Auf dem Gelände an der B10 in Wangen soll ein neues, grünes Zentrum der Mobilität entstehen. Mit dem Baubeginn ist aber nicht vor 2029 zu rechnen.
Nur selten sind sich die Fraktionen im Gemeinderat so einig, wie beim geplanten Neubau auf dem Autohof in Wangen. Auf der 17.000 Quadratmeter großen Parkfläche zwischen der B10, den Otto-Konz-Brücken und der Hedelfinger Straße soll ein neues Zentrum der Mobilität entstehen. Das 100 auf 170 Meter große, fünfstöckige Gebäude soll durch eine großzügige Grünfläche ergänzt werden. Mit einem Baustart ist aber nicht vor 2029 zu rechnen.
Die Straßenverkehrsgenossenschaft Süd (SVG), einer der größten Dienstleister in der Transport- und Logistikbranche, hat bereits seit 2019 Pläne, „den Standort in Stuttgart nachhaltig für die Zukunft zu gestalten“, betonte der SVG-Projektentwickler Mukesh Singh im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik. Dafür nahm man gerne die städtische Idee eines Urban Sandwich auf, das Übereinanderstapeln von verschiedenen Nutzungen, um die Flächeneffizienz zu steigern. Doch wie für ein Projekt dieser Größenordnung in der Landeshauptstadt üblich, musste zunächst ein städtebaulicher Wettbewerb durchlaufen werden. Aber „wir sehen nun durchaus den Mehrwert dieser Qualitätsschleife“, zeigt sich Singh zufrieden.
Neuer Pausenhof für Schule und grüne Wegeführung
Der gemeinsame Siegerentwurf von Harris + Kurrle Architekten und Koeber Landschaftsarchitektur ist deutlich kleiner als die ursprüngliche Idee. Dennoch wird immer noch ein großer Teil der „Betonwüste“ überbaut. Im Erdgeschoss des 20 Meter hohen Gebäudes an der B10 sollen auf 10 000 Quadratmetern die bislang knapp 90 Lkw-Stellplätze bestehen bleiben. Im ersten Stock sollen rund 8500 Quadratmeter neue Logistikfläche entstehen. Auf den weiteren Stockwerken dann 12 000 Quadratmeter für weitere Gewerbeflächen sowie sonstige Nutzungen entstehen. „Das Dach wird dabei durch einen größeren Anteil an Grünflächen aufgelockert“, betonte Architekt Volker Kurrle. Zudem seien eine Fassadenbegrünung angedacht, Photovoltaikanlagen oder auch Regenwassernutzung denkbar.
Großes Lob erhielten die SVG und die Wettbewerbssieger aber für die Idee eines durchgehenden Grünzugs durch das Areal mit einer neuen Wegeverbindung. Die „große und außergewöhnlichste Herausforderung“, so Kurrle, sei bei der Planung gewesen, die geforderte ebenerdige Erweiterung des Pausenhofs der angrenzenden Wilhelmsschule zu integrieren. Aber auch ansonsten sollen „weitere Begrünungen für den bislang hoch versiegelten Bereich zu einer gravierenden Veränderung führen“, ergänzte Jochen Köber. Unter anderem ist ein Grüngürtel entlang der B10 geplant.
In den nun weiteren Planungen soll auch die Möglichkeit der Nutzung der hinter dem Autohof verlaufenden Industriegleise für die Mobilitätsdrehscheibe berücksichtigt werden, „erste Gespräche mit dem Hafen Stuttgart als Eigentümer laufen bereits“, betonte Singh. Und auch mit den Stadtwerken Stuttgart sei man hinsichtlich einer Anbindung an die geplante Wasserstoff-Pipeline im Neckartal im engen Austausch. Sollten die Planungen weiter voranschreiten, könnte bis in drei Jahren die Baureife für den ersten Logistik Hub in Stuttgart erreicht sein.
Autohof Wangen
Geschichte
Die Straßenverkehrsgenossenschaft (SVG) ist seit mehr als 100 Jahren einer der führenden Dienstleister in der Transport- und Logistikbranche. Der Ableger für Süddeutschland existiert ebenfalls seit mehr als 70 Jahren als einer der 15 regionalen Standorte. Neben München und Nürnberg ist einer größten Sitze seit mehr als 60 Jahren auf dem Autohof in Stuttgart-Wangen.
Funktion
Eine der Hauptaufgaben liegt im Versicherungs- und Arbeitsschutz für die Logistikbetriebe. Zudem schulen die 150 Mitarbeiter der SVG Süd – rund 70 davon in Stuttgart – etwa 10.000 Fernfahrer pro Jahr. Nicht zuletzt dient der Autohof als zentrale Anlaufstelle in der Region für Lkw-Fahrer und Energieversorger.