Die Atacama-Wüste ist einer der trockensten Orte der Welt. Foto: dpa

Christine Roser-Hasenclever aus Weil der Stadt und ihre Familie haben das Fest der Geburt Jesu in der Wüste erlebt.

LKZ-Adventskalender - Da saßen wir nun mitten in der Wüste Atacama, im Norden Chiles: ein paar deutsche Familien, im Wohnmobil unterwegs durch Südamerika. Wir hatten beschlossen, den 24. Dezember auf dem Campingplatz in San Pedro de Atacama zu verbringen. Denn die Kinder, allesamt im Grundschulalter und jünger, sollten ein möglichst „normales“ Weihnachtsfest erleben. Was konnten die armen Kids schließlich dafür, dass ihre Eltern ausgerechnet in Südamerika arbeiten mussten, wo Heiligabend im Sommer ist! Heute muss ich über den pädagogischen Eifer von uns jungen Eltern lachen.

Eine Kollegin wollte es ganz besonders romantisch und traditionell: Sie hatte bunt bedruckte Papierservietten, Strohsterne, Kerzen, Figürchen und andere Dekoration mitgebracht und breitete diese nun auf den zusammengerückten Campingtischen aus. In der schnell hereinbrechenden Nacht leuchteten Millionen von Sternen. Alle saßen im Kreis um die Tische, die Geschenke wurden ausgelegt, es gab selbst gebackene Kekse und dazu Punsch – aber richtige Stimmung wollte nicht aufkommen.

Ein eisiger Wind zerrt an der Weihnachtsdeko

Die Nächte in der Wüste können empfindlich kalt werden. Um uns herum war es stockfinster geworden und nur ein paar Petroleumlampen warfen tanzende Schatten auf die kahlen Felsen und den Sand. Die Kleineren bekamen ein bisschen Angst, auch weil ein eisiger Wind immer mehr an der Weihnachtsdekoration zerrte, so dass wir sie mit Steinen beschwerten. Die Kerzen mussten immer wieder neu angezündet werden und zum Vorlesen der Weihnachts­geschichte brauchten wir eine Taschenlampe.

„Los, wir machen Musik!“, rief meine Kollegin aufmunternd. Alle Kinder im Flötenalter hatten ihre Instrumente dabei, Noten wurden auf dem Sand ausgelegt und gesichert. „Was soll das bedeuten“ ertönte es und „Es ist ein Ros entsprungen“. Der Wind riss die Töne fort, die Finger wurden klamm. Und dann übernahm die Natur das Kommando und machte dem merkwürdigen Treiben der Menschen ein jähes Ende: Eine heftige Windböe fegte die Berge herab, pustete die Kerzen aus und riss die gesamte Weihnachtsdeko mit sich fort: Servietten, Sterne, Lametta und Co. verschwanden im Dunkel der Wüstennacht.

Niemand hatte jetzt mehr Lust auf ein traditionelles deutsches Weihnachtsfest. Dafür verstanden unsere Kinder nun, dass sie gerade den Heiligen Abend in einer Umgebung erlebten, die dem Originalschauplatz der Geburt Christi wohl sehr nahe kam.

Die Leser schreiben

Das Leben hat die Geschichten geschrieben, unsere Leserinnen und Leser haben sie freundlicherweise für uns und für Sie aufgeschrieben. In diesem Jahr bringen wir einen Adventskalender der besonderen Art. Die Redaktion hatte die Leser gebeten, das Erlebte festzuhalten, was sich am eindringlichsten mit der Advents- und Weihnachtszeit in ihrem Gedächtnis verankert hat. Es sind bewegende, rührende, lustige, auch nostalgische Geschichten, die Sie erfahren, wenn bis Weihnachten jeden Tag ein Kästchen mit Überraschungen geöffnet wird.

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