Blickt stolz drein am Eugensplatz: Möpsle Foto: Leif Piechowski

Seit Anfang Mai steht die Möpsin dank einer Spendenaktion der Stuttgarter Nachrichten auf der Loriot-Säule am Stuttgarter Eugensplatz. Seitdem gingen mehr als 200 Leserzuschriften mit Namensvorschlägen ein. Eine Wahl zu treffen war keine leichte Sache und sorgte für manche heitere Diskussion.

Stuttgart - Die Zahl der Zuschriften war enorm. Mehr als 200 E-Mails und Karten mit rund 170 Namensvorschlägen trafen in unserer Redaktion ein. Weniger Namen als Karten waren es, weil viele Leserinnen und Leser unabhängig voneinander die gleichen Vorschläge machten. Vor allem mit dem Namen des Humoristen Loriot alias Vicco von Bülow wurde gespielt: „Lorina“, „Lori“, „Lorle“ – die Varianten nahmen kein Ende. Und auch Figuren aus Loriots Sketchen wie Frau Wesendonk sollten in der Mopsdame lebendig bleiben: Die Schauspielerin Evelyn Hamann, die Loriots Frauengestalten unverwechselbar machte, stand ebenfalls für manchen Vorschlag Patin.

Weil die Redaktion bei so vielen pfiffigen Ideen die Qual der Wahl nicht allein auf sich nehmen wollte, berief sie drei Mops-Experten in die Jury: Bildhauer Uli Gsell, der Schöpfer der Möpsin, und Hildegard Ertel, die Witwe von Dieter Ertel. Der 2013 verstorbene Programmchef verschiedener Rundfunksender hatte Loriot einst entdeckt. „Ohne Ertel wäre Loriot wohl nicht zum Fernsehen gekommen“, sagt der Degerlocher Schriftsteller und Historiker Gerhard Raff.

Er hatte die Idee gehabt, seinen verstorbenen Freund Vicco von Bülow mit einer Gedenksäule zu ehren – selbstredend gehörte Raff jetzt auch zur Namens-Jury. Als Vertreter unserer Zeitung wirkten Jan Sellner, Leiter des Ressorts Landesnachrichten, und Eva Funke, Redakteurin im Ressort Stuttgart und Region, in der Jury mit.

Den ersten Vorstoß unternimmt Raff: „Ich wollte die Möpsin bei der Einweihung zu Ehren von Dieter Ertel Dieter taufen. Machen wir doch eine ,Dietlinde‘ draus.“ Pech nur, dass kein einziger Leser diesen Namen vorgeschlagen hat. Da alles mit rechten Dingen zugehen muss, legen die anderen Jurymitglieder sofort ihr Veto ein. Raff wäre nicht Raff ohne seine Hartnäckigkeit: „Dann vielleicht ,Hildegard‘.“ Immerhin habe Loriot bei dem Namen für eine seiner Figuren an Hildegard Ertel gedacht. Doch sie lehnt freundlich ab.

Ihre Alternative: „Irgend etwas wie ,Loretta‘.“ Für Varianten sei sie offen. Ihr Vorschlag ist damit gut begründet, dass viele Leser den Mops so oder ähnlich nennen wollen. Er scheitert daran, dass der Name zu Irritationen führen könnte. In Stuttgart gibt es mit Da Loretta ein ­italienisches Restaurant. „Verabredet man sich bei „Loretta“, geht der eine zum Mops, der andere zum Italiener“, wirft Gsell ein. Mit diesem Einwand hat die Jury endlich ein handfestes Entscheidungskriterium: Der Name muss eingängig und unverwechselbar sein.

Hildegard Ertel greift einen Vorschlag aus dem Berg an Zuschriften heraus: „Ich hätt’ es gern schwäbisch: Möpsle“, schreibt Hans-Peter Rotzinger. Der Mann lebt in Hessen. „Das ist es! “, ruft Hildegard Ertel. Die anderen strahlen und nicken – bis auf Gsell. So einfach könne man es sich nicht machen. Außerdem: „Möpsle“ – das sei doch eine zweifache Verkleinerung: „ö“ und „le“. Weil er sein Werk nicht so verniedlicht wissen will, schlägt er stattdessen „Mopsle“ vor.

Das trifft den Schwaben Raff ins Mark: Mopsle sei nicht Deutsch und schon gar nicht Schwäbisch. Gsell zögert. „Die Leute haben so viel Fantasie und Liebe in ihre Vorschläge gesteckt. Da sollten wir uns wenigstens ein paar Gedanken mehr machen“, findet er.

Stimmt. Raff fängt an zu zählen. Neun Leser wollen ein „Möpsle“ haben. Damit ist der Name Spitzenreiter. Gsell ist noch nicht ganz überzeugt. Dann steht plötzlich folgende Idee im Raum: Hinter „Möpsle“ könne doch jeder seinen Lieblingsnamen setzen. „Ich nenne die Figur Möpsle Loretta“, sagt Hildegard Ertel. Außerdem würde mit der Zeit das Gedächtnis schwach, doch „Möpsle“ könne sich wohl jeder merken.

Nach zwei Stunden ist es geschafft: Auch Gsell ist zufrieden. Und somit hat Leserin Renate Kornau das letzte Wort: Sie schreibt: „Für uns isch dees oifach ’s Möpsle. Basta!“

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