Aufgrund der Coronapandemie und des anhaltenden Lockdowns bestellen die Menschen mehr Waren online. Das hat Auswirkungen auf unseren Abfall – vor allem aufs Altpapier und auf den Sperrmüll.
Stuttgart - Leere Klopapierrollen. Pizzakartons. Und dann noch die unzähligen Päckchen dieses amerikanischen Online-Riesen mit dem abgerundeten Pfeil als Logo. Seitdem die Menschen viel mehr Zeit zuhause verbringen, verändert sich auch das, was in ihren Mülltonnen landet. Das baden-württembergische Umweltministerium formuliert es so: „In Folge der veränderten Lebensführung, insbesondere durch die starke Zunahmen des Homeoffice, ist eine Verschiebung der Abfallmengen eingetreten.“ Entsorger berichteten von einem Anstieg von bis zu 20 Prozent des Haushaltsmülls in den ersten Monaten der Pandemie, während Gewerbe- und Industrieabfälle weniger wurden.
Beim Altpapier fällt die Pandemie besonders ins Gewicht: Während sich laut dem Umweltministerium die Gewichtsmenge insgesamt kaum verändert habe und durch weniger grafische Papiere – also etwa Zeitschriften, Zeitungen oder Kopierpapier – teilweise sogar zurückgegangen wäre, sei das Mengenvolumen durch mehr Verpackungsmüll aus Pappe und Karton gewachsen.
Die Online-Einkäufe zeigen sich im Abfall
Das ist zum einen auf den generellen Trend zum Online-Einkauf zurückzuführen, zum anderen auf den Lockdown und die vielen geschlossenen Läden. Denn die meisten Online-Bestellungen kommen in Papierverpackung an. Von Januar bis Oktober 2020 wurden gut 10,3 Millionen Tonnen Verpackungen aus Papier, Karton und Pappe in Deutschland produziert – das ist ein Anstieg um rund 1,7 Prozent gegenüber des Vorjahrs. „Die gestiegenen Online-Einkäufe haben einen spürbaren Einfluss auf das Verpackungsaufkommen“, sagt Matthias Schmid, ein Sprecher des Umweltministeriums. Schätzungen zufolge sei auch die Abfallmenge in gelben Säcken und gelben Tonnen seit März 2020 bundesweit um etwa zehn Prozent gestiegen (Stand Juni 2020).
Nach dem ersten Lockdown waren die Abfallmengen kurz rückläufig gewesen, Ende 2020 stiegen sie im zweiten Lockdown wieder an, teilt das Umweltministerium mit. Bisher gebe es noch keine Gesamtbilanz für 2020, die Entsorger rechneten aber mit einem Mengenzuwachs von je knapp sechs Prozent bei Altglas und bei Leichtverpackungen. „Solange der Lockdown anhält, werden die Bürger vermehrt Waren online bestellen“, lässt auch Nora Lenz-Gaspary für die Abfallwirtschaft in Stuttgart ausrichten. Es sei mit mehr Müll aus Papier, Pappe und Kartonagen zu rechnen. Im vergangenen Jahr wurden aus Stuttgarter Haushalten insgesamt 37 400 Tonnen Papier, Pappe und Kartonagen abgefahren, außerdem 1746 Tonnen Altpapier auf den Wertstoffhöfen abgegeben. Generell halte der rückläufige Trend beim Altpapier aber an: 2019 waren es in Stuttgart rund 41 100 Tonnen, 2020 nur noch 39 135 Tonnen.
Oft wirke es nur so, als seien die Papiercontainer voll
Ganz ähnlich äußert sich Stefanie Baudy von der Abfallwirtschaft im Rems-Murr-Kreis: „Auch wenn es den Anschein erweckt, dass gerade im Altpapierbereich die Mengen gestiegen sind, ist das tatsächlich nicht so.“ Lediglich im Monat Januar könne man immer eine Spitze erkennen; dann sei die Menge des Altpapiers etwa 20 Prozent höher als in den anderen Monaten. Auch im Rems-Murr-Kreis könne man aber beobachten, dass die Menge an Altpapier als solchem, also Zeitungen und Ähnlichem, eher zurück gehe, dafür aber die Menge der Kartonagen zunehme.
Genau darin liegt auch ein Problem: Denn obwohl es überall Annahmestellen für Kartonagen gibt, würden viele für ihre ausgedienten Päckchen die Papiercontainer vor ihren Häusern nutzen. „Diese Kartons werden dann aber oft nicht zerkleinert sondern nur kurz gefaltet“, sagt Baudy. Dies führe dazu, dass die Container schnell überfüllt wirken, obwohl nur die Einwurfluke versperrt sei. Leider sei es oft so, dass die nächste Person ihre Kartons neben dem Container abstelle, „nach dem Motto, ‚wird schon jemand entsorgen’“.
Mehr Sperrmüll und mehr Bioabfälle
Wohl am stärksten auf Corona zurückzuführen ist die Tatsache, dass es mehr Sperrmüll gibt. Viele Menschen haben das vergangene Jahr zum Entrümpeln genutzt: Von 2019 auf 2020 hat die Menge des Sperrabfalls allein in Stuttgart um rund zehn Prozent zugenommen; von 19 560 auf 21 850 Tonnen. Etwas gesunken ist dagegen die Menge des Restabfalls: In Stuttgart wurden 2020 etwa 114 500 Tonnen Restmüll abgefahren, im Vorjahr waren es rund 119 300 Tonnen. Beim Biomüll ist die Menge von 25 300 Tonnen 2019 auf 26 900 Tonnen gestiegen. Das dürfte auch daran liegen, dass viele Menschen zuhause und im Homeoffice mehr frisch kochen.