Rund um einen Knotenpunkt in Marbach (Kreis Ludwigsburg) will die Stadt den Verkehrsfluss verbessern und mehr Aufenthaltsqualität schaffen – mit einer unkonventionellen Lösung.
Zu den Stoßzeiten meidet man als Autofahrer besser den Bereich rund um den König-Wilhelm-Platz in Marbach. Vor allem der Knotenpunkt an der Graben- und Charlottenstraße ist oft überlastet. Fahrzeuge quetschen sich dann häufig bei Grün an der Ampel irgendwie noch in die verstopfte Kreuzung und blockieren in der Folge Wagen aus anderen Richtungen. Dieses Problem könnte jedoch bald schon Geschichte sein.
Die Stadt möchte an dieser Stelle einen Mini-Kreisel bauen lassen. Dadurch soll zum einen der Verkehrsfluss, zum anderen die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Die Abbiegespuren würden wegfallen und fortan zwei Fahrbahnen ausreichen. Die freigewordenen Seitenräume könnten ansprechender, zum Beispiel grüner oder mit Sitzbänken gestaltet werden.
Busse sollen direkt auf der Straße halten
Das gilt auch für das Gelände, das durch den anvisierten Wegfall der Busbuchten gewonnen wird. Die Busse sollen fortan an barrierefreien Hochboards auf der Straße stoppen, die Haltestelle vor der Bäckerei Keim hinunter vor die Praxis eines Kieferorthopäden verlagert werden, erklärt der Marbacher Stadtplaner Janus Baldermann.
Weiteren Gestaltungsspielraum schafft man, indem die Stellplätze vor der früheren Tierarztpraxis gestrichen werden sollen. Flankierend ist ferner angedacht, die Wächterstraße zur Einbahnstraße umzumodeln, die nur noch in Richtung Grundschule und Wohngebiet befahren werden dürfte – was Druck von der Kreuzung an der Grabenstraße/Charlottenstraße/König-Wilhelm-Platz nehmen würde, weil die Ortsdurchfahrt von der Wächterstraße aus nicht mehr angesteuert werden könnte.
Im Gegenzug wird man nach den vorliegenden Planungen künftig über die Wächterstraße und durchs Wohngebiet in die Uhlandstraße einbiegen dürfen, auf der bis hinunter zur Volksbank eine Einbahnstraßenregelung in Richtung Innenstadt gelten soll. Damit Autos aus der Uhlandstraße möglichst risikofrei nach links oder rechts in den König-Wilhelm-Platz abbiegen können, soll überdies die Fußgängerampel vor der Bäckerei Keim nach unten auf Höhe des Kieferorthopäden zum neuen Buskap versetzt werden, erklärt Janus Baldermann. Fordere ein Passant hier Grün an, werde es für die Autos auf der Ortsdurchfahrt rot und man könne sicher aus der Uhlandstraße herausfahren. In Aussicht stehe ferner, dass auf der Durchgangsstraße Tempo 30 angeordnet werde.
Kreisverkehr kann auch sehr hohes Aufkommen verkraften
Der Mini-Kreisel als Herzstück der ganzen Überlegungen trägt seinen Namen übrigens nicht zu Unrecht. Er soll einen Durchmesser von lediglich 22 Metern haben. Simulationen hätten gezeigt, dass über die Konstruktion der Verkehr mit seinen täglich rund 10.000 Fahrzeugen bewältigt werden könne, betonte der zuständige Planer Frank Gericke am Donnerstag im Gemeinderat, wo das Projekt präsentiert wurde. „Selbst mit 20 Prozent Mehrverkehr, die als Spitzen auftreten können, kommt der Kreisverkehr gut zurecht“, versicherte er. Dagegen würde eine Lösung mit Ampel bei solchen Werten in die Knie gehen.
Ein Manko bleibt, dass weiter kein Platz für einen separaten Radweg sein wird. Vielleicht lasse sich aber der Radstreifen von der Güntterstraße herauf aufnehmen, um die Radler dann aus dem Kreisel heraus über den König-Wilhelm-Platz weiterzuführen, sagt Janus Baldermann. „Wir brauchen auf alle Fälle ein sicheres und schlüssiges Fuß- und Radwegekonzept“, konstatiert er. So müsse auch geklärt werden, ob an den Ausgängen des Kreisels Zebrastreifen oder Mittelinseln die besseren Alternativen zur Querung seien. Wichtig sei zudem, bei der Umgestaltung die Bürger mitzunehmen.
Alle offenen Fragen sollen bis spätestens 2027 geklärt sein. Dann wolle man mit der Umsetzung beginnen, verkündet Baldermann. Im Gemeinderat stieß das Grundkonzept fast durch die Bank auf Wohlwollen.