„Man kann, was man will“, so lautete das Lebensmotto des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth. Foto: dpa

Der Lothar Späth Award zeichnet Innovationen in Wissenschaft und Wirtschaft aus. Der Preis ist zu Ehren des 2016 verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs zum ersten Mal vergeben worden.

Stuttgart - Eine chemische Reaktortechnologie im Containerformat, eine Antireflexionsbeschichtung für optische Linsen, die ein Insekt zum Vorbild hat und ein Hochleistungs-Laser, der auch zur Krebstherapie eingesetzt werden kann – Unternehmen, die diese Innovationen vorangetrieben haben, sind die drei Preisträger des Lothar Späth Awards. Der insgesamt mit 40 000 Euro dotierte Preis ist am Samstagabend zu Ehren des 2016 verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergszum ersten Mal vergeben worden. Er wird für Innovationen in Wissenschaft und Wirtschaft an Unternehmen in Baden-Württemberg und Thüringen verliehen. Der Festakt mit etwa 250 Gästen fand im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart statt. Weggefährten Späths (CDU) lobten den Politiker und Manager, der nach seiner Zeit als Ministerpräsident unter anderem Chef des Technologiekonzerns Jenoptik gewesen ist, als „visionär, zupackend und seiner Zeit immer zwei Schritte voraus“. Und das parteiübergreifend: Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) und der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) würdigten Späths Verdienste in Politik, Wirtschaft und Kultur. Der Unternehmer Martin Herrenknecht, Produzent von Tunnelbohrmaschinen, ist Hauptinitiator und Stifter des Preises. Er zitierte Späths „schnörkelloses Credo“, das auch heute nichts an Bedeutung verloren habe: „Man kann, was man will.“

Die drei Preisträger und ihre Innovationen

1. Preis

Die Ineratec GmbH in Karlsruhe plant und baut chemische Kompaktanlagen – gemeinsam mit dem Innovationspartner Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dabei wird die ansonsten Industrieanlagen-große Technologie auf das Maß eines Schiffscontainers geschrumpft. Dadurch kann die Anlage dorthin transportiert werden, wo sie gebraucht wird. Als Ausgangsstoffe dienen der Anlage klimaschädliches CO2 aus Abgasen, Biogas und andere methanhaltige Gase. Mit den Ineratec-Anlagen werden sie in synthetische Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Endprodukte sind CO2-neutrale Kraftstoffe. Das können Kerosin, Diesel und Benzin sein. Die klimaschädlichen Abgase, die aus der Verbrennung der Kraftstoffe entstehen, können wieder durch die chemischen Reaktoranlagen umgewandelt werden. Ineratec hat bereits den Deutschen Gründerpreis erhalten und setzt mit 25 Mitarbeitern jährlich drei Millionen Euro um. Bis 2025 sollen es mit mehreren Hundert Beschäftigten 100 Millionen Euro werden. Ineratec geht jetzt zur Serienfertigung über.

2. Preis

Die Nanopta GmbH in Lonsee (Alb-Donau-Kreis) hat – gemeinsam mit mehreren Partnern aus der Wissenschaft – Antireflexionsbeschichtungen erfunden, die mit einer speziellen Nano-Technologie auf Oberflächen aufgebracht werden können und dadurch optische Bauteile wie Linsen und Prismen entspiegeln können. Die besonderen Vorteile gegenüber konventionellen Dünnschichtbeschichtungen sind laut Nanopta unter anderem: einer sehr hohe optische Qualität mit extrem geringer Reflexion und eine sehr hohe Lichtdurchlässigkeit. Vorbild der Technologie sind nachtaktive Insekten wie der Nachtfalter, deren Augen so beschaffen sind, dass sie einfallendes Licht praktisch nicht reflektieren.

3. Preis

Der Active Fiber Systems GmbH in Jena (Thüringen) gelang – gemeinsam mit mehreren Partnern aus der Wissenschaft –nach eigenen Angaben ein Durchbruch bei den Ultrakurzpulslasern. Das Gerät könne „zuvor unerreichbare Leistungswerte erzeugen“ und damit eine Vielzahl von Anwendungen „revolutionieren“. Zum Einsatz kommt die spezielle Lasertechnologie beispielsweise in der Materialbearbeitung und in der Strahlentherapie zur Behandlung von Krebs.

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