Verborgenes Stargate am Stuttgarter Stadtrand? Kurz vor Kaltental befindet sich ein geheimnisvolles steinernes Portal im Talhang. Was es mit dem historischen Bauwerk auf sich hat und warum es für die Menschen einmal lebenswichtig war.
Ist es der Zugang zu einem alten Bunker? Oder doch ein Stollenmund? Das schmucke historische Eingangsbauwerk auf dem abgezäunten Gelände an der Böblinger Straße gibt Rätsel auf. Zählt es zu den "Lost Places" in der Region Stuttgart?
Von Geheimtipps und Ausflugszielen bis hin zum Lost Place: Wir zeigen das geheimnisvolle Stuttgart
Wer mit dem Auto, Rad oder zu Fuß regelmäßig zwischen Heslach und Kaltental unterwegs ist, hat sich mit Sicherheit die Frage schon gestellt: Was verbirgt sich hinter dem steinernen Portal, das dort direkt in den Berg hineinzuführen scheint?

Was verbirgt sich hinter dieser Tür in Stuttgart-Kaltental? Foto: Torsten Schöll
Mit einem schabenden Geräusch öffnet sich eine eiserne Tür. Dahinter ist es stockdunkel. Irgendwo tiefer drin rauscht es mächtig. Hier fließt Wasser. Mehmet Bozdemir macht erst einmal Licht. Ein kleiner Raum, eine zweite Tür. Wer durch sie hindurchtritt, steht vor einem kleinen rechteckigen Becken, das in den Boden eingelassen ist: Es ist eine alte Zisterne.
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„Hier sammelt sich das Wasser von zwölf Quellen aus der gesamtem Kaltentaler Hanglage“, sagt der Wassermeister der zuständigen Netze-BW. Wenn es geregnet hat, fasst die Zisterne bis zu sieben Liter pro Sekunde. Eine alte Pegeluhr, die längst ihren Dienst eingestellt hat, zeigt genau diesen Wert an.

Historische Technik. Foto: Torsten Schöll
Im 19. Jahrhundert führte eine aus Steinquadern herausgeschlagene Wasserrinne von hier zuerst Richtung Reinsburgstollen. Dann floss das Quellwasser weiter zum Bollwerk, wo es schließlich über die Stadt verteilt wurde. Ab etwa 1825 hatte man dieses Projekt zur besseren Wasserversorgung Stuttgarts in Angriff genommen. Der Verlauf der damals neuen Wasserrinne ist immer noch an der nördlichen Hangseite des Heslacher Tals zu erkennen.

Ein Messinstrument von früher, das womöglich immer noch seinen Dienst tut? Foto: Torsten Schöll
Heute fließt das Wasser von der Zisterne zum Quellwasserbehälter Wanne an der Wannenstraße in Heslach, bevor es über den Reinsburgstollen dem Feuersee in Stuttgart-West als Frischwasser zugeführt wird, erklärt der Wassermeister.

Was haben diese Inschriften zu bedeuten? Foto: Torsten Schöll
„Das Wasser erreicht den See durch ein natürliches Gefälle“, so Bozdemir. Rund einmal im Jahr schaut er in der alten Zisterne nach dem Rechten. Das Wasser aus den Kaltentaler Quellen hat zwar keine Trinkwasserqualität, ist aber glockenklar.

Ehemaliges Aquädukt bei Stuttgart-Kaltental. Foto: Torsten Schöll
Auf seinem Weg Richtung Innenstadt überquerte das Wasser einst den Heidenklingenbach mit Hilfe eines Aquädukts. Was kaum einer ahnt: Dieses für Stuttgart doch recht ungewöhnliche Wasserbauwerk nach antikem Vorbild gibt es noch immer. Das Aquädukt wird heute als Fußgängerbrücke genutzt und bildet hinter der Torwiesenschule eine nur ortskundigen bekannte Verbindung nach Heslach. Nicht wirklich ein "Lost Place" im klassischen Sinn, aber doch ein echter Geheimtipp für jeden Stadtentdecker!