Logistikzentrum in Sachsenheim Breuninger baut für 150 Millionen Euro

Von Sven Hahn 

Die außen rund 30 Meter hohen Hallen des Breuningerbaus ragen bereits in den Himmel. Foto: StN
Die außen rund 30 Meter hohen Hallen des Breuningerbaus ragen bereits in den Himmel. Foto: StN

700 Arbeitsplätze, 130 000 Quadratmeter Nutzfläche und autonom fahrende Transportwagen. Wir haben einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des neuen Logistikzentrums von Breuninger erhalten. Und: das Großprojekt scheint früher als geplant fertig zu werden.

Stuttgart/Sachsenheim - Jeder Artikel, den der Warenhausriese Breuninger künftig verkauft, soll den Neubau in Sachsenheim durchlaufen. Das Logistikzentrum ist ­speziell auf die Anforderungen des Internethandels ausgerichtet – inklusive der rund 30 Kilometer Kleiderstangen, an der später ­einmal Anzüge hängen werden.

Es ist eine Investition von 150 Millionen Euro. 130 000 Quadratmeter Fläche werden gebaut. Anfang 2016 haben die Planungen für das Projekt begonnen, das im Breuninger-Sprech Warendienstleistungszentrum heißt. Im Juni 2017 wurden die Bauarbeiten gestartet. Ursprünglich sollte das Logistikzentrum im ersten Halbjahr 2020 den Betrieb aufnehmen. Dieser Zeitplan scheint jedoch nicht mehr ganz aktuell zu sein. Doch anders als bei vielen anderen Großbaustellen, rechnet Breuninger nicht mit Verzögerungen. „Wir überlegen, ob wir einzelne Abschnitte schon früher als geplant in Betrieb nehmen“, erklärt Projektleiter Oliver Peters und fügt an: „Die Bauarbeiten sind sehr flott vorangegangen.“

Mehr als 100 000 Kartons mit Ware im Lager

700 Menschen werden in den Hallen im Kreis Ludwigsburg einmal arbeiten – 200 Arbeitsplätze werden durch das Logistikzentrum zusätzlich im Unternehmen geschaffen. Gemacht wird in Sachsenheim später alles, was vor dem Verkauf eines Artikels ansteht. Das bedeutet zunächst, es gibt Lagerfläche. Die erste Halle hat eine Innenhöhe von 20 Metern. Auf 30 Ebenen stehen hier bereits die ersten Regale aus Metall, auf denen einmal mehr als 100 000 Kartons mit Anzügen, Hemden, Schuhen, Kleidern, Ski oder Koffern lagern werden. In sieben Gassen fahren dann automatische Shuttles durch die Regale und schnappen sich einen Artikel nach dem nächsten. Danach soll die Ware auf autonom fahrende Transportwagen geladen und zu den Mitarbeitern ­gebracht werden. „Wir bauen hier eines der modernsten Logistikzentren Europas und eines der größten im Modebereich“, sagt ­Peters. Allein die Kleiderstangen, an denen die sogenannte Hängeware – also etwa Anzüge – einmal hängen wird, haben eine Länge von insgesamt 30 Kilometern.

Ausgerichtet ist das Zentrum auf Wachstum – speziell im Internethandel. „Hier werden die Artikel für den Online-Shop in einem eigenen Fotostudio abgelichtet“, so Peters. Zudem werden die Menschen, die in Sachsenheim arbeiten, die Texte und Artikelbeschreibungen für die Kunden im Netz erstellen. Aus Unternehmenskreisen heißt es, der Online-Shop wachse jährlich im zweistelligen Bereich. Dieses Wachstum wolle man fortsetzen und zusätzlich in Me­tropolen wie Frankfurt und Hamburg weitere Filialen nach dem Vorbild der Häuser in Stuttgart oder Düsseldorf eröffnen.

Das Thema Verkehr hat bei der Vergabe der Flächen mitentschieden

Doch wie bei der Eröffnung neuer Filialen stand auch in Sachsenheim die Suche nach einem Grundstück am Anfang. Der Standort, der die Option zum Bau des Logistikzentrums geboten hat, ist der Gewerbepark Eichwald, ein Zweckverband aus vier Kommunen – Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen, Oberriexingen und Sersheim. In direkter Nachbarschaft unter anderem von Porsche ist Breuninger fündig geworden. Neben dem Argument, man sei ein lokales, renommiertes Unternehmen, hat bei den Verhandlungen um die Flächen offenbar das Thema Verkehr eine entscheidende Rolle gespielt. Breuninger will, anderes als viele Konkurrenten in der Mode- und Versandbranche, nicht 24-Stunden-Schichten fahren. Auch sollen die Anfahrten für den Versand der im Netz bestellten Ware auf 50 Fahrten am Tag gebündelt werden. „Dienstleister wie DHL und andere werden nur mit vollen Lkw hier losfahren“, erklärt Peters.

Das Richtfest für das Projekt findet am 10. Juli statt. Doch das bedeutet nicht, dass das Bauen in Sachsenheim ein Ende hat. „Der Standort ist auf Wachstum ausgerichtet“, betont Peters beim Verlassen der Baustelle ein weiteres Mal. Denn Breuninger wird seine bislang häufig angemieteten Logistikstandorte in Sindelfingen, Gerlingen, Leinfelden-Echterdingen, Bretten, Pleidelsheim und Neuenstadt im neuen Zentrum bündeln und hat nicht vor, dieses Konzept so schnell wieder aufzugeben. „Es gibt noch einen Teil des Grundstücks, auf dem wir weitere Anlagen und Hallen bauen könnten“, sagt Peters.

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