Italien ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse. Foto: Filippo Ciappi/Zuma Press/dpa

Das Gastland 2024 war vor 36 Jahren schon einmal Ehrengast in Frankfurt. Auf der Buchmesse im Oktober soll eine italienische Piazza zum Dialog einladen.

Frankfurt/Main - Unter dem Motto "Verwurzelt in der Zukunft" präsentiert sich Italien in diesem Herbst als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse (16.-20. Oktober). Den Gastlandpavillon will der Architekt Stefano Boeri wie eine italienische Piazza gestalten, auf der diskutiert und gestritten werden kann. Während Deutschland oft "in den Konsens verliebt" sei, liebten die Italiener die Widersprüche, sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos bei der Vorstellung des Ehrengastprogramms im Frankfurter Literaturhaus. 

Auf der säulenumstandenen Piazza will Italien aktuelle Literatur aller Genres präsentieren, in Nebenräumen "sein wunderbares und unschätzbares Erbe". Geplant sind dort mehrere kleinere Ausstellungen: über die Antike, Goethes Italienreisen, den Staatsphilosophen Machiavelli, kostbare historische Buchausgaben oder Porträts bedeutender Autoren. Weil auch Kulinarik und die Musik zur italienischen Kultur gehören, solle es neben Essen und Trinken auch Gesang von Pop bis Puccini geben. Als Beitrag zur Inklusion ist eine Lesung im Dunkeln angekündigt. 

Vor 36 Jahren war Italien schon einmal Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. 2024 wolle man Vielfalt zeigen, sagte Mauro Mazza, Sonderbeauftragter der italienischen Regierung für den Buchmessen-Auftritt, aber auch dazu beitragen, "dass die Kultur die Vielfalt vereint".  Rund 100 Autoren sind eingeladen, darunter einige wie Claudio Magris oder Dacia Maraini, die schon 1988 dabei waren. 

Schon bei der Pressekonferenz ging es kontrovers zu: Italienische Journalisten vermissten prominente, aber regierungskritische Autoren wie Roberto Saviano auf der Gästeliste. Dieser werde wohl von seinem deutschen Verlag eingeladen, sprang Buchmessen-Direktor Boos Mazza bei, der antwortete, man habe eben eine Auswahl treffen müssen, manche hätten auch keine Zeit oder wollten nicht kommen. "Die Vielfalt ist gegeben", versprach Boos, "und für Reibung ist gesorgt".