Der Rathaushof in der Sommerhitze: Wasser gibt es, Schatten nicht. Foto: Ralf Poller/Avanti

Große Plätze ohne Grün, Straßenzüge mit Grün, aber ohne Aufenthaltsmöglichkeit: In Ludwigsburg sollen gezielt Schattenplätze gesucht und neue geschaffen werden. Dafür werden aber auch Parkplätze wegfallen.

Ein so toller Platz mit Brunnen – ohne Bäume, ohne Schatten? Das fiel Ulrike Schmidtgen, Fachbereichsleiterin Tiefbau und Grünflächen in Ludwigsburg, mit als Erstes auf, als sie neu in die Stadt kam. Anlass für ihre Randnotiz: Ein CDU-Antrag im Mobilitäts- und Umweltausschuss, die Verwaltung möge sich um mehr Grün und mehr schattige Plätze kümmern, auf dass sich das Stadtklima in Ludwigsburg verbessere. Bei den Verantwortlichen rief der Antrag einen regelrechten Schattenplatzschaffungs-Schub hervor: Sie machten jede Menge Potenzial aus und wollen Flächen entsiegeln, neu anpflanzen und mehr Sitzgelegenheiten schaffen. „Die Vielzahl an möglichen Maßnahmen hat auch mich überrascht“, bekannte Bürgermeister Sebastian Mannl.

 

Ob der Rathaushof, dessen plätscherndes Wasserspiel im Sommer zu den Erfrischungs-Hits für Kinder zählt, auf dem einen aber die Sommerhitze ungeschützt grillt, oder ob die Obere und Untere Marktstraße, die zwar Bauminseln säumen, unter denen es aber keine schattigen Bänke gibt: Möglichkeiten, mehr Sonnenschutz und Grün in der Innenstadt zu schaffen, sieht die Verwaltung viele. Manche können kurzfristig kommen, andere werden Zeit und größere Geldbatzen brauchen, für die Förderprogramme und Sponsoren gesucht werden sollen.

Auf der Liege chillen statt auf dem Gras

Um den Rathaushof – nebst dem besser beschattbaren Areal um den Spielplatz und das Burkinische Dorf – oder der Marktstraße hat die Stadt schon weitere Flächen im Visier. Die Innenhöfe zwischen Kulturzentrum, Rathaus und Scala, teils als Parkplätze genutzt, sollen entsiegelt und begrünt werden. Im Arsenalgarten mit seinem schönen alten Baumbestand will die Verwaltung durch zusätzliche Möblierung Menschen zum Verweilen einladen. Bisher muss man es sich dort weitgehend auf dem Rasen oder auf Steinquadern bequem machen, künftig soll man das auf Liegen oder Stühlen tun können. Bei der evangelischem Stadtkirche schwebt der Stadt die Pflanzung eines Baumes samt Sitzbänken vor, hinter der katholischen Kirche sollen ebenfalls öffentliche Sitzgelegenheiten entstehen.

Auf dem Schulcampus könnten die Bereiche unter den Bäumen im Dragonergässle und der Alleenstraße entsiegelt, im Ratskellergarten nicht genutzte Bereiche zugänglich gemacht werden, in der Hospitalstraße, der Unteren Reithausstraße, der Schiller-, Mathilden-, Karl-, Schloss- oder Stuttgarter Straße Bäume gepflanzt und für die See- und die Kirchstraße ein Konzept für Verschattungselemente erstellt werden: Das sind nur einige der Ideen, die aufs Tapet kamen.

Auf dem Marktplatz sollen Parkplätze wegfallen

Anhand einer Machbarkeitsstudie will die Stadt eruieren, was kurz-, was mittel- und was langfristig auf die Beine gestellt werden könnte und ob den Umbauten Leitungen in die Quere kommen könnten. Bei den Stadträten kamen die Ideen grundsätzlich gut an. Grünen-Rat Frank Handel mahnte aber, man dürfe den öffentlichen Raum nicht überbelasten und mit Möblierungen „zuklatschen“.

Dass für die Verschattungsmaßnahmen auch Parkplätze wegfallen werden, schmeckt nicht allen: Das zeigte sich bei einem späteren Tagesordnungspunkt, bei dem Matthias Knobloch, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität, den Plan vorstellte, dass auf der Südseite der katholischen Stadtkirche neun Stellplätze zugunsten von 19 Rad- und Lastenradbügeln aufgegeben werden sollen. Übrig bleiben dann auf der Nordseite drei Behindertenstellplätze und sechs weitere Parkplätze, die Anwohner nachts nutzen können und Besucher tagsüber als Kurzzeitparkplätze. Möglich, so Knobloch, sei auch, von den sechs Stellplätzen noch ein bis zwei für Carsharing-Autos zu reservieren.

„Permanente Nadelstiche gegen das Auto“

Bei Freien Wählern, CDU und FDP war der Aufschrei groß. „Wer fährt schon über den Marktplatz und stellt genau dort sein Lastenrad ab?“, fragte Jochen Eisele (FDP), Armin Klotz (CDU) fürchtete um den Markt: Wer dort größere Mengen einkaufe, brauche die Plätze. Kilian Raasch (Freie Wähler) sagte: „Keiner trägt doch eine Palette oder einen 25-Kilo-Sack Kartoffeln bis zur Rathausgarage!“ Sein Fraktionskollege Jochen Zeltwanger sprach sich gegen „permanente Einzelmaßnahmen mit Nadelstichen gegen das Auto“ aus. Ganz anders sahen das SPD und Grüne, die die Planung begrüßen.

„Wir sehen das als ersten Schritt, dass weniger Autos dorthin fahren“, erklärte Margit Liepins (SPD), „ich kenne auch keinen, der 25 Kilo Kartoffeln vom Markt zum Auto trägt.“ Ihr Fraktionskollege Nathanael Maier wies darauf hin, dass die Stadt in den jüngsten Jahren sogar mehr Parkplätze geschaffen habe – aber immer werde nur darauf herumgeritten, wenn einzelne wegfielen. „Lasst uns positiv über die Innenstadt reden und nicht immer alles schlecht machen“, mahnte er.

Bürgermeister Mannl erklärte, der Plan stehe ohnehin fest, er sei in der Verwaltung auf allen Ebenen abgesprochen, man habe sich viele Gedanken dazu gemacht. Umgesetzt werden soll das Vorhaben 2023, wenn die Stadtwerke die Eberhardstraße aufreißen, um dort Fernwärme zu verlegen.