Die Bonpflicht trifft vor allem kleinere Betriebe. Foto: Leif Piechowski/Lichtgut

Die Bonpflicht sorgt vor allem bei kleineren Betrieben für Unmut. Eines der Hauptargumente gegen das Ausstellen von Belegen: weitaus mehr Müll als zuvor. Digitale Bons könnten dabei Abhilfe schaffen, stehen jedoch vor einem gewichtigen Problem.

Stuttgart - Die Bonpflicht ist ein Aufregerthema. Ausgestellt werden müssen die Belege seit Anfang 2020 von Betrieben, die computergestützte Kassensysteme benutzen, darunter Apotheken, Bäcker und Kioske. Zuvor durften sie auf die Ausgabe eines Bons verzichten. Eines ihrer Hauptargumente gegen die Pflicht bezieht sich auf wachsende Müllberge. Die Lösung für das Problem scheint allerdings naheliegend: der digitale Bon. Ist die Diskussion damit beendet?

Der Gesetzgeber hat für den digitalen Weg der Belegausgabe in jedem Fall schon einmal vorgesorgt. Im sogenannten Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen ist unter Punkt 6 folgender Satz zu finden: „Der Beleg kann [...] elektronisch oder in Papierform zur Verfügung gestellt werden.“ Die rechtliche Möglichkeit besteht also – und wird bereits von einigen Betrieben genutzt. So bietet der Lebensmittelhändler Rewe seinen Kunden seit Anfang 2020 an, den digitalen Bon per Mail zu verschicken. Nötig seien lediglich ein Kundenkonto und eine Payback-Karte.

Papierlos dank App

„Sobald der Kunde danach seine Payback-Karte im Rewe-Markt scannt, erhält er automatisch seinen Kassenbon im PDF-Format [...] an die im Rewe-Kundenkonto hinterlegte E-Mail-Adresse gesendet“, heißt es vom Unternehmen. Ein Papierbon werde dann nicht mehr ausgedruckt. Ebenso papierlos soll ein neues Konzept bei Kaufland funktionieren. Unter anderem in Backnang testet die Supermarktkette eine Handy-App, mit der etwa Pfand-Guthaben auf das Smartphone geladen werden kann.

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Bei Verbrauchern, die den digitalen Bon gerne ausprobieren würden, bahnt sich eine Befürchtung an. Groß scheint das Trauma der zahlreichen verschiedenen Streaminganbieter im Netz, die zum Konsumieren ihrer Produkte alle mit den eigenen Daten gefüttert werden wollen. Ist die digitale Lösung zur Bonpflicht also wirklich ein einzelnes Kundenkonto oder eine einzelne App für jeden Bäcker, jede Apotheke und jeden Friseur?

Die Frage des Datenschutzes

Nein, sagen zahlreiche Entwickler von neuen Anwendungen im Netz. Mit den Worten „Alle deine Bons in einer App“, wirbt etwa Wunderbon. Die Anwendung bietet Nutzern mitunter die Möglichkeit, händlerübergreifend Belege zu sammeln und damit einen schnellen und einfachen Überblick über die Bons zu bekommen. Andere Apps ,wie Smartbeleg oder Admin, verfolgen ähnliche Ziele. Die zwei signifikantesten Problem dieser Systeme: Kunden müssten sich die Apps installieren, um von ihnen Gebrauch zu machen. Und zweitens braucht es ein Vertrauen der Nutzer in die Anwendungen dahingehend, dass ihre bereitgestellten und zusammengeführten Daten weder von Hackern noch von den Entwicklern selbst missbräuchlich verwendet werden.

Eine einfachere Alternative zu Apps und Kundenkonten bieten QR-Codes. Die schwarz-weißen Muster lassen sich von modernen Handys problemlos per Kamera abscannen. Anschließend führen sie Nutzer häufig auf Internetseiten, die im Falle der Bons die Belege als Bilddatei anzeigen. Das Bild vom Bon muss dabei nicht erst heruntergeladen werden, sondern kann direkt im Browser betrachtet und gegebenenfalls auf dem Handy gespeichert werden. Die Angabe von persönlichen Daten wird nicht verlangt.

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Für Betriebe reicht es allerdings nicht aus, den Kunden an der Kasse lediglich einen QR-Code zur Verfügung zu stellen und damit komplett auf Papierbons zu verzichten, erklärt das Bundesfinanzministerium auf Anfrage. Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass jeder Kunde ein zum Scannen fähiges Smartphone besitzt und den Bon damit entgegennehmen kann.

„Der Kunde will’s ganz einfach nicht“

Digitale Bons stehen allerdings vor einem weitaus größeren Problem, als nur wegen der technischen Limitierungen. „95 Prozent unserer Kunden wollen weder einen digitalen noch einen ausgedruckten Beleg“, sagt Bettina Kaspar, Inhaberin der Bäckerei und Konditorei Café Nast in Stuttgart. „Wenn wir fragen, ob der Kunde einen Beleg will, ist er oft schon wieder draußen.“ Seit vergangenem Jahr sei in ihren sechs Filialen in Stuttgart das bargeldlose Bezahlen möglich. „Nicht einmal da wollen viele Kunden einen Bon, obwohl man ja nicht sofort weiß, was vom Konto abgebucht wurde.“ Für einen digitalen Beleg wäre sie zwar zu haben, „aber der Kunde will’s ganz einfach nicht.“ Und so steht der Bon vor einem grundsätzlichen Problem.

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