Auf der Suche nach mehr Personal für Kitas in Deizisau entsteht eine Idee: Die Online-Plattform „work nearby”. Die digitale Jobbörse soll dabei helfen, lokale Unternehmen und Arbeitssuchende aus der Region zusammenzubringen.
Stellenabbau auf der einen und Fachkräftemangel auf der anderen Seite führen zurzeit zu einer angespannten Situation für so manche Arbeitgeber und Arbeitnehmer. „Wir brauchen kluge Antworten auf die Herausforderungen des Arbeitsmarkts“, sagt Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs. Er sieht besagte Antworten vor allem direkt vor Ort. In Deizisau soll die Jobsuche deshalb künftig durch die Online-Plattform „work nearby“ erleichtert werden.
Die Gemeinde hat bereits einige Erfahrung in der lokalen Personalsuche. Im September 2023 startete die Initiative „Sei schlau, komm nach Deizisau“. „Die Grundidee war es, dass wir als Gemeinde eine gemeinsame Plattform zur Personalsuche für alle Kindergärten einrichten wollten“, erklärt Matrohs. Bei drei verschiedenen Trägern, der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde sowie der Gemeinde selbst, keine leichte Aufgabe. Doch das Fazit des Bürgermeisters fällt positiv aus. „In Deizisau gelingt es gut, diese Stellen zu besetzen“, sagt Matrohs.
Preiswert und technisch attraktiv
Das Projekt wurde vom Deizisauer Unternehmer Michael Bernert begleitet, der die technische Infrastruktur bereitstellte. Anfang 2024 entstand daraus die Idee, eine Plattform für Unternehmen aller Branchen zu schaffen. „Viele andere Unternehmer haben Probleme mit Fachkräften“, sagt Bernert, Geschäftsführer der Werbeagentur Novotec. Die Grundüberlegung sei es gewesen, eine Jobplattform zu schaffen, die vor allem auf das Lokale abzielt sowie preiswert und technisch auf dem neuesten Stand ist, erklärt er.
In der vergangenen Woche, nach einem Jahr Entwicklung und über 200 000 Zeilen Programmiercode, ist „work nearby“ nun in den Landkreisen Esslingen und Calw gestartet. Natürlich sei es noch zu früh für eine richtige Auswertung, jedoch sei die bisherige Resonanz der Unternehmen eigentlich gut, erklärt Bernert. Auch in Calw habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Uwe Gerlinger, der gemeinsam mit dem Deizisauer Unternehmer die Plattform entwickelte.
Doch wieso eine weitere Jobplattform, wenn es doch schon unzählige gibt? Ein Grund seien die Kosten für die Unternehmern, erklärt Bernert. Bei größeren Plattformen seien die meist in einem Bereich, in dem sich die Ausschreibung einer Teilzeit- oder Ausbildungsstelle vor allem für kleinere Unternehmen nicht lohne. Außerdem könne der Fokus auf das Lokale vor allem aus Arbeitnehmersicht ein entscheidender Unterschied sein, sagt er.
Soziale Komponente entscheidend
„Die soziale Komponente spielt mit rein“, erklärt Bernert. Viele Leute hätten in der Region Freunde und Familie und würden deshalb oft erst lokal suchen. „Gerade wenn sie sich hier beispielsweise ein Haus gekauft haben und jetzt vom Stellenabbau betroffen sind, schauen die meisten, ob sie etwas vor Ort finden“, fügt Gerlinger hinzu. Zudem habe die Region um Stuttgart eine gute Infrastruktur, die für sie prägend sei.
Im besten Fall könne bei einem Job vor Ort oder in einer Nachbargemeinde auch auf das Auto und die Staus im Pendlerverkehr verzichtet werden, sagt Bernert. Denn der Faktor Nachhaltigkeit müsse bei einer solchen Plattform auf jeden Fall bedacht werden. Für Matrohs spielt hier der öffentliche Nahverkehr und dessen Ausbau eine wichtige Rolle. „In Deizisau bemühen wir uns beispielsweise um eine Buslinie auf die Fildern“, sagt er.
Matrohs sieht in und um Deizisau viel Potenzial – sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite. „Mit den Hochschulen, Universitäten und Ausbildungsbetrieben haben wir hier viele gut ausgebildete Fachkräfte“, erklärt er. Zudem gebe es in der Region auch moderne und innovative Unternehmen vor Ort.
Angebot und Nachfrage verknüpfen
„Work nearby“ soll nun dabei helfen, Angebot und Nachfrage zu verknüpfen. „Wir müssen die Frage klären, was die Region eigentlich bietet“, sagt Gerlinger. Lokale Jobangebote sollen übersichtlich dargestellt werden, sodass eine „S-Bahn-Bewerbung“ möglich sei, erklärt Bernert. Innerhalb von wenigen Minuten sollen potenzielle Arbeitnehmer ein erstes Kontaktformular auf der Webseite ausfüllen und so den Bewerbungsprozess einleiten können.
Langfristig gehe es darum, über den „Deizisauer Tellerrand“ hinauszuschauen, sagt Matrohs. „Das ist sogar zwingend notwendig“, erklärt Bernert. Im Landkreis Esslingen gibt es bereits neben denen aus Deizisau auch Stellenangebote aus Kirchheim und Nürtingen. Dadurch, dass sie auf die Potenziale vor Ort aufmerksam mache, trage die Plattform zur Förderung der Wirtschaft bei, erklärt Matrohs. „In einer Zeit, in der sich global orientiert wird, ist es wichtig, die lokale Wirtschaft zu stärken“, sagt er.
Arbeits- und Ausbildungsmarkt
Arbeitslosenquote
Im Februar 2025 waren im Landkreis Esslingen 13 597 Menschen als arbeitslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent entspricht. Verglichen mit Februar 2024 bedeutet dies einen Anstieg von 0,4 Prozent.
Wirtschaftsförderung
In der Stadt Esslingen ist das Amt für Wirtschaft die zentrale Anlaufstelle und der Ansprechpartner für Unternehmen. Zu den Aufgaben gehören etwa die Vermittlung von Ansprechpartnern oder Hilfe bei Gründungen.
Lehrstellen
Von Oktober 2023 bis September 2024 zählte die Bundesagentur für Arbeit im Kreis Esslingen 2373 Bewerber auf 3647 Ausbildungsstellen. Knapp die Hälfte der Bewerber meldete im September 2024 zurück, eine Berufsausbildung begonnen zu haben.