Das Arioso dolente von Beethoven erklingt am 16. Dezember. Foto: privat

Das Europa Zentrum würdigt Beethovens 250. Geburtstag in einem Wohnzimmer in Stetten (Leinfelden-Echterdingen). Dazu wird ein Film gedreht. Aber warum gerade dort?

Stetten - „Ach Gott – so nah! So weit!“: Dass auch Ludwig van Beethoven unter Getrenntheit zu leiden hatte, wird in seinem 1812 abgeschickten Brief „An die unsterbliche Geliebte“ deutlich. Und er hatte noch nicht mal ein Smartphone: „Ich weine, wenn ich denke, dass Du erst wahrscheinlich sonnabends die erste Nachricht von mir erhältst.“

Der Komponist wurde am 17. Dezember 1770 ins Taufregister eingetragen, und sein 250. Geburtstag in diesem Jahr steht auch unter dem Schatten der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Kontaktbeschränkungen. Um wenigstens virtuell ein wenig zu erinnern, dreht das Europa Zentrum Baden-Württemberg am 16. Dezember einen etwa 15-minütigen Film im Wohnzimmer des Musikpädagogen Joachim Spohn im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Stetten, in dem ein antiker Flügel mit Beethoven-Bezug steht. Dieser Flügel wurde im Jahr 1854 auf der Münchener Industriemesse durch Jean Baptiste Streicher ausgezeichnet. Dessen in Stuttgarter geborener Vater, Andreas Streicher, war eng mit Beethoven befreundet. Bereits am 17. Dezember, Beethovens Tauftag also, soll der Film mit dem Flügel als Kulisse online betrachtbar sein.

Brief „an die unsterbliche Geliebte“

Und da kommt der Brief „An die unsterbliche Geliebte“ ins Spiel: An wen Beethoven ihn anno 1812 gerichtet hatte, ist nicht zweifelsfrei feststellbar. Doch manches spricht dafür, dass es sich bei der Adressatin um Josephine Gräfin Deym, geborene Brunsvik, handelte. Bea­trix Gräfin Deym, eine entfernte Verwandte der vermutlich von Beethoven umschwärmten Gräfin und zugleich eine Mitarbeiterin des Europa Zentrums, wird Beethovens Brief nach einer Einspielung von Beethovens als Europahymne bekannt gewordene „Ode an die Freude“ vor der Kamera vorlesen. Joachim Spohn, bis zu seiner Pensionierung im September Musiklehrer an der Musikschule Leinfelden-Echterdingen und Besitzer des alten Flügels, wird zuvor einführende Worte sprechen und danach das Arioso dolente (Klagender Gesang) aus der Klaviersonate As-Dur op. 110 auf einem Klavier spielen, aber nicht wirklich auf dem von 1854, denn „das hat einen Schaden“, wie der Mitinitiator Nils Bunjes vom Europa Zentrum berichtet.

Beethoven komponierte die Sonate einige Monate nach Josephines Tod: „Alle anderen seiner Sonaten hatten eine Widmung, aber diese Sonate hat auffällig keine Widmung“, erklärt der Musikpädagoge Joachim Spohn. Er vermutet auch aus diesem Grund, dass es sich bei „einem der erschütterndsten Klaviermusikstücke, die Beethoven geschrieben hat“ um eine Erinnerung an die Geliebte handelt: „Das ist so etwas wie ein Requiem für die Gräfin.“

Das Projekt in der Reihe „Europas kulturelle Vielfalt“ des Europa Zentrums war ursprünglich als Live-Veranstaltung geplant gewesen. „Es ist uns wichtig, weil Beethoven ein ganz großer Europäer war“, sagt Nils Bunjes.

Der Link zum Film findet sich hier.

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