Fabio di Perna wollte sich mit einer Frau verloben, die er noch nie zuvor gesehen hat. Foto: Netflix

Fabio di Perna aus Remseck am Neckar (Kreis Ludwigsburg) hat beim Netflix-Format „Love is Blind“ mitgemacht – in der Hoffnung, dort seine Ehefrau kennenzulernen. Der Plan ging nicht auf. Trotzdem hat der 34-Jährige einiges mitgenommen.

Fabio di Perna sitzt auf einer Couch. Gegenüber einer undurchsichtigen Leinwand. Seine Gesprächspartnerin sitzt dahinter. Sehen kann er sie nicht. Nur hören. Ihr Gespräch ist kein Small Talk: Wie sie in Beziehungen ticken, ob sie Kinder wollen, wie sie mit ihren Finanzen umgehen. Es geht ans Eingemachte, denn die Blind-Dates zielen auf ein großes Vorhaben ab: eine Ehe. Und das, ohne dass Fabio seine Gesprächspartnerin je gesehen hat.

 

Das ist das Konzept des Reality-TV-Formats „Love is Blind“, das im Januar zum ersten Mal in der deutschen Version auf Netflix ausgestrahlt wurde. In anderen Ländern gibt es die Sendung schon länger. Auch Fabio di Perna war Fan der Show in den USA, als er im Frühjahr 2023 auf Instagram zufällig auf eine Anzeige stieß. „Singles gesucht für ein Dating-Format für einen Streaming-Dienstleister“, habe da gestanden. Um welche Show es ging, erfuhr der 34-Jährige aus Remseck erst, nachdem er sich beworben hatte. „Ich dachte mir: Es wäre ja witzig, wenn das ‚Love is Blind’ wäre“, sagt er. Sein Wunsch wurde erhört.

Die Richtige noch nicht gefunden

Dass er tatsächlich vor den Augen der ganzen Welt nach seiner Ehefrau suchen würde, realisierte er nicht. Als er zusagte, wollte er einfach eine Frau finden. Denn schon seit sechs Jahren ist der Flugdienstberater Single. Obwohl er immer wieder über Apps oder Freunde Datingversuche startete. Die Richtige sei einfach noch nicht dabei gewesen, erzählt di Perna. Warum also nicht mal was anderes probieren?

Ende 2023 ging es los. „Ich war absolut nervös“, sagt er. „Es ist schon ein verrücktes Experiment. Wenn alles gut geht, ist man in sechs bis sieben Wochen verheiratet.“ Der Remsecker nahm sich vor, zu 100 Prozent er selbst zu sein und sich vor den Kameras nicht zu verstellen. Damit die Frauen ihn auch wirklich kennenlernen können.

Teilnehmerin Shella hat Fabio den Kopf verdreht. Foto: Netflix

„Ich bin ehrlich: Die ersten vier, fünf Tage waren schwierig“, erinnert er sich. Tiefere Gespräche fielen ihm schwer. Zuerst traf er jede Teilnehmerin nur kurz, dann musste er aussortieren. Mit der Zeit sei er jedoch angekommen. Die Dates wurden länger. Bis er sich nur noch mit zwei Teilnehmerinnen traf: Shella und Alberta. Beide Frauen fand er toll – und war damit teilweise ziemlich überfordert. „Ich bin raus aus dem Date mit Alberta und hab gedacht: Sie ist die Richtige.“ Dann habe er sich mit Shella getroffen und dasselbe über sie gedacht.

Eine Zwickmühle, die nicht gut ausging: Fabio entschied sich für Shella. Allerdings war die überzeugter von ihrem zweiten Dating-Partner Pascal. Schlussendlich gab sie Fabio einen Korb. Keine Ehe für ihn. Der Moment sei schwer fassbar gewesen, erzählt er im Nachhinein. „Die Kameras habe ich komplett ausgeblendet. Die Reaktion wäre auch ohne Kamera so gewesen.“ Tränen inklusive.

Etwa zehn Tage dauerte sein Reality-TV-Experiment. Später wurde er erneut eingeladen, um die noch bestehenden Paare und andere Teilnehmer vor der Kamera zu treffen. Zum ersten Mal sah er auch seine Dating-Partnerinnen. „Es war komisch“, sagt er. „Die Stimme war mir vertraut, aber das, was ich gesehen habe, war erst einmal jemand Fremdes.“

So richtig verrückt wurde es für ihn, als die Show im Januar 2025 ausgestrahlt wurde. „Die letzten zwei Nächte vor der Ausstrahlung war schlafen für mich unmöglich.“ Erst da habe er realisiert, dass ihm gefühlt die ganze Welt beim Daten zuschauen könne. Auch die Reaktionen seiner Gesprächspartnerinnen sah er zum ersten Mal im TV.

Manche Teilnehmer erhielten Morddrohungen

Was ihn seitdem am meisten überfordert: Die Menge an Reaktionen. Nachrichten in den sozialen Medien erreichten ihn aus New York, Mexiko, Kolumbien, Südafrika. Die allermeisten seien positiv.

Manchmal ärgere er sich aber auch. „Aber letztendlich habe ich mich ja entschieden, mitzumachen“, sagt Fabio di Perna. Andere Teilnehmer seien nicht so gut weggekommen wie er – manche hätten sogar Morddrohungen erhalten.

Ob er noch mal an einer Reality-TV-Show teilnehmen würde? Eher nicht. Was er mitgenommen hat? Eine Freundschaft mit den teilnehmenden Männern. Auch schon während der Sendung sei die Stimmung gut gewesen. Und wenn die anderen von ihren Dates erzählten, hörte er einfach weg. Inzwischen sei zwischen den Männern eine richtige Bromance entstanden. Einmal im Monat treffen sich die meisten Teilnehmer noch heute.