26 Bauleute sind am vergangenen Mittwoch am Stuttgarter Arbeitsgericht erschienen. Sie haben monatelang kein Geld bekommen. Jetzt springt Züblin für seinen Subunternehmer ein Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

26 Bauleute aus Osteuropa haben für ihre Arbeit auf einer Baustelle in Esslingen monatelang kein Geld gesehen. Jetzt gibt es Hoffnung: Züblin will für seinen Subunternehmer einspringen.

Stuttgart - Die 26 Bauleute aus Osteuropa, die seit März auf einer Esslinger Baustelle kein Geld mehr bekommen haben, dürfen hoffen. Der Subunternehmer, für den die jetzt mittellosen Männer gearbeitet haben, ist aber nicht der Grund dafür. Stattdessen springt der Generalunternehmer Züblin in die Bresche.

„In einem ersten Schritt haben wir den betroffenen Arbeitern schnell und unbürokratisch mit Unterkunft und Verpflegung geholfen. Außerdem werden wir die ausstehenden Nettolöhne ausbezahlen, obwohl wir diese für April bereits auch an den Subunternehmer entrichtet hatten“, sagt eine Züblin-Sprecherin.

Es sei ferner zugesagt, die Rückkehr der Männer in ihre Heimatländer zu organisieren und zu bezahlen. Man werde sich zudem dafür einsetzen, dass die Leute Arbeit bei einem anderen Subunternehmen bekommen. Züblin hatte zuvor betont, man prüfe seine Partner genau, sei aber nicht vor betrügerischen Absichten gefeit.

Die Arbeiter aus Kroatien, Polen, Ungarn und Rumänien waren am Mittwoch in voller Mannstärke beim Stuttgarter Arbeitsgericht erschienen, um den Rechtsweg zu beschreiten. Normalerweise tun ausgebeutete Arbeitskräfte aus Osteuropa das selten, weil sie mit Sprache und Rechtssystem nicht vertraut sind. Betreut werden sie von Katarina Frankovic vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“. Sie freut sich über die rasche Lösung: „Wir sind froh, dass die Leute untergebracht sind und nun auch abreisen können.“

Die Beteiligten wollen allerdings weitergehende Konsequenzen aus dem Fall ziehen. DGB, Betriebsseelsorge, der Zoll und Züblin wollen künftig einen Runden Tisch ins Leben rufen, an dem auch andere Bauunternehmen aus der Region Stuttgart teilnehmen sollen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Einhaltung der Gesetze und die Erhaltung menschlicher Würde nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden könne. Ziel soll zudem sein, einheitliche Standards für den Einsatz von Subunternehmen zu schaffen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: