Daimler Truck will im Osten von Leinfelden nun doch keinen Neubau mehr errichten, sondern eine Bestandsimmobilie in der Nähe des bereits existierenden Firmengebäudes entwickeln. Was sind die Gründe? Und was heißt das für die Mitarbeiter?
Nun hat Daimler Truck der Stadt Leinfelden-Echterdigen doch wieder abgesagt: Der Lastwagen- und Busbauer wollte noch im Mai seinen Sitz auf den Fildern ausbauen. Um seine Mitarbeiter aus Untertürkheim an die Zentrale nach Leinfelden-Echterdingen zu holen, wollte das Unternehmen eigentlich einen zweiteiligen Gebäudekomplex mit fünf Stockwerken im Osten von Leinfelden errichten. Mehr als 2300 Arbeitsplätze, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung, wären so im nördlichen Teil des Gebiets Rötlesäcker angesiedelt worden.
Auch Details zu diesen Plänen gab es schon: Die Erschließung sollte über die Maybachstraße und den Bussardweg erfolgen, sodass die Wohngebiete nicht mit zusätzlichem Verkehr belastet werden. In einer Tiefgarage sollte es 650 Parkplätze geben.
Die Pläne sind vom Tisch
Jetzt aber hat sich die Situation gedreht. Wie mehrere Fraktionen bei ihren Haushaltsreden in der jüngsten Gemeinderatssitzung von Leinfelden-Echterdingen durchblicken ließen, sind die Pläne vom Tisch. Der Konzern will demnach in Unteraichen nun doch kein neues Gebäude errichten, sondern vielmehr eine Immobilie am Fasanenweg – also in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Firmengebäude weiterentwickeln.
Ein Unternehmenssprecher schreibt dazu unserer Zeitung: „Daimler Truck überprüft kontinuierlich die Flächenbedarfe auf mögliche Optimierungen.“ Die Pläne zur geplanten Gewerbegebietsentwicklung Rötlesäcker in Leinfelden-Echterdingen hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt. Für die aktuellen Umzugspläne der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen aus dem Neckartal wäre eine Ansiedlung im Gewerbegebiet Rötlesäcker allerdings zu spät gekommen. Deshalb befinde sich das Unternehmen mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen in konstruktiven Gesprächen über eine alternative Realisierung am Fasanenweg in Leinfelden-Unteraichen – ebenfalls in unmittelbar Nähe zur Zentrale von Daimler Truck.
Aus gut informierten Kreisen ist zu hören, dass die Verhandlungen der Stadt mit den Grundstückseigentümern zu spät begonnen hätten. Das Problem: Der Stadt gehört in den Rötlesäckern keine Fläche, die Grundstücke müssen aufgekauft werden. Die Eigentümer seien mit dem gebotenen Preis nicht zufrieden gewesen.
Das Ziel sei weiterhin, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Leinfelder Zentrale zusammenzuholen, erklärt ein anderer Daimler-Truck-Sprecher auf Nachfrage. Wie viele Menschen in dem Bestandsgebäude am Fasanenweg künftig ihren Arbeitsplatz haben könnten und wer genau dort untergebracht werden soll, dazu wolle sich das Unternehmen aktuell nicht äußern.
Oberbürgermeister Otto Ruppaner nimmt die Entscheidung von Daimler Truck derweil offenbar sportlich: „Das ist für uns ein klares Bekenntnis zum Standort Leinfelden-Echterdingen und seinen Vorzügen“, wird er in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert. Durch die Nutzung versiegelter Flächen würde zudem das Thema Nachhaltigkeit berücksichtigt werden, ergänzt er.
Aus seiner Sicht sollte die Stadt Leinfelden-Echterdingen an der Entwicklung des Gewerbegebiets Rötlesäcker festhalten und dort unter anderem Platz für den Transformationsprozess örtlicher Firmen, aber auch für Start-ups anbieten. Auch die zusammen mit dem Fraunhofer-Institut erarbeiteten Ideen für das Gebiet sollten weiterhin verwirklicht werden.
Stadt soll keine Grundstücke mehr ankaufen
Dieser Meinung sind allerdings nicht alle: Die Grünen-Fraktion hat nun beantragt, dass die Stadt in den Rötlesäckern gar keine Grundstücke mehr ankauft und zunächst auf die Erschließung und Aufsiedlung des Gebietes verzichtet. Die Stadt könnte so knapp sechs Millionen Euro im kommenden Doppelhaushalt sparen, rechnete Fraktionschef David Armbruster vor. Jürgen Kemmner (L.E. Bürger/DiB) hält es dagegen nicht für sinnvoll, die Entwicklung des Gebiets ruhen zu lassen. „Die Stadt sollte die Rötlesäcker Nord so weit entwickeln, dass wir Interessenten aus der Wirtschaft schnell und umfassend ein Angebot unterbreiten können, sollten sie in unserer Stadt ein Potenzial für ihr Unternehmen sehen“, betont er.
Die CDU-Fraktion drängt derweil auf Gewerbeflächen mit Baurecht. „Hier ist dringend ein schnelleres Handeln gefordert“, betonte Fraktionschefin Ilona Koch. Andernfalls werde Leinfelden-Echterdingen im harten Wettbewerb um renommierte und attraktive Unternehmen nicht bestehen können. Die Absage von Daimler Truck möge der Stadt eine Lehre sein.
Zukunftstechnologien
Günstige Verkehrsanbindung
Dass Daimler Truck seinen Standort auf den Fildern ausbauen wollte, hatte mehrere Gründe. Die günstige Verkehrsanbindung im Vergleich zum Neckartal war einer davon. Die Autobahn ist vor der Haustüre, bald soll noch ein Fernbahnhof dazukommen. Auch die Nähe zum Flughafen dürfte für das international agierende Unternehmen eine Rolle gespielt haben.
Potenzial der Rötlesäcker
Die Stadt Leinfelden-Echterdingen verfolgt das Ziel, dass sich in den Rötlesäckern Unternehmen ansiedeln, die an Zukunftstechnologien arbeiten. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hatte Möglichkeiten für das Gebiet untersucht. Aus Sicht des Instituts könnten dort in einigen Jahren Firmen angesiedelt werden, die sich beispielsweise mit künstlicher Intelligenz, Robotik, Green-Tech oder Bioökonomie beschäftigen.