Auf dem Schießplatz wollten die Stadtwerke umweltfreundlichen Strom produzieren Foto: Kraufmann

Die geplante Biogas-Anlage im Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen liegt auf Eis: Wegen der anstehenden Änderung der Fördergesetze haben die Investoren einen Rückzieher gemacht.

Ludwigsburg - Auch nach einer millionenschweren Schadstoffsanierung sorgt das mit Bleischrot verseuchte Schießgelände beim Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen für Gesprächsstoff. Die Rechnungen für die erfolgreiche Ausbaggerung des Bodens sind nach wie vor nicht bezahlt, an einer neuen Nutzung für die einst vom Schützenverein Neckarweihingen und der Jägervereinigung Hubertus genutzte Anlage scheiden sich die Geister. Die Pläne für ein Energieprojekt auf dem Areal jedenfalls sind auf Eis gelegt – weil der Investor kalte Füße bekommen hat.

Ursprünglich war vorgesehen, auf dem jahrzehntelang als Schießplatz genutzten Gelände eine große Biogasanlage zu errichten. Die Energie aus dem Landwirtschaftsmeiler sollte das neue Wohngebiet auf der Neckarterrasse und angrenzenden Hochhäuser mit Strom und Wärme versorgen. Bei den Ludwigsburger Stadtwerken galt die Biogasanlage als zweites großes Energie-projekt nach dem Bau des 16 Millionen Euro teuren Holzheizkraftwerks am Güterbahnhof. Ortsansässige Landwirte sollten den pflanzlichen Rohstoff liefern, betreiben wollte die Rathaustochter den Biogas-Meiler mit einer Bietigheimer Partnerfirma.

Inzwischen freilich haben die Investoren einen Rückzieher gemacht – und das Biogas-Projekt zumindest vorerst in der Schublade verschwinden lassen. Hintergrund ist die anstehende Änderung beim Gesetz über die Förderung regenerativer Energien. Weil die Bundesregierung bei den Finanzspritzen neue Schwerpunkte setzen will, wird in Ludwigsburg befürchtet, dass sich das lang diskutierte Projekt nicht mehr rechnet. „Wenn aus Biogas produzierter Strom und Wärme nicht wie bisher gefördert werden, lohnen die hohen Investitionskosten nicht“, erklärt Martin Klein von den Stadtwerken.

Als Ersatz für die geplante Anlage will Ludwigsburg auf dem Gelände des Bauhofs nun ein Blockheizkraftwerk zur Versorgung des Wohnareals errichten. Mit einer Stromproduktion von 1200 Kilowatt und einer thermischen Leistung von 1300 Kilowatt soll der Neubau bereits in wenigen Monaten in Betrieb gehen und auch das Kinderhaus Violetta versorgen. „Eine runde Sache für Neckarweihingen und die Energieziele der Stadt, äußerte sich der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk zu dem Vorhaben. Das Nachsehen haben durch die Kehrtwende bei der Biogasanlage allerdings Schützen und Jäger. Weil sie die Kosten für die nötige Schadstoffsanierung nicht aus der Klub-kasse aufbringen konnten, meldeten beide Vereine vor einem Jahr die Insolvenz an, die 1,5 Millionen Euro für den Austausch des verseuchten Bodens blieben bisher am Steuerzahler hängen. Das Land Baden-Württemberg fordert die Summe von den beiden Vereinen, die zahlungsunfähigen Jäger wehren sich mit einer Klage vor Gericht. Der Verkauf einer Teilfläche für das Biogas-Projekt hätte wenigstens eine sechsstellige Summe in die Schuldenkasse gebracht – nun zieht sich die Abwicklung des Vereinsvermögens weiter in die Länge.

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