Durch diese B27-Unterführung der Friedrichstraße sollen in den 2030er Jahren Schienen führen. Foto: Simon Granville

Über Monate gab es wenn überhaupt nur schlechte Nachrichten zur Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg. Nun ein Paukenschlag: Es gibt eine neue Trasse durch Ludwigsburg und erste Kostenschätzungen.

Im vergangenen Jahr war es still um das Stadtbahnprojekt „Lucie“ im Kreis Ludwigsburg. Statt Fortschritt dominierten Negativschlagzeilen: das unrühmliche Aus für den früheren Geschäftsführer Frank von Meißner, anhaltende Kritik aus der Lokalpolitik und schließlich die bittere Erkenntnis, dass die Bahn erst in den 2030er-Jahren rollen wird. Am Freitagnachmittag hat der neue Stadtbahn-Chef Michael Ilk nun aber frische Details zu den Planungen vorgestellt – und die haben es in sich.

 

1. Neue Streckenführung durch Ludwigsburg

Die Stadtbahn wird laut den neuen Plänen nicht wie ursprünglich geplant in Ludwigsburg das bestehende Schienennetz einfahren. Stattdessen verlässt „Lucie“ vor den Toren Ludwigsburgs die Gleise und fährt künftig durch die Straßen der Weststadt. Geplant ist eine Route über die Kurfürstenstraße, vorbei an der Rundsporthalle, in Richtung MHP Arena. Über die Schlachthofstraße geht es bis zum Westausgang des Bahnhofs – dem neuen Zwischenziel.

Auch weiter in Richtung Oststadt und Pattonville ist eine Streckenänderung vorgesehen. Statt wie bisher über die Leonberger Straße an der Friedenskirche und Landratsamt entlang, soll die neue Gleisführung über die Keplerbrücke und Friedrichstraße führen. Die B27 wird nicht mehr gequert, sondern durch die bestehende Unterführung an der Friedrichstraße unterfahren.

So soll die Stadtbahn einmal aussehen. Foto: Zweckverband LUCIE Stadtbahn

2. Darum waren die Änderungen nötig

Die alte Route hätte zu zahlreichen Problemen geführt, so Ilk. Die Querung des belebten Busbahnhofs und der B27 in Höhe Friedenskirche sei kaum machbar gewesen, zusätzlich hätten in der Leonberger Straße rund 80 Prozent der Parkplätze weichen müssen – ein politisches Pulverfass.

Außerdem sei klar geworden, dass die Stadtbahn im Bahnhofsbereich das Nachsehen gehabt hätte. „Die Bahn hat signalisiert, dass die Stadtbahn am Ende der Nahrungskette steht“, sagte Ilk. S-Bahnen, Regiobahnen und Güterverkehr hätten bei der Einfahrt in den Bahnhof Vorrang gehabt. Die Stadtbahn wäre zudem gezwungen gewesen, auf einem abgelegenen und sehr kurzen Bahnsteig zu halten. Deswegen der neue Halt auf der Westseite.

3. Erste Kostenschätzungen

Die Reaktivierung der Strecke von Markgröningen bis zur Stadteinfahrt Ludwigsburg wird aktuell auf rund 103 Millionen Euro geschätzt. Für den neuen Straßenabschnitt zwischen Rundsporthalle und Bahnhof-West werden etwa 34 Millionen Euro veranschlagt. Für die restliche Strecke Richtung Pattonville liegen noch keine Kostenschätzungen vor.

Dank Förderungen von Bund und Land zwischen 88 und 96 Prozent bleiben für Städte und Kreis folgende Restkosten: Kreis Ludwigsburg rund 12,4 Millionen Euro, Stadt Ludwigsburg rund 6,3 Millionen Euro, Markgröningen rund 2,2 Millionen Euro, Möglingen und Remseck jeweils rund 1,1 Millionen Euro.

4. Diese Kritik gibt es von der Kreispolitik

Während der Kreistagssitzung am Freitag lobten Freie Wähler, CDU, Grüne und SPD die neuen Planungen und verteidigten die Stadtbahn. Die AfD scheiterte derweil mit einem Antrag, die Planungen bis auf Weiteres einzustellen.

Die bedeutendste Kritik am Planungsstand lieferte Jochen Eisele (FDP). Er bemängelte, dass die neue Gleisführung über einige der am stärksten befahrenen Straßen der Stadt führe – darunter auch die enge Unterführung an der Friedrichstraße. Seine Sorge: Autokolonnen, die künftig im Schritttempo der Stadtbahn hinterherfahren.

Auch die Kosten bereiten ihm Kopfzerbrechen. „103 Millionen Euro – und das nur für den einfachsten Abschnitt des Projektes“, so Eisele. Trotz der hohen Förderquote bezweifelt er, ob Kreis und Kommunen das Projekt finanziell stemmen können.