Wird sie jemals fahren? Die Zweifel an der Umsetzung der Lucie wachsen. Foto: Zweckverband Stadtbahn LUCIE

Die Stadt Ludwigsburg soll für ihren Beschluss gegen die Stadtbahn zahlen. Nun ist der erste Versuch einer Einigung fehlgeschlagen – und es wartet noch ein größeres Problem.

Die Erwartungen waren hoch – doch konkrete Fortschritte blieben aus. Seit Monaten ist kein Fortschritt rund um die Stadtbahn „Lucie“ im Landkreis Ludwigsburg erkennbar. Entsprechend gespannt blickten Lokalpolitiker, Bürger und ÖPNV-Befürworter auf die Sitzung des Verwaltungsrats, dem zentralen Entscheidungsgremium. Doch auch nach den Beratungen am Montag ist weiter offen, wie es mit der Stadtbahn konkret weitergeht.

 

Weder bei möglichen Ausgleichszahlungen der Stadt Ludwigsburg an die übrigen Verbandsmitglieder noch bei der verbliebenen Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg gibt es eine klare Perspektive. Der Eindruck einer Sackgasse verfestigt sich.

Um so viele Millionen Euro geht es

Im Mittelpunkt der Sitzung stand das Thema Ausgleichszahlungen. Laut einer auffallend knappen Pressemitteilung des Landratsamts brachte Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht einen ersten Vorschlag ein, wie die Stadt die übrigen Kommunen und den Zweckverband entschädigen könnte. Dieser fand im Gremium jedoch keine Zustimmung – er sei „nicht konsensfähig“ gewesen. Stattdessen soll der Vorschlag auf Grundlage der bisherigen Gespräche überarbeitet werden.

Parallel dazu sollen die tatsächlichen Ausgleichszahlungen nun konkret berechnet werden – gemeinsam durch die Stadt Ludwigsburg und die Geschäftsstelle des Zweckverbands. Für die Stadt könnte die Summe nach bisherigen Einschätzungen zwischen sechs und elf Millionen Euro liegen.

Hinter den Kulissen ist von einem klassischen Aushandlungsprozess die Rede, der Zeit brauche und in dem ein erwartbares Hin und Her zwischen den beiden Verhandlungspartnern stattfinde. Ziel ist es, bis zur Sommerpause zu einer Einigung zu kommen.

Zur Erinnerung: Im November hatte der Ludwigsburger Gemeinderat nach langer Diskussion beschlossen, keine Stadtbahn durch das Stadtgebiet zu führen. Damit wurde das Projekt „Lucie“ faktisch gestoppt. Übrig blieb nur noch die Reaktivierung der Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg.

Kritiker sprechen deshalb von einer „Bimmelbahn“, da große Teile der ursprünglich geplanten Verbindung nach Schwieberdingen, Remseck und Pattonville entfallen würden. Diese Kommunen sind dadurch aus dem Projekt gefallen, obwohl bereits Planungs- und Vorbereitungskosten entstanden sind. Entsprechend fordern sie nun einen finanziellen Ausgleich.

Größere Hürde: Reaktivierung

Doch die Ausgleichszahlungen sind nur ein Teil des Problems. Deutlich komplizierter ist die Umsetzung der Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg. Auch darüber wurde im Verwaltungsrat gesprochen. Streitpunkt bleibt die Führung in Ludwigsburg: Offen ist, ob die Bahn in den bestehenden Bahnhof eingebunden werden kann oder – wie vom Zweckverband bevorzugt – über die Weststadt zu einer neuen Endhaltestelle nahe der MHP-Arena geführt wird.

Eigentlich sollte ein Workshop Ende März Fortschritte bringen. Vertreter der Stadt und des Zweckverbands wollten gemeinsam mit einem externen Mediator Lösungen erarbeiten. Doch das Treffen platzte kurzfristig, weil Mitarbeitende des Zweckverbands absagten. Begründung: Zunächst seien „interne Abstimmungen“ der Kommunen und eine „gemeinsame Haltung“ notwendig, die später in der Verbandsversammlung beraten werden solle.

So könnte nach Vorstellung des Zweckverbandes die Stadtbahnhaltestelle an der MHP Arena aussehen. Foto: Zweckverband Stadtbahn

Auch wenn der Workshop nun nachgeholt werden soll, ist eine gemeinsame Linie nicht erkennbar. Denn die Vorstellungen von Stadt und Zweckverband liegen weiterhin weit auseinander – nicht nur in Sachen Bahnhofseinfahrt, auch in Themen wie Fahrplantaktung, Fahrzeuge und Betriebskosten. Damit zeigt sich: Selbst die reduzierte „Bimmelbahn“-Variante bleibt komplex und hoch umstritten. Gleichzeitig schwindet der politische Rückhalt – auch in Möglingen und Ludwigsburg gilt eine Mehrheit für die Reaktivierung nicht mehr als sicher.