Bei den Spielern aus Baden-Württemberg ist 6 aus 49 am meisten verbreitet Foto: dpa

Fast eine Milliarde Euro haben die Baden-Württemberger 2018 für staatliche Glücksspiele ausgegeben. Lotto-Chef Georg Wacker fordert, illegale Anbieter stärker zu bekämpfen.

Stuttgart - 21 Spieler oder Tippgemeinschaften aus dem Südwesten durften sich im vergangenen Jahr über einen Millionengewinn freuen – sieben aus Baden, 14 aus Württemberg. Und das, obwohl die Badener im Durchschnitt mit 96,70 Euro pro Kopf und Jahr 15 Prozent mehr für Lotto und andere staatlichen Glücksspiele ausgeben haben als die Einwohner im württem­bergischen Landesteil. Dort flossen proPerson 84 Euro in die Kasse der staatlichen Toto-Lotto GmbH.

Insgesamt gaben die Baden-Württemberger 2018 rund 987,6 Millionen Euro für staatliche Glücksspiele aus, 54,5 Millionen mehr als 2017. Trotz des Zuwachses um 5,8 Prozent warnt Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker vor allzu viel Euphorie. Das Plus sei vor allem durch die außergewöhnlich vielen großen Jackpots 2018 zu erklären, sagte er am Montag bei der Vorstellung der Bilanz in Stuttgart. Schon seit Jahren gehe dem Land viel Geld verloren, weil „illegale Anbieter aus Steueroasen ungeniert unsere Produkte kopieren und uns mit aggressiver Werbung in Deutschland zunehmend das Wasser abgraben“, sagte er.

Illegale Anbieter kassieren ab

Bei den illegalen Anbietern nehmen die Tipper nicht an den Original-Lotterien teil, sondern wetten lediglich auf deren Ausgang. Die Einsätze werden allerdings nicht an die Lotteriegesellschaften weitergeleitet. „So streichen diese Anbieter traumhafte Margen ein, denn sie zahlen in Deutschland weder Lotteriesteuer, noch führen sie vergleichbar hohe Beträge wie wir ab“, sagte Wacker. Dadurch entgingen dem Staat neben Steuern auch Fördergelder für Sport, Kultur, Denkmalpflege und Soziales. Von 1999 bis 2006 hatten die Lottoeinnahmen im Südwesten noch jeweils über einer Milliarde Euro gelegen, im Spitzenjahr 2001 waren es 1,15 Milliarden. 2012 erreichten sie mit 829,9 Millionen Euro einen Tiefststand.

Die Glücksspielaufsicht müsse deutlich gestärkt werden, forderte Wacker. Die Glücksspielzentralen in den einzelnen Ländern seien nicht in der Lage dazu, das illegale Glücksspiel allein zu bekämpfen. Anbieter in den Steueroasen wechselten immer wieder ihre Namen oder Adressen, sodass sie von den Gerichten kaum belangt werden könnten. Auch könne es bei großen Gewinnen „ungeahnte Schwierigkeiten“ geben. Inzwischen warnten auch die Verbraucherzentralen vor diesem Geschäftsmodell. Im neuen Glücksspielvertrag müsse eine zentrale Glücksspielaufsicht verankert werden, erklärte Wacker.

Länder ziehen nicht an einem Strang

Bis zum Sommer 2021 müssen sich Bund und Länder auf einen neuen Staatsvertrag einigen. Dabei gehen die Interessen der Länder allerdings deutlich auseinander. Schleswig-Holstein und Hessen verlangen, dass der Online- und Sportwettenmarkt weiter liberalisiert wird, und auch in Nordrhein-Westfalen drängt die FDP auf großzügigere Regelungen. Die Befürworter der Liberalisierung erhoffen sich dadurch zusätzliche Einnahmen – zumindest bei den Steuern. Die anderen Länder hingegen plädieren dafür, das staatliche Glücksspielmonopol beizubehalten. Sie befürchten, dass durch die private Konkurrenz die staatlichen Angebote verdrängt werden könnten.

Von den Spieleinsätzen bei Lotto, dem Eurojackpot, der Glücksspirale und anderen staatlichen Lotteriespielen in Baden-Württemberg werden 50 Prozent als Gewinne ausgeschüttet – das waren 2018 rund 490,9 Millionen. Etwa 10 Prozent sind Betriebskosten und Provisionen für die Lotto-Annahmestellen, knapp 40 Prozent gehen an das Land – 16,6 Prozent als Lotteriesteuer (2018: 165,5 Millionen), 23 Prozent für gute Zwecke (206,9 Millionen). Unterstützt werden damit unter anderem der Landessportverband und die Denkmalstiftung.

Test mit neuen Annahmestellen

90 Prozent der Einnahmen werden an den rund 3150 Lottoannahmestellen im Land gemacht. Damit Lottospieler auch künftig Annahmestellen in erreichbarer Nähe finden, werde von Frühjahr an ein neues Modell erprobt, kündigte Wacker an. An zehn Standorten, darunter Stuttgart, Winnenden, Waiblingen, Sindelfingen und Bönnigheim, sollen so genannte „Quick“-Annahmestellen geschaffen werden, bei denen auf Spielscheine verzichtet wird. Stattdessen sollen Spieler Zufallstipps aus einem Terminal erhalten. Damit wolle man Vertriebspartner gewinnen, die für einen umfassenderes Angebot in den klassischen Annahmestellen nicht in Frage kamen, sagte Wacker. Wenn das Projekt erfolgreich ist, soll es vom kommenden Jahr an auch auf andere Kommunen ausgeweitet werden.

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