Geschäftsführer Thomas Uhlig (3.v.l.) und der Gärtringer Bürgermeister Thomas Riesch (Mitte) mit Trelleborg-CEO Peter Nilsson (3.v.r.) beim Band-Durchschnitt Foto: Stefanie Schlecht

Der Dichtungsspezialist weiht auf 16 000 Quadratmetern sein neues Logistikzentrum ein. Corona hatte die Eröffnung verzögert. Doch jetzt verblüfft es mit modernster Technik.

Das Gärtringer Gewerbegebiet Riedbrunnen II wächst und gedeiht. Dort, wo der Gärtringer Schlachthof jahrelang eher Negativ-Schlagzeilen produzierte, stehen die Zeichen auf Wachstum. Entsprechend gut gelaunt nahm Bürgermeister Thomas Riesch (CDU) gemeinsam mit Firmenvertretern am Montag eine goldene Schere in die Hand, um vor dem neuen Logistikzentrum der Firma Trelleborg das Band zu durchschneiden. Dabei hätte das ganz in schwarz gehaltene Gebäude eigentlich schon viel früher eingeweiht werden sollen.

 

Nach Baubeginn im Jahr 2020 warf zunächst die Corona-Pandemie die Arbeiten zurück. Dann die Einführung eines neuen SAP-Systems, die länger dauerte als geplant. Umso größer war die Euphorie am Montag, die Hallen nun endlich mit Leben zu füllen. „Unser neues Logistikzentrum Europa ist nicht nur ein bedeutender Meilenstein für uns als globaler Marktführer, sondern auch für unsere Kunden und die Region“, sagt Thomas Uhlig, Geschäftsführer und Präsident des globalen Lieferkettenmanagements.

Vom Flugzeugfenster bis zur Zapfanlage

Trelleborg ist ein global agierender Mischkonzern mit über 17 000 Mitarbeitern, der seinen Hauptsitz in der gleichnamigen Stadt in Südschweden nahe Malmö hat. Die deutsche Tochter Trelleborg Sealing Solutions mit Hauptsitz in Stuttgart-Vaihingen hat sich auf einen Bereich spezialisiert, der zwar überall gebraucht, aber kaum je besonders beachtet wird: Dichtungen und Lager. Sie kommen an Flugzeugfenstern ebenso zum Einsatz wie in Motoren, Hydraulik, Pneumatik oder in Abfüllanlagen in der Getränkeindustrie. Der Umsatz des Gesamtkonzerns lag 2025 bei 3,2 Milliarden Euro.

„Kunden in der Automobilbranche machen nur etwa 20 Prozent unseres Umsatzes aus“, sagt Geschäftsführer Thomas Uhlig. Die Diversifikation helfe, mit der derzeitigen Krise umzugehen. Zumal sich Trelleborg in dieser Nische die Position des Weltmarktführers erarbeitet hat. Wohl deswegen konnte man es sich leisten, die fertige Halle in Gärtringen rund eineinhalb Jahre leer stehen zu lassen, weil man mit der SAP-Software noch nicht so weit war.

Herzstück: Automatisiertes Lagersystem mit Stapel-Robotern Foto: Stefanie Schlecht

Das Herzstück des neuen Logistikzentrums lässt sich am besten von oben bestaunen. In zehn Metern Höhe ragt eine Metallbrücke über den Dingen oder besser gesagt über 60 000 Plastikboxen. Sie stehen dort sorgsam aufgestapelt in 14 Lagen. Sozusagen als Baldachin darüber erstreckt sich ein 35 mal 65 Meter messendes Schienenraster. Darauf flitzen wie von Geisterhand bewegt 32 Roboter – ebenfalls in Kastenform – und stapeln die Boxen von oben um.

Das weltweit schnellste Lagersystem seiner Art

Was für den Laien aussieht wie ein Realität gewordenes Computerspiel früher Tage, ist in Wahrheit ein ausgeklügeltes, automatisiertes Lagersystem. Es sei auf den Flächenbedarf gerechnet sogar das weltweit schnellste seiner Art, sagt ein Trelleborg-Mitarbeiter nicht ohne Stolz. Wie funktioniert es? Im Kern berechnet eine Software den effizientesten Weg, eine Warensendung für einen Kunden zu bestücken – und schickt die Roboter auf dem gerasterten Lagerdach los.

Die greifen mit herausfahrbaren Metallbändern nach den Boxen, stapeln sie um und suchen sich so die benötigten Teile zusammen. Heraus kommt eine fertig kommissionierte Lieferbox an einen Trelleborg-Kunden in Deutschland oder Europa, die sogleich den Versandweg antritt. Jeden Tag verlassen so mehr als 900 Lieferungen das Gärtringer Zentrum, das verkehrsgünstig an der A 81 gelegen ist. Sie sind das Ergebnis von mehr als 9000 Roboterbewegungen pro Tag. Und der Mensch?

Stolz auf das „Auto Store“: Trelleborg-Mitarbeiter am Eröffnungstag Foto: Stefanie Schlecht

Dem bleibt vor allem die Rolle des Inspizienten dieses sorgsam choreografierten Roboterballetts. Neben dem „Auto Store“, wie das Lagersystem heißt, hat Trelleborg ein ebenfalls automatisiertes Hochregallager errichtet. In bis zu 12,5 Metern Höhe surren hier autonom fahrende Gabelstapler durch die Reihen. „Deshalb muss der Estrichboden perfekt eben sein“, sagt einer der Logistikmitarbeiter. „Jede Bodenwelle würde die Fracht in zwölf Metern Höhe erheblich ins Schwanken bringen.“

Eine reine Logistikhalle allerdings hätte von der Gemeinde indes keine Genehmigung erhalten, sagt Bürgermeister Thomas Riesch. „Uns war es wichtig, dass in Gärtringen auch Bereiche mit einer eigenen Wertschöpfung angesiedelt sind.“ So entstand in der Halle außerdem ein Innovationszentrum, in dem Trelleborg-Mitarbeiter an neuen Kunststoffmischungen entwickeln und testen. Dazu muss man wissen, dass die Schweden schon seit rund 20 Jahren in Gärtringen ansässig sind.

Im Innovationszentrum entstehen neue Plastiksorten Foto: Stefanie Schlecht

Zuvor wickelten sie ihre Lieferungen in einer Kooperation mit dem benachbarten Logistik-Riesen Kühne und Nagel ab. Offenbar liefen die Geschäfte aber so gut, dass man sich für eine eigene Logistik entschied. Das kommt Gärtringen zugute: Die anfallenden Gewerbesteuern bleiben erhalten – oder steigen sogar. Immerhin beschäftigt Trelleborg in der neuen Halle rund 150 Mitarbeiter. Und hat Potenzial für weiteres Wachstum am Standort.

Zum Unternehmen: Trelleborg

Die Anfänge
von Trelleborg liegen in der Produktion von Traktorenreifen, was heute nur noch einen Teil des Konzerns ausmacht.

Die Geschäftsbereiche
erstrecken sich heute auf unterschiedlichste Arten von Dämpfungs- und Dichtungssystemen. Das Unternehmen ist in 40 Ländern vertreten, die Zentrale liegt in dem gleichnamigen Ort nahe Malmö.

In Deutschland
ist Trelleborg vor allem seit 2003 präsent durch die Übernahme des Stuttgarter Dichtungsherstellers Busak+Shamban, der auf O-Ringe spezialisiert war.

Die Deutschlandzentrale
befindet sich in der Schockenriedstraße in Stuttgart-Vaihingen und wurde 2018 eröffnet.