Noch ist alles grau, aber bald schon sollen hier bis zu 700 Mitarbeiter im neuen Logistikzentrum Breuningers in Sachsenheim arbeiten Foto: factum/Bach

Das neue Logistikzentrum von Breuniger ist fast fertig. Vieles darin läuft vollautomatisch ab. Ein Blick ins Innere zeigt aber auch: Es gibt noch viel Platz für Expansion.

Sachsenheim - Noch sieht er ein wenig verloren aus: der etwa hüfthohe Roboter fährt langsam durch die große, graue Halle, lässt flache Plastikkisten von einem Rollband auf seinen „Kopf“, ebenfalls ein Rollband, fahren und befördert sie an einen Tisch. Dort soll dann in Zukunft ein Mitarbeiter stehen und die Lieferanten-Ware auspacken, etikettieren, falten und mit einem Preisschild versehen. „Wir liefern das Produkt dann verkaufsfertig in eine unserer Filialen“, sagt der Breuninger-Chef Holger Blecker. Deswegen nennt Breuninger das Logistikzentrum im Gewerbegebiet Eichwald in Sachsenheim auch Warendienstleistungszentrum – hier passiert mehr als nur einfaches Umpacken, das ist die Botschaft.

Noch sind die Plastikkisten aber leer. Die elektrisch betriebenen Roboter, die offiziell „Open Shuttle“ heißen, intern aber liebevoll wie der kleine Droide aus Star Wars, R2D2, bezeichnet werden, machen ein paar Probefahrten für die Presse.

Bis zu zwei Millionen Produkte können hier lagern

Aber von Mai an sollen hier bis zu 700 Mitarbeiter an einem der modernsten Logistikzentren Deutschlands arbeiten. Es soll sechs Lager-Standorte des Unternehmens in Baden-Württemberg ersetzen und Breuninger fit für den wachsenden Online-Handel machen. 2008 ging der E-Shop Breuningers online, wie hoch der Anteil der Online-Käufe mittlerweile ist, will Blecker aber nicht genau sagen, nur so viel: „Online ist ein sehr wichtiger und wachsender Vertriebsweg.“

Wie modern das neue Zentrum ist, sieht man vor allem bei einem Blick ins automatische Kommissionslager, kurz AKL genannt: in dieser 18 Meter hohen Halle können auf 30 Ebenen bis zu zwei Millionen Produkte lagern. Zwischen den Regalen sausen unter lautem Surren pro Gasse 30 Roboter ständig hin und her. Die Luft riecht elektrisch aufgeladen. Wo die Roboter was finden, sagt ihnen der Computer. Bis zu 2500 Kisten pro Stunde können sie so einlagern und auch wieder für den Versand herausholen.

31 Kilometer Kleiderstangen

Ebenso eindrucksvoll ist das Lager für so genannte Hängeware – beispielsweise Anzüge, die knitterfrei in den Breuninger-Häusern ankommen sollen. Die Kleiderstangen aneinandergereiht ergeben eine Länge von 31 Kilometern. „Das ist genau der Weg von hier bis nach Stuttgart“, sagt Oliver Peters, der Projektleiter des Warenzentrums. Ein Stockwerk tiefer winden sich Schlangen aus Aluminium an der Decke entlang – hier werden die Anzüge automatisiert weiterbefördert.

Was die Zeit- und Kostenpläne angeht, liegt Breuninger nach eigenen Angaben voll im Soll. 150 Millionen Euro hat das Unternehmen in das Zentrum investiert, die Bauzeit betrug zwei Jahre. Vollständig in Betrieb gehen soll das Zentrum, das über eine Bruttogeschossfläche von 76 240 Quadratmetern verfügt (elf Fußballfelder!), Mitte 2020.

Es sind erst die Hälfte der Flächen verbraucht

Beim Gang durch die Hallen fällt auf: Es gibt noch viele Leerflächen. Den Platz brauche man zum Teil für sperrige Ware wie Skis oder große Kochtöpfe. Andererseits sind das auch Flächen für einen möglichen Ausbau in der Zukunft. Zehn bis zwanzig Prozent Fläche bleibt deswegen erstmal frei in den Hallen. „Wenn wir Zwischenbühnen einbauen, wird es sogar noch mehr“, sagt Peters. Nach dieser Rechnung sei etwa erst ein wenig mehr als die Hälfte der Fläche verbraucht.

Und dennoch ist bereits absehbar, dass die Kapazitäten bald schon nicht mehr ausreichen werden. Breuninger will sich deswegen alle Optionen offenhalten, was weiteres Wachstum angeht. Auf dem aktuellen Gelände gibt es noch eine brach liegende Fläche, die bei einer Expansion 20 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zusätzlich brächte. Hier will man in den kommenden zwei Jahren mit den Planungen für den zweiten Bauabschnitt beginnen.

Eine mögliche Erweiterung war unter den Verbandskommunen umstritten

Zudem hat der Zweckverband Eichwald dem Shopping-Riesen jüngst zugesichert, in den kommenden fünf Jahren weitere fünf Hektar Fläche südlich des Lagers und jenseits der Bundesstraße dazukaufen zu dürfen – eine Entscheidung, die unter den vier Mitgliedskommunen Bietigheim-Bissingen, Sersheim, Sachsenheim und Oberriexingen umstritten war. Breuninger-Chef Blecker bemüht sich um diplomatische Worte: „Wir sehen die Erweiterungsmöglichkeit auch als Bekenntnis des Unternehmens für die Region.“

Bevor der erste Breuninger-Anzug das neue Warenzentrum verlässt, können Besucher sich einen Eindruck von den Dimensionen der Hallen machen. Nach der offiziellen Eröffnung findet an diesem Samstag von 12 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Das Unternehmen rechnet mit mehreren tausend Besuchern.

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