Viele Archivgüter waren noch auf ihre Digitalisierung Foto: Fotolia

Das Literaturarchiv Marbach treibt die Digitalisierung seiner Dokumente voran. Zugleich ist die Bestandserhaltung der Originale ein wichtiges Thema. Das ergab eine Tagung der kulturpolitischen Sprecher von CDU und CSU in den Parlamenten der deutschen Länder in Marbach am Neckar.

Marbach - „Die Bestandserhaltung und die Digitalisierung von Bibliotheks- und Archivgut sind zwei eigenständige Daueraufgaben, die ­entsprechend selbstständig und dauerhaft finanziert werden müssen“, sagte Sabine Kurtz, Sprecherin des Arbeitskreises ­Wissenschaft, Forschung und Kunst der CDU im baden-württembergischen Landtag am Dienstag in Marbach. Anlass war die Tagung der Kultursprecher der Fraktionen von CDU und CSU in den Parlamenten der deutschen Länder, die jährlich wechselnd in den verschiedensten Kultureinrichtungen Deutschlands stattfindet. So soll auf deren besondere Anliegen aufmerksam gemacht werden. Das Literaturarchiv in Marbach begründete das Thema – die Digitalisierung von Archivgut.

Die Situation in Marbach

Wie viele Dokumente verschiedenster Art sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach befinden, darüber gibt es nur Schätzungen. Direktor Ulrich Raulff spricht am Dienstag von 30 Millionen Dokumenten. Wie viele von diesen bereits elektronisch zugänglich sind, will Raulffs Stellvertreter ­Roland Kamzelak nicht benennen. Er geht aber von einem äußerst niedrigen Prozentwert aus. Der Grund: Dokumente können in Marbach bisher nur projektbezogen, etwa anlässlich einer Ausstellung, digitalisiert werden. An eine umfassende Digitalisierung ist also noch lange noch nicht zu denken. Da fehlt es sowohl an der Speicherkapazität als auch an der Finanzierung. Raulff geht von 10 Euro pro elektronischer Seite aus. „Hier genügt es bei weitem nicht, Dokumente einfach per Scanner einzulesen“, sagt Raulff. „Aufgrund ihrer Beschaffenheit benötigen viele Dokumente besondere Scan-Techniken, die häufig erst noch erprobt werden müssen. Und danach müssen diese so genannten Digitalisate oder Scans auch noch umfassend in ihrem Gesamtkontext vernetzt werden.“ Bereits digitalisiert sind in Marbach etwa die Archivgüter von Franz Kafka, Walter Benjamin, Paul Celan und W. G. Sebald. Raulff: „Da wird so viel geforscht, da wären die Originale bereits atomisiert, wenn wir diese immer zur Verfügung stellen würden.“ Abgeschlossen sind auch Digitalisierungsprojekte zu den Handschriften von Friedrich Schiller, den Notiz- und Tagebüchern von Peter Handke, den Weltreisealben von Harry Graf Kessler sowie Werkmanuskripten und Tagebüchern von Ernst Jünger.

Die Digitalisierung

Die Vorteile des Arbeitens mit Digitalisaten: Elektronische Seiten können beliebig vergrößert, auf- oder nebeneinander gelegt werden. Auch die Suche nach Begriffen geht elektronisch bedeutend schneller als beim klassischen Lesen. Und Digitalisate sind weltweit abrufbar.

Die Erhaltung

Nach wie vor müssen die Originale angemessen archiviert werden. „Wenn man die Papierqualität prüfen möchte, die Aufdruckstärke beim Schreiben oder die verwendete Tinte oder den Stift, ist das nur am Original machbar“, sagt Roland Kamzelak. Und dann gebe es Dokumente, die aufgrund ihrer nationalen Bedeutung im Original aufbewahrt bleiben sollen.

Die Perspektive

Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrats des Bundes haben sich 2012 die Literaturarchive Marbach, Weimar und Wolfenbüttel zu einem Forschungsverbund zusammengeschlossen. Ein Ziel: der Ausbau der Digitalisierung von Archivgütern. Der Bund finanziert dies auf fünf Jahre mit jährlich zwei Millionen Euro. Eine Förderung für weitere fünf Jahre ist möglich. „Zu dritt haben wir eine so reiche und dichte Überlieferung, wie sie wohl kaum ein anderes Land auf dieser Welt zu bieten hat“, sagt Ulrich Raulff: „In Wolfenbüttel beginnt der Sammlungsschwerpunkt im späten Mittelalter, in Weimar ist es die Klassik bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts und in Marbach das 20. und das 21. Jahrhundert“.

In einer in Marbach erstellten Resolution sehen die kulturpolitischen Sprecher von CDU und CSU Bestandserhaltung, Konservierung und Digitalisierung des Kulturguts als „wichtige Aufgabe der Kulturpolitik“.

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