Seit Januar fährt ein Nachtbus durch Leonberg. Planung, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit haben Jugendliche übernommen. Dafür gab es jetzt einen Preis.
Das baden-württembergische Verkehrsministerium hat das Projekt rund um die Leonberger Nachtbuslinie N63 mit dem Preis „Wir machen Mobilitätswende“ geehrt. Seit Januar ist der Nachtbus am Wochenende unterwegs, der Impuls für seine Einführung kam aus dem Leonberger Jugendausschuss. Die beiden Initiatoren Johnny Wetsch und Tillmann Häbe bekamen den Sonderpreis in der Kategorie „Kommunikation“ bei einer Gala im Stuttgarter Wizemann von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) überreicht.
Beide hatten sich während ihrer Zeit beim Leonberger Jugendausschuss für die frühzeitige Einführung einer Nachtbuslinie eingesetzt, die die S-Bahn-Haltestellen Leonberg und Universität in Stuttgart mit den Leonberger Teilorten und der Gerlinger Schillerhöhe verbindet. „Es haben sich Freunde von mir beschwert, dass sie nachts am Wochenende nicht mehr nach Hause kommen“, berichtet Jonny Wetsch in einem Video, das das Ministerium über das Nachtbusprojekt veröffentlicht hat. „Da musste man eine Lösung finden.“
Die Jugendlichen haben den Leonberger Nachtbus N63 selbst finanziert
Bemerkenswert ist auch: Die Finanzierung des Nachtbusses für dieses Jahr haben die Jugendlichen ausschließlich aus dem Budget des Jugendausschusses bezahlt. Rund 60 000 Euro kostet das – bei einem Gesamtetat von 80 000 Euro. Ab 2026 übernimmt der Landkreis die Finanzierung. Die Jugendlichen wollten mit dem Projekt aber ein Jahr früher starten: Bereits seit Januar 2025 ist der Bus schon unterwegs, an Wochenenden und vor Feiertagen.
Aber nicht nur die Idee und die Finanzierung kamen von den Jugendlichen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit hat der Jugendausschuss selbst konzipiert und umgesetzt. „Für den Nachtbus haben wir versucht, eine kleine Minimarke zu schaffen“, erklärt Tillmann Häbe im Video. Angelehnt an das blaue, sechseckige Symbol der Stuttgarter Nachtbusse ist in der Folge das N63-Logo entstanden. In aufwendigen Plakataktionen haben die Jugendlichen das Sechseck dann mit passenden Emojis ersetzt. Außerdem haben sie mit QR-Codes gearbeitet und einer zentralen Info-Homepage, sogar eine Nachtbus-Playlist auf Spotify gab es.
Leonberger Nachtbus ist eines von vier ausgezeichneten Projekten
Das Verkehrsministerium hat dieses Engagement überzeugt. „Zwei junge Menschen haben mit Ausdauer und Engagement den ersten Nachtbus für Leonberg durchgesetzt – inklusive Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung und Fahrplan“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. „Ein beeindruckendes Beispiel für Jugendbeteiligung, das außerdem einen aktiven Beitrag zur Verkehrssicherheit und zur Kriminalprävention leistet.“
Der Preis in der Kategorie „Kommunikation“ ist einer von fünf, die bei „Wir machen Mobilitätswende“ verliehen wurden. Insgesamt wurden vier baden-württembergische Projekte ausgezeichnet, eines gleich doppelt. Zwölf Projekte waren nominiert worden.
Leonberger Nachtbus N63 wird sehr gut angenommen
Der Nachtbus erfreut sich seit seiner Einführung einer besonderen Beliebtheit. Bereits in den ersten Monaten waren der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) sowie das durchführende Busunternehmen Seitter mit Sitz in Friolzheim mehr als zufrieden mit den Fahrgastzahlen.
Freude herrscht seitdem auch besonders unter jungen Menschen: „Der Nachtbus ist eines der wichtigsten Projekte, die ich während meiner Zeit beim Ausschuss umgesetzt habe“, kommentierte Tillmann Häbe im März gegenüber unserer Zeitung. Als Warmbronner könne er endlich nachts von Stuttgart und Leonberg nach Hause kommen, ohne viel Geld für ein Taxi auszugeben.