Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann gilt als Entdecker des LSD Foto: dpa

Psychoaktive Pilze haben eine ähnliche Wirkung wie die synthetische Droge LSD. Für die Medizin sind die Substanzen interessant - neue Studien mit Krebspatienten lassen die Drogen in einem neuen Licht erscheinen.

Stuttgart - Das Mutterkorn wächst vorwiegend an Roggenähren, wenn es zur Blütezeit von Ende Mai bis Anfang Juni kräftig regnet. Es handelt sich hierbei um einen Schimmelpilz, der wie ein dunkelbraunes Roggenkorn aussieht. Für Menschen und Vieh stellt der Befall ein großes Problem dar, weil die im Mutterkorn enthaltenen Alkaloide (natürlich vorkommende, stickstoffhaltige chemische Verbindungen) giftig sind. Schon fünf bis zehn Gramm des Pilzes können tödlich sein.

Aus dem Pilz kann Lysergsäure-Diethylamid gewonnen werden – besser bekannt unter dem Namen LSD, eines der am stärksten wirkenden Halluzinogene. Mit diesem Begriff werden psychotrope Substanzen bezeichnet – also Stoffe, die die Psyche beeinflussen und starke Veränderungen im Denken, in der Stimmung und Wahrnehmung der Realität hervorrufen können.

Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann entdeckte 1943 das LSD 

Die Entdeckung von LSD gleicht einem Wissenschaftskrimi. Im Jahr 1943 suchte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann (1906-2008) nach einem Kreislaufmittel. Dafür synthetisierte er eine durchsichtige Flüssigkeit aus dem Mutterkorn – nämlich Lysergsäure-Diethylamid. Als er die Substanz unabsichtlich berührte, fühlte er sich plötzlich matt und krank. Er radelte nach Hause und noch während der Fahrt begannen Halluzinationen, die zuhause angekommen immer stärker wurden. Hofmann hatte ohne es zu wissen LSD erfunden und den ersten Horror-Trip durchlebt.

1949 begann Hoffmanns Arbeitgeber, die schweizerische Pharmafirma Sandoz, mit der industriellen Produktion von LSD, das unter dem Handelsnamen „Delysid“ in der Psychiatrie und Psychotherapie Verwendung fand. Doch dem Chemiker wurde schnell klar, dass die Droge auch Gefahren birgt. Schon in geringen Dosen bewirkt LSD lang andauernde halluzinogene Zustände und einen psychodelischen Rausch.

Psychoaktive Pilze sind seit Jahrtausenden bekannt

Mit der Entdeckung des LSD war Hofmanns Forscherinteresse noch längst nicht gestillt. 1957 gelang es ihm, das Alkaloid Psilocybin zu synthetisieren. Im Körper wird Psilocybin zu einer Substanz namens Psilocin umgewandelt, von denen eine halluzinogene Wirkung ausgeht, die ähnlich der von LSD ist. Beide Stoffe kommen in der Natur in Psilocybinhaltigen Pilzen wie den Kahlköpfen vor – auch bekannt als Zauberpilze, Magic mushrooms oder halluzinogene Pilze. Schon in geringer Menge können sie kognitive und emotionale Veränderungen hervorrufen. Weltweit sind rund 180 Arten aus der Gattung der Kahlköpfe bekannt. Im Spätsommer und Herbst wächst in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern der Spitzkegelige Kahlkopf auf natürlich gedüngten Wiesen und Weiden.

Psilocybinhaltige und andere psychoaktive Pilze sind vermutlich seit mehreren Tausend Jahren bekannt und wurden vor allem für religiöse Zwecke etwa durch Schamanen in Lateinamerika und Sibirien genutzt. Die Azteken im heutigen Mexiko nannten den Mexikanischen Kahlkopf auch „Teonanacatl“ – Fleisch der Götter.

Konsum von LSD wurde 1966 in den USA verboten 

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden psychoaktive Pilze erstmals durch einen 1957 von dem New Yorker Bankier und Privatgelehrten Gordon Wasson (1898-1986) verfassten Artikel im amerikanischen „Life-Magazine“. Darin beschrieb Wasson die Wirkung von psychoaktiven Pilzen in früheren Kulturen in Sibirien, Indien sowie Nord- und Südamerika.

Da der Konsum von LSD in den frühen 1960er Jahren in den USA und anderen Ländern legal war, konnte die Droge die Hippie-Ära sowie Künstler- und Intellektuellen-Kreise stark prägen. Nachdem LSD in den meisten Staaten (1966 in den USA und 1971 auch in Deutschland) verboten worden war, kam der Konsum und die Forschung praktisch zum Erliegen. In den 1980er Jahren wurde LSD als „Party-Droge“ in der Technoszene wiederentdeckt.

Zu Beginn der 1990er Jahre erwachte das Interesse der Wissenschaftler an LSD und psychoaktiven Pilzen neu. 2007 erhielt der Schweizer Psychiater Peter Gasser die Erlaubnis, eine Studie zur LSD-Behandlung an schwerkranken Krebspatienten durchzuführen, die an Angststörungen litten. Die Ergebnisse, die Gasser Anfang 2014 veröffentlichte, sind durchaus vielversprechend. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass LSD irgendwann wieder als Medikament zugelassen werden könnte.

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