Aus „Das Schloss“ von Jaromír 99 und David Zane Mairowitz, das Anfang 2014 auf Deutsch im Münchner Knesebeck Verlag erscheinen wird. Foto: Reprodukt

Drei Comics bilden die Grundlage der Ausstellung „K:KafKa in KomiKs“: „Kafka“, „Der Prozess“ sowie „Das Schloss“. Sie sind Teil eines Trends: Immer mehr Zeichner nehmen sich literarische Werke als Grundlage für ihren Comic.

Drei Comics bilden die Grundlage der Ausstellung „K:KafKa in KomiKs“: „Kafka“, „Der Prozess“ sowie „Das Schloss“. Sie sind Teil eines Trends: Immer mehr Zeichner nehmen sich literarische Werke als Grundlage für ihren Comic.

Stuttgart - Ob sie Franz Kafka wohl gefallen hätten? All diese Comics über ihn und sein Werk, die derzeit auf den Markt kommen? Wohl eher nicht, betrachtete der Autor aus Prag doch schon zu Lebzeiten die meisten Illustrationen seiner Bücher äußerst skeptisch.

Überwiegend wohlwollend sind diese Adaptionen indes vom Publikum aufgenommen worden. Klar, Comics lesen längst nicht mehr nur Kinder, und so ist es naheliegend, dass immer mehr Zeichner große Literaturvorlagen als Grundlage für ihre Comics wählen: Immer mehr Literatur-Adaptionen kommen auf den Comicmarkt. Genannt seien „Flughunde“ von Marcel Beyer (Text) und Ulli Lust (Zeichnung), „Huck Finn“ von Olivia Viewg nach Mark Twain oder „The Graphic Canon – Weltliteratur als Graphic Novel“, herausgegeben von Russ Kick.

Literaturumsetzungen: Ein Phänomen, das verstärkt auftritt, aber keinesfalls neu ist. Nur: Wer weiß schon, dass Tarzan ursprünglich der Held in einem Roman von Edgar Rice Burroughs war – und erst dann zum Comic-Helden wurde? Kinder lernen auch Heidi oder Biene Maja oft zunächst als lustige Comicfiguren kennen.

Heute nutzt man die Begeisterung für Comics, die als Kunstgattung übrigens schon mehr als hundert Jahre alt sind, gerne auch zu pädagogischen Zwecken. Die Reihe „Brockhaus Literaturcomics“ bereitet Klassiker der Weltliteratur im Comic-Format auf. Sie will so „Jugendliche an das Lesen großer Meisterwerke heranführen“. Ein Ansatz, der grundsätzlich nicht schlecht ist, denn wo sonst lässt sich ein zwischen Bild und Schrift hin und her springender, hüpfender Blick so ergötzlich üben?

Kafkas Werk mithilfe seiner Biografie gedeutet

Und wie ist das bei Erwachsenen? Müssen die auch an die Klassiker herangeführt werden? Nun: im besten Fall begreifen die Zeichner den Comic als ein Medium, in dem sich den literarischen Vorbildern neue Interpretationen abringen lassen: Sie denken die Vorlage weiter oder spielen mit ihr. Kurz: Sie würdigen die Zeichnung nicht zum bloßen – illustrativen – Mittel zum Zweck herab.

Das will von heute an auch die Ausstellung „K: KafKa in KomiKs“ im Literaturhaus Stuttgart zeigen. Drei Bücher bilden die Grundlage der Ausstellung: Zum einen ist da „Kafka“, das der Hörspiel- und Comicautor David Zane Mairowitz gemeinsam mit Robert Crumb, dem Pionier des amerikanischen Underground-Comics, auf den Markt brachte. Zum anderen „Der Prozess“, den Mairowitz in Zusammenarbeit mit der französischen Zeichnerin Chantal Montellier veröffentlichte. Anfang diesen Jahres hat Mairowitz nun mit dem tschechischen Musiker und Zeichner Jaromír 99 „Das Schloss“ in einem Comic adaptiert, das Anfang 2014 auf Deutsch im Münchner Knesebeck Verlag erscheinen wird.

In „Kafka“ haben Mairowitz und Crumb versucht, das Wesentliche über Kafka zusammenzutragen, es ist eine Art Sachbuch. „Kafkas Themen wie der Selbsthass, seine Beziehung zu Frauen, die Schuldfrage sind auch meine. Er ist mein Bruder im Geiste“, sagt Crumb. Kafkas meist düsteren Lebenswelten und die Lebensbilder, die er entwirft, sind von Crumb in seinem ihm eigenen schroffen Zeichenstil in schwarz-weiß gezeichnet. Allerdings wird Kafkas Werk hier mithilfe seiner Biografie gedeutet. Ob dieser Ansatz der passende ist, darüber lässt sich streiten – aber das ist freilich ein Grundsatzfrage, über die sich die Literaturwissenschaftler selbst nicht einig sind.

Holzschnittartiger Zeichenstil

„Der Prozess“ist in der Adaption ein sehr mutiges Kräftemessen mit dem Roman. Auch Chantal Montelliers Bilder sind schwarz-weiß, sie zeichnet sehr detaillreich. Indem sie dem Protagonisten Josef K. eine große Ähnlichkeit mit Franz Kafka verleiht, trifft sie wortlos eine Aussage, die über die Romanvorlage hinausgeht. Sie fügt zudem im Comic ein kleines Skelett ein, das sich als eine Art Kommentator einmischt, das wohl der Morbidität Ausdruck verleihen soll und das sich als Symbol durch den Comic zieht.

Jaromír 99 hat sich bei „Das Schloss“ für einen holzschnittartigen Zeichenstil entschieden. Er ist klar und zurückhaltend, und wirkt dadurch fast schon kalt. Allerdings lässt Jaromír 99, anders als seine Kollegen, auch Grautöne zu, die die Härte erträglich machen. Hier lässt der Zeichner der Fantasie des Guckers wohl die größte Freiheit. Aber nach Kafka gibt es sowieso nur ein Gefühl der Freiheit, also eine Täuschung . . .

Die von David Zane Mairowitz und Małgorzata Zerwe kuratierte Ausstellung „K: KafKa in KomiKs“ wird am Freitag um 21 Uhr im Literaturhaus, Breitscheidstraße 4, eröffnet. Karten: 4,50 bis 9 Euro. Die Ausstellung ist vom 7. November bis 9. Februar vor und nach den Abendveranstaltungen sowie nach telefonischer Anmeldung (72 20 21 73) zu sehen.

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