Mehr als nur ein Nebeneffekt: Die Landesgartenschau soll helfen, den täglichen Stau auf der B 27 in einem Tunnel verschwinden zu lassen. Foto: factum/Archiv

Die Konkurrenz ist groß, aber das ficht den Oberbürgermeister nicht an: Ludwigsburg will Austragungsort einer Landesgartenschau werden – und so endlich auch einen B-27-Tunnel bekommen.

Ludwigsburg - Der Oberbürgermeister Werner Spec denkt weniger „an eine Blümchenwiese“ oder einen monatelangen Ansturm von Tagestouristen als an einen kräftigen Innovationsschub für Ludwigsburg:  Die Stadt will sich um eine Landesgartenschau im Zeitraum zwischen 2026 und 2030 bewerben. „Man muss eine moderne Gartenschau stärker im urbanen Kontext sehen“, sagt Spec. Darum, und weil Ludwigsburg ohnehin schon viele Projekte beschlossen habe, die die Stadtentwicklung in den nächsten zehn Jahren beflügeln werden, habe Ludwigsburg gute Chancen. Sofern der Gemeinderat zustimmt, wird die Bewerbung im Dezember eingereicht.

Das Stuttgarter Büro Faktorgrün hat eine entsprechende Machbarkeitsstudie erarbeitet und grundsätzlich verschiedene Varianten für die Bewerbung vorgeschlagen: Eine sieht zum Beispiel vor, den Neckar in den Fokus zu nehmen und die grünen Randzonen der Stadt weiter zu entwickeln, während eine andere einen grünen Ring zwischen Naturpark West, Pflugfelden und Römerhügel schließen könnte.

Vorbild Schwäbisch Gmünd

Die Verwaltung indes favorisiert einen Ansatz, der vor allem die Kernstadt verändern würde: Das Gartenschaugelände würde am Salonwald beginnen und sich nach einer ersten Kehre auf einer Achse entlang der Bundesstraße 27 vom südlichen Stadteingang zum Schloss und von da aus nach einer weiteren Kehre über die Heilbronner Straße und die Marienwahl bis zum Rand der Markung Eglosheim erstrecken.

Diese Planskizze verrät, dass es bei der Bewerbung um die Landesgartenschau auch um einen lang gehegten Traum der Ludwigsburger geht: Denn die Schau könnte eine Verlängerung des B-27-Tunnels in den Bereich des Möglichen rücken. Letztlich sei auch Schwäbisch Gmünd so zu seinem Tunnel gekommen, sagt Spec.

Das Tunnelvorhaben sei immer mal wieder diskutiert und vor zehn Jahren dazu erstmals eine Planung skizziert worden, sagt der Oberbürgermeister. „Allerdings haben wir das damals wieder zurückgestellt, weil wir uns im Gemeinderat darauf geeinigt hatten, dass Investitionen in die Bildung Vorrang haben.“ Doch bis 2026 sei das Großprojekt Schulneubau und Sanierungen wohl so gut wie abgeschlossen, meint Spec. Darum gebe es dann wieder Kapazitäten für ein nächstes Riesenprojekt. Nur ein Tunnel könne den schmerzlichen Straßeneinschnitt zwischen Schloss und Innenstadt vergessen machen.

Plante die Verwaltung vor zehn Jahren noch mit einem Tunnel von der Friedenskirche bis hinter die Abzweigungen am Heilbronner Torhaus, so ist jetzt nur noch an eine Verlängerung um 800 Meter gedacht. „Etwa vom Forum bis zur Charlottenstraße“, sagt Jürgen Straß, der beim Fachbereich Tiefbau und Grünflächen für das Konzept Landesgartenschau zuständig ist. Also etwa von der Friedrich-Ebert-Straße bis zum Haupteingang des Schlosses.

Geld vom Verkehrsminister?

In der Verwaltung rechnet man mit Kosten von „unter 100 Millionen Euro“. Bekäme Ludwigsburg den Zuschlag für eine Landesgartenschau, stiegen die Chancen auf eine Bundesförderung. Diese scheiterte bisher vor allem daran, dass der Tunnel nur die optische Situation, nicht aber den Verkehrsfluss verbessert.

In Bezug auf die Ausrichtung der Landesgartenschau könne die Stadt vermutlich mit Fördermitteln von bis zu 60 Prozent – aus verschiedenen Töpfen – der Kosten kalkulieren, meint Straß. Dass Ludwigsburg auf Projekte wie das Living Lab, die Nachhaltige Mobilität sowie ein Klimaanpassungs- und ein Energiekonzept als flankierende Maßnahmen verweisen könne, erhöhe die Chance erheblich, glaubt Spec.

Fristen und Fördermittel

Konkurrenz
Exakt weiß augenblicklich niemand, wie viele Kommunen eine der baden-württembergischen Gartenschauen in der Zeit von 2026 bis 2030 austragen möchten, doch im Gespräch sind mindestens 40 Bewerber. Die Bewerbungsfrist endet am 22. Dezember 2017, die Entscheidung fällt Mitte 2018.

Vertagt
Bis vor Kurzem stand auch die Stadt Marbach noch auf der Liste der möglichen Bewerber. Doch dann hat der Gemeinderat das Vorhaben verschoben: Wegen großer Bauvorhaben könne Marbach das Projekt Gartenschau so bald nicht stemmen. Nun will sich Marbach für die Zeit von 2030 bis 2035 bewerben.

Zuschuss
Das Land plant zwischen 2026 und 2030 mit zwei kleineren Gartenschauen und drei Landesgartenschauen. Die Ausstellungen werden mit einem Komplementärbetrag bezuschusst: Die Summe, die eine Stadt investiert, wird noch einmal draufgelegt. Die Höchstgrenze beträgt dabei aber fünf Millionen Euro.

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