Stabile Höhenlage: der Zuckerbergbunker in Steinhaldenfeld Foto: Peter Stolterfoht/stobild

Der Zuckerbergbunker in Steinhaldenfeld ist ein leer stehendes Mahnmal. Die Trutzburg über dem Neckar soll aber schon bald zu einem besonderen Wohnhaus umgebaut werden.

Die Zeugnisse des Zweiten Weltkriegs sind in Steinhaldenfeld nicht zu übersehen. Gleich zwei Hochbunker rahmen den Cannstatter Stadtteil ein. Dieses ungewöhnlich dichte Nebeneinander von Schutzbauten erklärt sich mit der architektonischen Eigenart der Siedlung, die 1933 im Eilverfahren auf dem Kamm über dem Neckar entstanden ist.

 

Den Einfamilienhäusern in Steinhaldenfeld fehlt der Keller. Und deshalb wurden 1942 diese zwei oberirdischen Bunker gebaut. So kamen dann alle der rund 3000 Bewohner und Bewohnerinnen Steinhaldenfelds während der Alliierten-Luftangriffe unter.

Seit Jahren leer

In einem der beiden Bunker ist das Uhrenmuseum mit seinen Turm- und Bahnhofsexemplaren untergebracht. Die andere mächtige Trutzburg namens Zuckerbergbunker steht schon seit Jahren leer und reiht sich damit ein in die Reihe der Lost Places, der verlassenen Orte in Stuttgart. Aber das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Was mit Wolf-Dieter Roetzer und Hans Klement, den Geschäftsführern des Cannstatter Architektur- und Entwicklungsbüros Planquadrat, zu tun hat.

Vor vielen Jahren schon sind die beiden Architekten dem rauen Charme dieses groben Klotzes erlegen, der aus von Travertin umschlossenem Sandstein besteht. Gleichzeitig erkannten sie das Potenzial des Objekts. Dazu trägt auch die Lage am oberen Rand des steilen Zuckerbergs mit seinen Weinreben bei. Hier kann man den Trauben des Cannstatter Zuckerles beim Reifen zusehen, während einem der Neckar zu Füßen liegt. Und dazu: rundherum freie Sicht.

Zuckerle-Trauben reifen vor der Tür

Als sich vor elf Jahren die Chance dazu ergab, kauften die Planquadratler den Bunker mitsamt dem davorliegenden Weinberg. „Nach zehnjähriger Wartezeit wird die Baugenehmigung nun endlich erteilt“, sagt Wolf-Dieter Roetzer. Seine Pläne sehen vor, dass aus dem Bunker ein Haus mit vier Wohnungen entsteht.

Bald soll das projektentwickelte Gebäude auf dem 6,6-Ar-Grundstück an einen Bauträger verkauft werden. Eine langlebige Investition ist das. Schutzunterkünften dieser Bauart wird eine Haltbarkeitsdauer von mindestens 200 Jahren attestiert. Dafür stehen die 1,10 Meter dicken Außenwände, aus denen noch Teile für größere Fenster herausgeschnitten werden sollen.

Sichtschlitze gibt es schon. Die wurden nach dem Krieg eingebaut, um wenigstens ein bisschen Tageslicht hereinfallen zu lassen. Schließlich diente der Bunker bis in die 60er Jahre der evangelischen Kirche als Unterkunft, gleich nach dem Krieg für Flüchtlinge aus dem Osten, später für die ersten „Gastarbeiter“ aus der Türkei und Italien. In der Folge war das Gebäude mit dem charakteristischen Pyramidendach ein Lagerplatz.

Zuletzt hatte sich der Künstler Georg Mühleck bis 2008 eingemietet, der den Steinkoloss als Atelier nutzte. Seitdem herrscht Leerstand, was sich aber nun ja bald ändern soll.

Peter Kraus, Pin-up-Girl und Stellenanzeigen

Die bewegte Geschichte des Bunkers spiegelt sein Innenleben wider. Da gibt es kunstvoll bemalte Tapeten, die halb abgelöst sind, daneben Poster von Altstars wie Peter Kraus oder mit Pin-up-Girls der 50er Jahre darauf. Auch Zeitungsseiten mit Stellenanzeigen oder Bierdeckel haben einen Platz an den Wänden gefunden. Die vier Stockwerke des Zuckerbergbunkers, sie sind völlig unbemerkt aus der Zeit gefallen.

In Stuttgart gibt es noch 20 Hochbunker, die allesamt auf der Internetseite des Vereins Schutzbauten Stuttgart aufgelistet und mit ihren historischen Informationen versehen sind. Der bekannteste Vertreter in dieser Reihe ist sicher der sogenannte Boschturm auf dem Pragsattel, der ein Stuttgarter Wahrzeichen geworden ist. Und dabei gleichzeitig als markantes Mahnmal an die Schrecken des Krieges erinnert.