe die Besatzung des Helikopters an jenem Dienstag im Anschluss an die geplante Veranstaltung den Auftrag gehabt, nach einem Bahnunfall in Lauffen am Neckar Luftbilder des Unfallortes zu machen.

Schlussendlich blieb der neue H145 dem Pattonviller Flugplatz komplett fern. Zwar hatte Lehmann einen Kompromissvorschlag gemacht: Der Helikopter könne in einer der hinteren Ecken des Areals landen und die Zeremonie dort abgehalten werden. „Ich hätte dann auch mit dem Regierungspräsidium telefoniert, um das vollends zu klären.“ Doch da waren die Pläne bereits geändert. Die Vorstellung ging am vergangenen Freitag in Weinsberg über die Bühne – auf einem Gelände der Polizei.

„Nun bemüht man sich, die Wogen zu glätten. Ein böses Wort ist nie gefallen“, sagt Lehmann, „wir haben der Polizei lediglich die Sachlage erklärt.“

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