Der syrische Dichter und Journalist Yamen Hussein berichtet in Eislingen von seiner Verfolgung durch den Geheimdienst und seine Flucht nach Deutschland. Foto: privat

In den Fängen des Geheimdienstes hat sich der syrische Dichter und Journalist Yamen Hussein vor seiner Flucht befunden – darüber berichtet er nun in Eislingen.

Eislingen - Von der Freiheit zu sprechen“ lautet der Titel des zweiten Literarischen Mai in Eislingen, der an diesem Montag beginnt. Zum Auftakt liest und spricht der syrische Dichter und Journalist Yamen Hussein in der Stadthalle. „Die Schuhe ziehe ich lieber nicht aus“, lautet der vielsagende Titel der Veranstaltung. Bis zum 29. Mai folgen noch drei Veranstaltungen. Die Reihe der Volkshochschule und der Stadtbücherei findet nicht von ungefähr in diesem Monat statt, riefen doch die Nationalsozialisten am 10. Mai des Jahres 1933 zur Bücherverbrennung auf.

Schreiben gegen das Vergessen

Vom „Schreiben gegen das Vergessen und der Rettung der Bücher“ handelte der erste Literarische Mai im Jahr 2015. Nun greift die Reihe diesen Faden, der durch die aktuelle politische Weltlage an Brisanz gewonnen hat, unter einem anderen Aspekt auf. Die Freiheit des Sprechens sei nicht nur in Syrien oder der Türkei bedroht, auch mitten in Europa gelte es, dieses Gut zu verteidigen, sagt Tina Stroheker. Die Eislinger Schriftstellerin hat die Veranstaltungsreihe nicht nur ins Leben gerufen, sie kuratiert sie auch. In ihren Augen ist die Möglichkeit, sich frei äußern zu dürfen, auch eine Verpflichtung. „Man muss etwas sagen, wenn etwas nicht stimmt. Noch müssen wir keine Helden sein, um die Wahrheit auszusprechen.“

In den Fängen des Geheimdienstes

Wie es ist, wenn es verboten ist, seine Meinung frei zu äußern, das hat Yamen Hussein, der seit 2014 als Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms der deutschen Schriftstellervereinigung PEN in München lebt, selbst erlebt. Er kritisierte die Eingriffe des Staates in die Publikations- und Pressefreiheit und geriet in die Fänge des Geheimdienstes. Nachdem er mehrmals verhaftet worden war, floh er – zunächst in die Türkei, dann nach Deutschland. Da er schlecht Deutsch spricht, ist bei der Auftaktveranstaltung an diesem Montag ein Dolmetscher dabei. Die Moderation obliegt Tina Stroheker.

„Nichts ist erregender als die Wahrheit“: Dieses Zitat des „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch (1885 bis 1948)ist der zweiten Veranstaltung am 23. Mai vorangestellt. Die Nürnberger Schauspielerin Michaela Domes und der Göppinger Lyriker Gerd Kolter lesen Texte kritischer Journalisten aus Geschichte und Gegenwart vor. Der Übersetzer, Essayist und Lyriker Klaus Reichert ist am 29. Mai in Eislingen zu Gast. Er ist der Verfasser des Essays „Das Menschenrecht auf Poesie“. Gerade die Poesie sei in Systemen, die die Freiheit einschränkten, sehr früh gefährdet, habe sie doch „Freiheitspotenzial“ und fordere zu einem Perspektivenwechsel auf, macht Stroheker deutlich, die besonders auf diesen Referenten gespannt ist, der für sie der Inbegriff des poeta doctus ist.

Führung auf dem Poetenweg

Auch eine Führung auf dem Poetenweg steht auf dem Programm. Sie findet schon am 20. Mai statt. Tina Stroheker will dabei vor allem jene Autoren vorstellen, die in der Emigration oder im Exil leben oder lebten. Das seien die meisten.

Vier Veranstaltungen

Gespräch:
Der syrische Journalist Yamen Hussein spricht und liest an diesem Montag um 19.30 Uhr in der Eislinger Stadthalle.

Führung:
Eine Führung auf dem Eislinger Poetenweg mit Tina Stroheker steht am Samstag, 20. Mai, auf dem Programm. Treffpunkt ist um 16 Uhr am Friedhof in Eislingen-Süd.

Lesung:
Texte kritischer Journalisten lesen Michaela Domes und Gerd Kolter am Dienstag, 23. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadthalle.

Vortrag
: Klaus Reichert, der Verfasser des Essays „Das Menschenrecht auf Poesie“ referiert am Montag, 29. Mai, um 19.30 Uhr über dieses Thema Veranstaltungsort ist die Stadthalle.

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