S-Bahnen sind immerhin im Stundentakt unterwegs Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ein Streik zählt zwar wie Erdrutsch oder andere Naturkatastrophen als höhere Gewalt. Doch laut EU-Gesetz haben Bahnreisende auch in diesen Fällen ein Recht auf Entschädigung bei Zugverspätungen oder -ausfällen.

Stuttgart - Zunächst einmal kann ein Reisender bei Zugausfällen wegen Streiks bereits vor Reiseantritt kostenlos stornieren und sich etwa in einem DB-Reisezentrum den Fahrpreis erstatten lassen.

Wer bereits am Bahnhof ist, kann bei Verspätung kostenlos auf einen anderen Zug ausweichen. Mögliche Aufschläge entfallen dann. Bei Angeboten wie einem Sparpreis-Ticket wird die Zugbindung aufgehoben. Das gilt jedoch nicht für „regionale Angebote mit erheblich ermäßigtem Fahrpreis“ wie etwa dem Baden-Württemberg-Ticket. Der Anspruch auf Entschädigung richtet sich nach der Dauer der Verspätung. Beträgt diese mehr als 60 Minuten, bekommen Kunden 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises, ab 120 Minuten ist es die Hälfte. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung zurückgezahlt. Für verpasste Flieger zahlt die Bahn aber nicht.

Pendler mit Zeitkarten werden pauschal entschädigt. Sie bekommen in der zweiten Klasse ab einer Stunde Verspätung 5 Euro, in der ersten Klasse 7,50 Euro. Bahn-Card-100-Besitzer erhalten in der zweiten Klasse zehn, in der ersten Klasse 15 Euro.

Die Entschädigungen im Nahverkehr, also den von der Bahn betriebenen S-Bahnen, sind geringer. Pauschal bekommen Fahrgäste ab 60 Minuten Verspätung in der zweiten Klasse 1,50 Euro, in der ersten 2,25 Euro. Es werden allerdings generell erst Beträge ab 4 Euro ausgezahlt. Es empfiehlt sich also, mehrere Verspätungen gesammelt vorzulegen.

Um die Entschädigung zu erhalten, müssen Fahrgäste ein Fahrgastrechte-Formular ausfüllen und unterschreiben. Meist wird dies bereits vom Servicepersonal im Zug ausgeteilt, es kann aber auch über die Internetseite Bahn.de heruntergeladen werden. In das Formular werden der geplante und der tatsächliche Reiseverlauf eingetragen. Wer alle Dokumente dabei hat, kann sich das Geld direkt im Reisezentrum oder einer DB-Agentur auszahlen lassen.

Komplizierter wird es bei Handy-Tickets. In diesem Fall sollte der Fahrgast die Buchungsbestätigung ausdrucken und das Formular an das Service-Center Fahrgastrechte in Frankfurt schicken.