Das Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost beim Echterdinger Ei: Dort wird in den nächsten Jahren wohl noch etwas dichter und höher gebaut werden. Foto: Manfred Storck

In dem Stuttgarter Gewerbegebiet beim Echterdinger Ei ist guter Rat teuer. Staus gehören zum Alltag. Und die Lage droht noch schlimmer zu werden. Vom Lösungsvorschlag der Stadtplaner halten die Fraktionen im Rathaus trotzdem nicht viel.

Stuttgart - Schlechte Aussichten für die Stadtplaner im Rathaus: Zur rascheren Lösung der Verkehrsprobleme im Bereich Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost hofften sie darauf, dass der Gemeinderat einen Verkehrsversuch genehmigt. Im Technik-Ausschuss des Gremiums bekamen sie aber nur ein deutliches Signal, dass eine Mehrheit im Rathaus nichts davon hält.

Mit dem Versuch würde man den Autofahrern auf der Kurt-Schumacher-Straße in Höhe der Körsch die Weiterfahrt in Richtung Landhauskreuzung verbauen. Autos könnten aber weiterhin ins Wohngebiet Fasanenhof fahren.

Verdrängungsverkehr zum Wohngebiet befürchtet

Die Stadtplaner versprechen sich davon ein günstigeres Verkehrsaufkommen am Knotenpunkt B27/Schelmenwasen/Heigelinstraße, einen besseren Verkehrsabfluss am späten Nachmittag und eine Bündelung des Autoverkehrs auf die B 27. Das Verkehrsaufkommen werde so reduziert, dass der Kreisel, durch den von und zum Gewerbegebiet alle durch müssen und von dem oft Staus ausgehen, mehr Autos verkraftet. Zugleich will die Verwaltung den gebietsfremden Autoausweichverkehr – etwa von der B 27 über die Heigelinstraße in Richtung Möhringen – verringern.

Die Kritiker befürchten, dass Autos ins Wohngebiet abgedrängt würden, Einwohner des Fasanenhofs und des Stadtteils Möhringen unzumutbare Umwege in Kauf nehmen müssten und die neuen Läden am Europaplatz unrentabel werden. Vergeblich wies ein Vertreter des Stadtplanungsamts darauf hin, dass nach einer rechnerischen Untersuchung „keine negativen Auswirkungen auf das Wohngebiet“ zu erwarten seien. Dennoch wandten sich die CDU, die Grünen und die SPD gegen den Versuch. Lieber keine kurzfristigen Aktionen, empfahlen sie, lieber so bald wie möglich die Ampelsteuerungen verbessern und jeweils Doppelfahrstreifen von und zur Bundesstraße 27 anstreben, den Knotenpunkt in einem zweiten Schritt umbauen.

Zweiter Direktanschluss kaum möglich

Massive Probleme gebe es eigentlich nur in Spitzenstunden des Verkehrsaufkommens, sagte Beate Schiener (Grüne). Carl-Christian Vetter (CDU) urteilte, man müsste mehr öffentlichen Verkehr in Richtung Filderstadt, Reutlingen und Tübingen schaffen, denn gut ans Schienenetz angebunden ist das Gebiet bisher nur in Richtung Innenstadt und Stuttgarter Nordbezirke. Martin Körner (SPD) hielt dagegen, der künftige Flughafenbahnhof und die Stadtbahnlinie U6, die 2022 die Messepiazza und den Flughafen erschließen soll, würden bessere Verbindungen von und nach Reutlingen/Tübingen schaffen. Darauf bauen auch die Stadtplaner. Relativ konkret seien Überlegungen der Stuttgarter Straßenbahnen AG für Entlastung durch eine neue Schnellbuslinie auf einer Strecke zwischen Filderstadt und Degerloch über Fasanenhof-Ost und das Sternhäule.

Ein weiterer Direktanschluss an die B 27 oder eine eigene Autobahnanschlussstelle sei ausgeschlossen, teilte die Verwaltung dem FDP-Stadtrat Michael Conz mit. Allenfalls eine Landesstraße könne bis zum Fasanenhof-Ost geführt werden. Das wäre aber kein kurzfristiges Projekt und würde enormen Flächenverbrauch bedeuten.

Dauerparken soll verhindert werden

Der Knotenpunkt im Gewerbegebiet ist regelmäßig überlastet. In der Spitzenstunde nachmittags würden sich manchmal bis zu 100 Autos stauen, deren Fahrer das Gewerbegebiet verlassen wollen, erklärte die Verwaltung. Täglich fahren rund 6000 Autos in dieses Gebiet und wieder weg, ergab eine Untersuchung. Die Bedeutung wird eher noch wachsen, die Flächen dürften noch stärker und höher bebaut werden. Schon jetzt gebe es viele Falschparker und Langzeitparker. Wenn die U6-Stadtbahnen zum Flughafen fahren, müsse man damit rechnen, dass Fluggäste hier günstig parken und mit dem Kurzstreckenticket günstig zum Flughafen fahren wollen. Die Verwaltung strebt die Einführung von Parkgebühren bis Ende 2021 für das Parken auf den rund 550 öffentlichen Stellplätzen im Straßenraum an. Sie will das Gehwegparken reduzieren, damit Fußgänger besser durchkommen. Dauerparken möchte sie verhindern, die Radwege verbessern.

Am 3. Dezember will Städtebau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold (Grüne) an einem Runden Tisch im Fasanenhof Lösungen sondieren. Danach plant die Verwaltung den zuständigen Gremien eine konkrete Beschlussvorlage vorzulegen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: