Heutzutage unvorstellbar: Massenandrang bei der Gemeinderatssitzung im großen Saal des Rathauses im vergangenen Juli. Foto: Patricia Sigerist. Foto: /Patricia Sigerist

Die erste Sitzung des Fellbacher Gemeinderats nach dem Lockdown und der mehrwöchigen Pause findet in der Schwabenlandhalle an diesem Mittwoch statt. Der Raum Hesse bietet genügend Platz, um den Sicherheitsabstand zu garantieren.

Fellbach - Was hat hier nicht schon alles die Herzen der Zuschauer bewegt und den Ohren der Zuhörer geschmeichelt: Goethe- oder Shakespeare-Aufführungen, opulente Operninszenierungen, stimmige Chorkonzerte, exklusive Bälle, Kunsthandwerkmessen, bunte Blumenschauen, Minieisenbahnausstellungen – all das war in den vergangenen Monaten in der Fellbacher Vorzeigehalle nicht möglich: Leere Säle statt volle Gestaltungskraft.

Lokalpolitik zwischen Lockdown und Lockerung

Doch nun zahlen sich die einst großzügig konzipierten und später noch erweiterten Räumlichkeiten im Fellbacher Kultur- und Kongresszentrum insofern aus, als es genügend Platz gibt, um die Stadträte leibhaftig statt nur per Videochat an der Zukunft basteln zu lassen: Lokalpolitik zwischen Lockdown und Lockerung. Nachdem andere Kommunen schon länger wieder mit ihrem politischen Alltagsgeschäft begonnen haben, nimmt nun auch Fellbach an der politischen Exit-Strategie teil.

Erste nichtöffentliche Sitzungen des Verwaltungs- und des Bauausschusses dienten in der vergangenen Woche bereits als Testlauf, nun darf an diesem Mittwoch in der Schwabenlandhalle auch das Gesamtgremium ran. Zuvor schon, am Montag vergangener Woche, war das Kongresszentrum am Guntram-Palm-Platz Schauplatz der ersten Sitzung des Rems-Murr-Kreistags. Für die Kreisräte wurde dabei jedoch der größte Saal des Hauses, der Hölderlinsaal, gebucht. Für den personell etwa halb so starken Fellbacher Gemeinderat muss das Raumangebot nicht ganz so üppig sein – der Raum Hesse ist ausreichend. „Der Hölderlinsaal wäre zu riesig, man muss ja auch miteinander kommunizieren können“, sagt die Rathaus-Sprecherin Sabine Laartz. 500 Quadratmeter hat der Hessesaal. Entsprechend der üblichen Umrechnung, wonach pro Person vier Quadratmeter Freiraum zu beanspruchen sind, könnten gut 100 Menschen gleichzeitig hier sein.

Besucher müssen sich in eine Liste eintragen

Der Hesse-Saal sei auf jeden Fall geeignet für die erste Sitzung nach der Corona-Pause, „wir nutzen den gesamten Raum bis hinten zur Wand“, erläutert Sabine Laartz. Dort werden auch Stühle fürs Publikum bereitgestellt, wobei die Verantwortlichen nicht mit einem riesigen Zulauf rechnen. Problematischer wäre es, wenn ein Thema wie die Kita-Betreuungsgebühren auf der Tagesordnung stünde – das hatte im heißen Juli 2019 einen mit Eltern völlig überfüllten Ratssaal verursacht. Die Sitzplätze für die Zuhörer befinden sich an den Seiten und hinter der Zwischenwand zum Raum Mörike – wer hinter dieser Wand sitzt, bekommt allerdings alles mit, denn die Sitzung wird auf einem dort aufgestellten großen Monitor übertragen. Besucher müssen sich an der Einlasspforte – es gibt getrennte Ein- und Ausgänge – in eine Liste eintragen. Für Gäste wie auch für die Stadträte, die Oberbürgermeisterin und ihre zwei Dezernenten sowie für Verwaltungsmitarbeiter – nur jene werden anwesend sein, deren Sachgebiet das erforderlich macht – stehen Spender mit Desinfektionsmittel zur Verfügung.

Es besteht keine Maskenpflicht

Weil ausreichend Abstand eingehalten werden kann, „besteht keine Maskenpflicht“, betont die Stadtsprecherin. Wobei es natürlich jedem Rat frei steht, dennoch einen Mund- und Nasenschutz umzubinden. Während das Rathaus-Chef-Triumvirat mit OB Gabriele Zull, dem Ersten Bürgermeister Johannes Berner und Baudezernentin Beatrice Soltys wie gehabt vorne Platz nehmen wird, sitzen die Räte mit genügend Zwischenraum an Einzeltischen. Damit sie nicht unnötig durch den Saal gehen müssen und sich möglicherweise in die Quere kommen, wird ihnen neben Getränken auch ein Lunchpaket direkt auf den Tischen zur Verfügung gestellt. Eine zeitliche Beschränkung wie etwa in Backnang, wo nach zweistündiger Sitzungsdauer Schluss sein soll, gibt es in Fellbach nicht. Wobei die Tagesordnung keine überlange Sitzung erwarten lässt.

Dass die Lokalpolitiker Lust auf die Gestaltung der Stadtentwicklung haben, lässt sich auch daraus ableiten, dass „wir keine reihenweisen Absagen haben“, sagt Laartz – man darf also von einem mit 32 Stadträten fast vollzähligen Gremium ausgehen, das nach Laartz’ Einschätzung der Sitzung mit großer Freude entgegensieht.

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