Etliche Rettungskräfte suchten in der Nacht zum Dienstag nach Lucas. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Eine große Suchaktion wurde am Montag gestartet, weil eine Mutter aus Bad Cannstatt ihr Kind vermisste. Der Sohn war die ganze Zeit am vereinbarten Treffpunkt – aber nicht aufzufinden.

Stuttgart - Die nächtliche Suche nach dem am Montag vermisst gemeldeten sechsjährigen Lucas aus Bad Cannstatt hat ein glückliches Ende genommen. Er ist am frühen Dienstagmorgen in seiner ehemaligen Kita entdeckt worden – schlafend. Inzwischen steht fest, dass sich Mutter und Sohn am vereinbarten Treffpunkt verpasst hatten.

Um 16.30 Uhr verlässt der Junge die Raitelsbergschule. Die Mutter des Jungen wartet im Kinder- und Familienzentrum in der Ottostraße im Stuttgarter Osten auf ihn; von dort will sie mit ihm den Bus nach Hause nehmen. Doch sie trifft ihr Kind nicht wie vereinbart dort an. Um 17.40 Uhr startet die Polizei eine große Suchaktion, die bis zum nächsten Morgen dauert und bei der auch der Polizeihubschrauber über der Stadt kreist.

„Die Mutter und das Kind haben sich nach der Schule oft bei uns im Eingangsbereich getroffen“, sagt Heidi Nagler, die Leiterin des Paulusstifts im Osten. Der Erstklässler hat es von der Raitelsbergschule in der Röntgenstraße bis in die Ottostraße nicht weit, ­etwa 750 Meter Fußweg sind es. Sein kleiner Bruder wird in der Ganztageskita im Paulusstift betreut, die auch Kinder aus dem Stadtteil Berg und aus Bad Cannstatt aufnimmt. Seit 2013 ist in der Einrichtung des Sozialdienstes katholischer Frauen zudem ein Kinder- und Familienzentrum angesiedelt, das als Treffpunkt und bei Bedarf auch als Beratungseinrichtung für die Bewohner des Quartiers dient. „Das Erdgeschoss ist deshalb ein guter Platz für Verabredungen“, so Heidi Nagler.

Nicht den üblichen Schulweg genommen

Doch an diesem Montag wartete die Mutter vergeblich auf ihren Sohn. „Wie mir gesagt wurde, habe Lucas an dem Tag einen anderen Weg von der Schule ins Paulusstift genommen“, so die Einrichtungsleiterin. Als die Mutter ihren Sohn am vereinbarten Treffpunkt nicht vorfand, habe sie ihm entgegengehen wollen. Da beide nun auf unterschiedlichen Wegen unterwegs waren, trafen sie sich nicht. Als der Sohn am vereinbarten Treffpunkt eintraf, vermisste er wiederum seine Mutter. Doch er wusste sich zu helfen: Er ging in den ersten Stock des Gebäudes und vertrieb sich dort die Zeit in seiner ehemaligen Kita.

Diese war leer, was das Kind offenbar nicht störte. „Wir hatten am Montag einen Pädagogischen Tag und die Eingangstür ­offen, weil die Erzieherinnen ihre Mäntel in der Kita abgelegt hatten“, sagt Heidi Nagler. Die Veranstaltung sei gegen 17 Uhr zu Ende gewesen, „um 17.20 Uhr wurde die Kita dann geschlossen, ohne dass jemand den Jungen bemerkt hat.“ Die Mutter kehrte um 17.30 Uhr nochmals ins Paulusstift zurück und fragte die Besucher des Kinder- und Familienzentrums, ob sie Lucas gesehen hätten. Doch alle verneinten. Denn niemand hatte bemerkt, dass der kleine Junge nach oben gegangen war.

Der Bub sei sehr tapfer gewesen

Erst, als die Hauswirtschaftsleitung des Paulusstifts um 5.30 Uhr am Dienstagmorgen die Kita wieder aufschloss, wurde Lucas dort schlafend entdeckt: „Er sagte, er hätte geschwind geweint, als er gemerkt habe, dass er allein war. Aber er sagte auch, er hätte ja eine Toilette gehabt und auch etwas zu Trinken“, erzählt Heidi Nagler, „er war wirklich sehr tapfer.“ Wie in unserer Zeitung berichtet, war der Sechsjährige am Montagnachmittag vermisst gemeldet worden. Am Abend und in der Nacht waren die Einsatzhundertschaft der Polizei, ein Mantrailerhund und die Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes mit 14 Hunden unterwegs, um das Kind zu suchen. „Auch der Polizeihubschrauber war zwei Mal in der Luft“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann.

Die Polizei hatte am späten Montagabend eine öffentliche Fahndungsmeldung herausgegeben. Während im Internet ein Foto des Kindes kursierte, hatten sich die Ermittler dagegen entschieden, ein Lichtbild zu veröffentlichen. „Wenn er am Dienstag nicht aufgetaucht wäre, hätten wir es wahrscheinlich an die Medien gegeben“, sagt der Pressesprecher. Aber auch bei vermissten Kindern gelte es, zunächst die Persönlichkeitsrechte zu schützen. Die Polizei veröffentlichte eine Beschreibung des Sechsjährigen. „Die Polizei hatte natürlich Fotos vom Kind, die wurden auch den Passagieren in den Stadtbahnen und den Passanten gezeigt“, sagt Widmann.

In der Nacht war im Netz das Gerücht aufgekommen, der Junge sei entdeckt worden. Die Polizei, die über den Fall auch auf Twitter und Facebook die Nacht hindurch informierte, klärte das auf. Am Morgen kam auf diesem Weg auch die Entwarnung: „Lucas wurde soeben wohlbehalten wieder aufgefunden. Wir bedanken uns bei allen, die uns bei der Suche nach dem Jungen unterstützt haben“, twitterte die Polizei um 5.55 Uhr erleichtert.

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